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A7 bei Rendsburg : Neue Rader Hochbrücke: Hoffen auf sechs Spuren

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Alexander Dobrindt prüft aktualisierte Verkehrszahlen des Landes – und erwägt einen breiteren Ersatzbau

Rendsburg | Neun Jahre hält die bröselnde Rader Hochbrücke auf der A7 bei Rendsburg noch – dann muss ein neues Bauwerk über den Nord-Ostsee-Kanal fertig sein. Bisher plant Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt eine vierspurige Querung als Ersatz, genau wie heute, nur mit etwas breiterem Standstreifen. Nun aber weckt der CSU-Minister bei Autofahrern im Land sogar erstmals die Hoffnung, dass er die neue Brücke auf Schleswig-Holsteins Nord-Süd-Magistrale doch mit sechs Spuren bauen lässt – und damit eine Forderung erfüllt, die sowohl sein Kieler FDP-Amtskollege Bernd Buchholz erhoben hat als auch die dänischen Nachbarn.

Grund für Dobrindts Nachdenken ist eine neue Verkehrszählung des Landes, die noch von Buchholz’ SPD-Vorgänger Reinhard Meyer veranlasst wurde und seit einer Woche zur Prüfung in Dobrindts Ministerium liegt. Zwar wollen momentan weder der Bund noch das Land die Zahlen veröffentlichen: „Wir werten die Daten derzeit aus“, sagt Dobrindts Staatssekretär Enak Ferlemann dem sh:z. Doch dem Vernehmen nach zeigt die neue Untersuchung, dass sich die Menge der Autos, die jeden Tag über die Brücke fahren, noch mal gegenüber der letzten Zählung erhöht hat. Und dass eine neue Brücke mit nur vier Spuren schon bald nach ihrer Eröffnung zum Engpass zu werden droht.

Rollten vor sieben Jahren noch 42.600 Fahrzeuge täglich auf der A7 über den Kanal, waren es bei der jüngsten Zählung des Bundes vor zwei Jahren schon 54. 200 – bei besonders starker Zunahme des Lkw-Verkehrs. Und laut den neuesten Zahlen des Landes wird auf der Brücke nun sogar fast die Marke von 60.000 Autos pro Tag erreicht. Ab dieser Menge ist gemäß den Autobahn-Richtlinien des Bundes ein sechsspuriger Bau zu rechtfertigen.

Zwar sind die A7-Strecken vor und hinter der Rader Hochbrücke auch nur vierspurig. Doch dort wäre bei weiterem Wachsen der Verkehrsmengen eine spätere Verbreiterung viel leichter zu machen als bei einer fertig gebauten Brücke. Daher prüft der Bund nun, ob es wirtschaftlich zu verantworten und rechtzeitig zu schaffen ist, gleich eine sechsspurige Querung über den Kanal zu bauen. „Wenn die Zahlen es irgendwie hergeben, werden wir es machen“, kündigt CDU-Staatssekretär Ferlemann an. Dabei sei auch die besonders starke Verkehrsbelastung der A7 an Spitzentagen im Sommer zu berücksichtigen. Die Entscheidung soll im Herbst fallen.

grafik laz neue raderbrücke 8-2016

Ein sechsspuriger Ausbau könnte nicht zuletzt den Verkehr während des Baus der neuen Brücke entlasten. Denn laut aktueller Planung soll zuerst von 2023 bis 2026 neben der jetzigen Brücke eine der beiden neuen Richtungsfahrbahnen über den Kanal gezogen werden. Dann wird die bröckelnde alte Brücke abgerissen. Bis an deren Standort die zweite neue Fahrbahn gebaut ist, muss der Verkehr vier Jahre lang in beiden Richtungen über die dann fertige erste Fahrbahn rollen – und da bringt eine zusätzliche Spur mehr Sicherheit und weniger Stress.
 

Kommentar

Nicht zu früh freuen, Autofahrer: Noch hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt kein grünes Licht für sechs Spuren auf der geplanten neuen Rader Hochbrücke auf der A7 gegeben. Doch nachdem der CSU-Mann bisher nur extrabreite Standstreifen für einen vierspurigen Ersatzbau der bröselnden Kanalbrücke bewilligt hat, scheint er nun immerhin ernsthaft über die große Lösung nachzudenken, die Schleswig-Holstein schon lange will.

Dobrindts eigene Zahlen machen ja deutlich, dass der Verkehr auf der A7-Brücke viel schneller gewachsen ist als erwartet: Mit gut 54.000 Autos pro Tag hatten die Experten erst 2030 gerechnet, aber nicht schon 2015. Laut neuen Zählungen des Landes ist die Marke von 60.000 nicht mehr fern, ab der auch der Bund sechsspurige Autobahnen für vertretbar hält. Selbst wenn diese Schwelle auf der Hochbrücke noch  nicht überschritten wird: Sechs Spuren wären in diesem Fall trotzdem zu rechtfertigen – denn falls es in ein paar Jahren so weit wäre, ließen sich ja nur noch mit irrwitzigem Aufwand weitere Spuren neben die neue Brücke setzen.

Aber sind es in ein paar Jahren tatsächlich über 60.000 Autos? Klar, der Verkehr im Norden nimmt  laut Dobrindts Prognosen weiter zu. Aber in zweieinhalb Jahren soll der Rendsburger Kanaltunnel  wieder komplett befahrbar sein, in 15 Jahren der Fehmarnbelt-Tunnel fertig, der womöglich Skandinavien-Verkehr von der A 7 abzieht. Braucht man dann wirklich sechs Spuren auf der Hochbrücke? Man weiß es nicht genau – und daher spricht beides letztlich nicht gegen einen breiteren Neubau.

Der heikelste Punkt ist vielmehr der Zeitplan. Die alte Brücke hält gerade noch neun Jahre.  Zwar steht die Planung der Projektfirma Deges  für einen Neubau bis 2026 mit vier Spuren längst – müsste aber für sechs Spuren stark überarbeitet werden. Nur wenn dennoch in 2026  der erste Bogen der neuen Brücke fertig sein kann,  ist ein sechsspuriger Bau zu vertreten. Das vor allem muss Dobrindt  prüfen.


 

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erstellt am 25.Jul.2017 | 19:18 Uhr

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