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Roland Becker : Nach Streit um „Hitler-Glocke“: Bürgermeister von Herxheim tritt zurück

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Ausschlag für heftige Kritik am Bürgermeister war ein Interview im ARD-Magazin „Kontraste“. Becker fühlt sich missverstanden.

shz.de von
erstellt am 06.Sep.2017 | 15:02 Uhr

Herxheim am Berg | Nach heftiger Kritik an seinen Äußerungen zur NS-Zeit tritt der Bürgermeister der rheinland-pfälzischen Gemeinde Herxheim am Berg zurück. Ein Interview Roland Beckers im ARD-Magazin „Kontraste“ zu einer umstrittenen „Hitler-Glocke“ mit Nazi-Inschrift in dem Ort gab den Ausschlag dazu, wie es in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung Beckers (Freie Wähler) heißt.

Falls er durch die verkürzte Wiedergabe des Interviews und die aus dem Kontext gerissenen Sätze den Eindruck erweckt habe, dass er die NS-Zeit verherrliche, so wolle er sich davon „aufs Äußerste distanzieren“. So stamme die Aussage, dass damals nicht alles schlecht gewesen sei, nicht von ihm, er habe nur wiedergegeben, was eine 95-jährige Frau ihm gesagt habe.

Der Magazin-Bericht hatte sich um eine Glocke mit Hakenkreuz-Relief und der Aufschrift „Alles fuer's Vaterland - Adolf Hitler“ gedreht. Sie hängt seit 1934 im Turm der protestantischen Kirche in Herxheim, gehört aber der politischen Gemeinde.

Im Glockenturm der Kirche St. Jakob in Herxheim am Berg (Rheinland-Pfalz) hängt die umstrittene Bronzeglocke mit Hakenkreuz und dem Spruch „Alles fuer's Vaterland - Adolf Hitler“.

Im Glockenturm der Kirche St. Jakob in Herxheim am Berg (Rheinland-Pfalz) hängt die umstrittene Bronzeglocke. Foto: dpa

 

Becker hatte gesagt, man sei stolz, eine Glocke mit dieser Inschrift zu haben, es sei die einzige in Rheinland-Pfalz. Becker hatte außerdem gesagt, mit Hitlers Namen würden „immer gleich die Judenverfolgung und die Kriegszeiten“ verbunden. Man solle aber umfangreich berichten - „dass man sagt, das waren die Gräueltaten und das waren auch Sachen, die er in die Wege geleitet hat und die wir heute noch benutzen“.

Der Gemeinderat des Ortes forderte das ehrenamtliche Stadtoberhaupt nach der Sendung zum Rücktritt auf. „Es kann nicht sein, dass eine Zeit letztendlich fast schon verherrlicht wird, wo es einfach nichts zu verherrlichen gibt“, erklärte der Erste Beigeordnete Gero Kühner (SPD) am Montag. „Deshalb distanzieren wir uns da einhellig davon.“ Inzwischen prüft die Staatsanwaltschaft Frankenthal, ob der Anfangsverdacht einer strafbaren Handlung vorliegt.

Auf Initiative der Kirchengemeinde hat die Ortsgemeinde kürzlich bei einer Glockensachverständigen ein Gutachten zur Zukunft der Glocke in Auftrag gegeben, das alle gesetzlichen und denkmalschützerischen Anforderungen berücksichtigt. Auf dessen Grundlage will der Gemeinderat gemeinsam mit der Kirchengemeinde auch beraten, ob eine Infotafel zur Glocke angebracht wird.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland hingegen ist dafür, die umstrittene „Hitler-Glocke“ aus der Kirche zu holen und einem Museum zu übergeben. „Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass eine solche Glocke überhaupt in einer Kirche hängen geblieben ist“, teilte Josef Schuster am Dienstag mit und forderte damit auch die Evangelische Kirche zum Handeln auf. „Noch weniger Verständnis habe ich dafür, dass es offenbar heute noch Menschen gibt, die eine positive Einstellung zu dieser Glocke haben“, sagte Schuster.

Der Fall der „Nazi-Glocke“ gelangte nach einem Zeitungsartikel ins Rollen. Darin hatte eine pensionierte Lehrerin kritisiert, dass sie immer noch genutzt wird und nichts auf ihre Geschichte hinweist.

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