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Wieder Brandstiftung : Nauen: Geplante Flüchtlingsunterkunft abgebrannt

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Die Sporthalle im brandenburgischen Nauen konnte die Feuerwehr nicht mehr retten. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.

shz.de von
erstellt am 25.Aug.2015 | 08:20 Uhr

Nauen | Eine geplante Notunterkunft für Flüchtlinge hat im brandenburgischen Nauen (Havelland) westlich von Berlin gebrannt. Das Feuer an der Sporthalle hatte sich bei seiner Entdeckung am frühen Dienstagmorgen bereits auf das gesamte Gebäude ausgebreitet, wie die Polizei in Potsdam mitteilte. Die Feuerwehr habe sich deshalb dazu entschlossen, die Halle kontrolliert abbrennen zu lassen. Verletzt wurde nach ersten Angaben niemand. Die Polizei ging nach den bisherigen Erkenntnissen von Brandstiftung aus. Ein technischer Defekt sei höchst unwahrscheinlich, hieß es. Spezialisten sollen die Ursache am Vormittag eingehender untersuchen.

Erst am Wochenende kam es in Heidenau in Sachsen zu Gewalt vor einem Flüchtlingsheim. Bei den nächtlichen Krawallen von Rechtsextremisten und Rassisten waren seit Freitag über 30 Polizisten verletzt worden. In der neuen Unterkunft in Heidenau sollten nach Angaben des Betreibers bis Sonntagabend etwa 320 Menschen untergebracht sein. Ausgelegt ist das Flüchtlingsheim in einem früheren Praktiker-Baumarkt für bis zu 600 Menschen. Angela Merkel verurteilte die Unruhen.

In Nauen hatte es in diesem Jahr mehrfach Demonstrationen gegen die geplante Aufnahme von Asylbewerbern gegeben. Im Februar war eine Stadtverordnetenversammlung zu diesem Thema massiv von rechtsextremen Demonstranten gestört worden. Die Sitzung musste abgebrochen werden.

Die Sporthalle gehört zum Oberstufenzentrum mit beruflichem Gymnasium des Landeskreises Havelland. Der Landkreis hatte im Juli angekündigt, dass die Halle der vorübergehenden Unterbringung von Flüchtlingen dienen soll. Vorgesehen war eine Nutzung von September bis Jahresende. Mit Inbetriebnahme neu errichteter Container-Unterkünfte in Schönwalde und Dallgow-Döberitz sollte die Sporthalle dann wieder ihrem eigentlich Zweck dienen.

Nauens Bürgermeister Detlef Fleischmann (SPD) hat sich tief betroffen gezeigt. „Wenn es Brandstifter sind, sind es für mich Verbrecher“, sagte er am Dienstag. In der Stadt gebe es immer wieder rechtsextremistische Hetze in den sozialen Netzwerken. In den vergangenen Wochen sei es aber eher ruhig gewesen, nachdem zwei Täter nach mehreren Anschlägen auf Parteibüros der Linken und der SPD gefasst worden seien. In der Stadt gebe es aber auch Widerstand gegen Rechtsextremisten, betonte Bürgermeister Fleischmann. Erst in der vergangenen Woche hätten sich mehrere Verbände zusammengeschlossen, um gegen Fremdenfeindlichkeit vorzugehen.

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) forderte die Brandenburger zu einem Aufstand der Anständigen auf. „Setzen Sie Zeichen der Mitmenschlichkeit. Distanzieren Sie sich vom fremdenfeindlichen Mob“, sagte der Regierungschef in Potsdam. „Ob Ausländerhetze und tätliche Angriffe auf Menschen in Not in Heidenau oder die Verhinderung des Einzugs von Flüchtlingen in Nauen per Brandstiftung, derartige Aktionen sind beschämend und Deutschlands unwürdig.“ Am Abend wollten sich Bürger in Nauen zu einer Mahnwache zusammenfinden. Auch in Weissach war eine Mahnwache an der Brandruine geplant.

Brandanschläge auf Flüchtlingsheime 2015:

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9. Februar 2015 In Escheburg (Schleswig-Holstein) wird ein brennender Benzinkanister in ein Zweifamilienhaus geworfen. An diesem Tag sollten sechs Flüchtlinge aus dem Irak einziehen. Verletzt wird niemand. Ein 38-Jähriger wird als Täter identifiziert und verurteilt.
28. Februar 2015 In Liliental bei Bremen werfen Unbekannte einen Molotow-Cocktail an die Hauswand eines Einfamilienhauses. Dort hat die Gemeinde 15 Flüchtlinge untergebracht. Niemand wird verletzt.
4. April 2015 Tröglitz (Sachsen-Anhalt): Unbekannte legen Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft. Zuvor war der Ort in die Schlagzeilen geraten, als Bürgermeister Markus Nierth nach rechtsextremen Anfeindungen im März zurücktritt.
17. April 2015 Hepberg (Bayern): Unbekannte zünden eine noch unbewohnte Flüchtlingsunterkunft an. Zehn bis zwölf Personen hätten in den Wohncontainern unterkommen sollen. Der Sachschaden beträgt 10.000 Euro.
6. Mai 2015 Limburgerhof bei Mannheim: Unbekannte zünden eine noch nicht bewohnte Containeranlage für Flüchtlinge an. Der Sachschaden beträgt etwa 25.000 Euro.
28. Juni 2015 In Meißen (Sachsen) wird in der Nacht ein Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft gelegt. Verletzt wird niemand, da das Gebäude noch unbewohnt ist. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.
29. Juni 2015 Ein Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Lübeck-Kücknitz verursacht Sachschaden in Höhe von 1000 Euro. Das Feuer im Rohbau konnte die Feuerwehr schnell löschen. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund liegt nahe, so die Polizei.
18. Juli 2015 Remchingen-Singen (Baden Württemberg): Unbekannte legen ein Feuer und verursachen einen Schaden in Höhe von 70.000 Euro an einem Haus, welches als Flüchtlingsheim geplant war. Verletzt wird niemand.
16. Juli 2015 Reichertshofen (Bayern): Unbekannte brennen einen Gasthof nieder, der als Flüchtlingsunterkunft dienen solllte. An dem leerstehenden Gebäude entsteht hoher Sachschaden. Verletzt wird niemand.
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