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Trotz Schlichtung : Neuer Kita-Streik? Runter von den Bäumen!

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Gewerkschaftsbasis ist gegen den Schlichterspruch im Kita-Tarifkonflikt und überschätzt sich damit selbst, meint unsere Kommentatorin.

Arme Eltern! Bei ihnen geht jetzt wieder die Angst um. Wo bleiben die Kinder während des Kita-Streiks? Sind Oma, Opa und die Nachbarn nochmal bereit, einzuspringen? Was sagt der Chef zu den vielen Fehlzeiten und wie überstehen die Kids das? Wieder einmal zeigt sich, dass die vielbeschworene Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Nu zusammenbricht, wenn auch nur ein Steinchen aus der fragilen Propaganda-Mauer herausbricht. Dass es ausgerechnet die Gewerkschaften sind, die ihre Forderung nach Gleichberechtigung von Mann und Frau im Berufsleben ad absurdum führen, ist mehr als pikant.

Bei einer Abstimmung der beteiligten Gewerkschaften hatten sich deren Mitglieder aus dem Bereich des Sozial- und Erziehungsdienstes mit deutlicher Mehrheit gegen den Schlichterspruch von Ende Juni ausgesprochen. Dieser sieht Gehaltserhöhungen zwischen 2 und 4,5 Prozent vor. Der Vorsitzende der DienstleistungsgewerkschaftVerdi, Frank Bsirske, erklärte daraufhin am Samstag die Schlichtung für die insgesamt rund 240.000 Erzieher und Sozialarbeiter für gescheitert. Er fügte hinzu: „Der Streik wird fortgesetzt“ - falls die Arbeitgeber nicht kräftig nachlegen. Am 13. August sollen im hessischen Offenbach die Tarifgespräche mit den kommunalen Arbeitgebern für die 240.000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst wieder aufgenommen werden. Solange es keinen Tarifabschluss gibt, sind weitere Streiks nicht ausgeschlossen.

Ein Spaziergang wird das auf jeden Fall nicht bei den Tarifverhandlungen, bei denen es für die Arbeitgeber nichts mehr zu verhandeln gibt. Schließlich liegt ein von beiden Seiten akzeptierter Schlichterspruch vor. Aus dieser Zwickmühle kommt Verdi-Chef Bsirske nur schwer heraus. Wer die Erwartung schürt, ein Gehaltsplus von zehn Prozent sei angemessen und durchsetzbar, muss sich nicht wundern, wenn die Leute anschließend nicht von dem Baum runter wollen auf den er sie gelockt hat. Blauäugig war es aber auch von den Erziehern – besonders von den 20.000, die während des Streiks noch schnell Verdi-Mitglied wurden – zu glauben, dass die klammen Kommunen das Spiel mitspielen. Selbst die beinharte Eisenbahnergewerkschaft hat sich mit 4,5 Prozent begnügt. Und das Tarifgefüge im öffentlichen Dienst gerät ins Rutschen, wenn Krankenschwestern und Altenpfleger weniger verdienen als Kita-Mitarbeiter.

Natürlich muss sich unsere Gesellschaft fragen, warum Dienstleister verhältnismäßig schlecht bezahlt werden. Aber das Kita-Personal muss sich auch fragen lassen, warum für das Windeln eines Kleinkindes so viel mehr bezahlt werden soll als für das Windeln einer Seniorin? Warum soll es wertvoller sein, einem Dreikäsehoch ein Bilderbuch vorzulesen als mit Demenzkranken ein Fotoalbum anzuschauen? Hier scheint eine gehörige Portion Selbstüberschätzung im Spiel zu sein. Also: Runter von den Bäumen!

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erstellt am 10.Aug.2015 | 10:33 Uhr

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