Nach Straßenschlachten in Kiew: Demonstranten rüsten auf

shz.de von
20. Januar 2014, 16:00 Uhr

Nach den bisher blutigsten Straßenschlachten in Kiew haben sich Hunderte radikale Regierungsgegner für neue Gewalt gegen die russlandtreue Führung gerüstet. Mit Gasmasken vermummte prowestliche Oppositionelle bewaffneten sich gestern mit Holzknüppeln und warfen Steine auf Mitglieder der berüchtigten Polizeieinheit Berkut (Steinadler). Medien berichteten von rund 3000 Gewaltbereiten nahe dem Regierungsviertel im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt. Sie bekamen Rückendeckung von der inhaftierten ukrainischen Oppositionsführerin Julia Timoschenko. „Wenn ich in Freiheit wäre, dann wäre ich bei Euch. Die Freiheit ist diesen Kampf wert“, hieß es in ihrem Appell.

Dagegen rief Oppositionspolitiker Vitali Klitschko alle Ukrainer auf, sich den friedlichen Protesten anzuschließen. „Ihr werdet hier gebraucht, damit die Ukraine gewinnt und nicht Janukowitsch“, sagte der Gegner des prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch. Die Bundesregierung, die EU und die USA zeigten sich besorgt über die Eskalation.

Die Führung um Janukowitsch bildete eine Kommission für einen Ausweg aus der Krise. Der Staatschef selbst wollte zunächst aber nicht an einem Treffen mit der Opposition teilnehmen. Die ukrainische Justiz stufte indes die Straßenschlachten als Landesverrat ein und warnte vor einer Bedrohung der nationalen Sicherheit. „Das ist nicht bloß Rowdytum. Das ist Landesverrat“, sagte Generalstaatsanwalt Viktor Pschonka. Er forderte die Opposition um Klitschko auf, unverzüglich ihre Anhänger zum Abzug aus dem Zentrum aufzurufen.

Bei den Straßenschlachten waren seit Sonntag mehr als 200 Menschen verletzt worden.

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