Jüdische Minderheit aus Äthopien : Nach Protesten in Tel Aviv: Netanjahu stellt Hilfsprogramm in Aussicht

Jüdische Afrikaner fühlen sich in Israel diskriminiert. Es kommt zu heftigen Protesten gegen die Polizeigewalt. Ursache ist ein Video.

shz.de von
04. Mai 2015, 16:55 Uhr

Tel Aviv | Nach massiven Protesten aus Äthiopien stammender Juden gegen Polizeigewalt in Israel hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zur Ruhe aufgerufen. „Es ist Raum, um alle Vorwürfe zu untersuchen“, sagte er am Sonntagabend, „aber es gibt keinen Raum für diese Art von Gewalt und Gesetzesbrüchen.“ Netanjahu sprach am Abend mit Sicherheitsminister Izchak Aharonowitsch.

Bei Zusammenstößen zwischen Tausenden aus Äthiopien stammenden Juden und der Polizei in Tel Aviv waren am Wochenende Dutzende Menschen verletzt worden. Hintergrund des Aufruhrs ist ein Video, das zeigt, wie Polizisten einen äthiopischstämmigen israelischen Soldaten misshandeln. Insgesamt wurden laut der Nachrichtenseite „ynet“ 46 Menschen bei den Zusammenstößen verletzt, darunter 23 Polizisten. Mindestens 26 Menschen seien festgenommen worden.

Netanjahu traf sich am Montag mit Repräsentanten der äthiopischen Gemeinde, darunter auch dem misshandelten Soldaten. Er kündigte an, seine neue Regierung wolle sich ihren Problemen intensiver widmen. Der Minderheit stellt Netanjahu ein spezielles Hilfsprogramm in Aussicht.

Nach Augenzeugenberichten setzte die Polizei auf dem zentralen Rabin-Platz Tränengas und Blendgranaten gegen die Demonstranten ein. Diese hätten die Sicherheitskräfte wiederum mit Steinen und Flaschen beworfen. Im Stadtzentrum waren mehrere laute Explosionen zu hören. Einige Demonstranten kippten ein Polizeiauto um. Über Tel Aviv kreisten stundenlang Polizeihubschrauber. Hunderte Polizisten bemühten sich am Abend um eine Beruhigung der Lage. Die Demonstranten hatten zuvor die Autobahn zwischen Tel Aviv und Jerusalem sowie zentrale Straßen in der Küstenmetropole blockiert. Einige von ihnen legten sich auf die Straße. „Nicht schwarz, nicht weiß, wir sind alle Menschen“, skandierten Teilnehmer des Protests. Nach Angaben des israelischen Statistikbüros leben mehr als 135.000 Juden mit äthiopischen Wurzeln im Land. Viele von ihnen beklagen eine Benachteiligung in Beruf und Alltag.

Für den Dienstag werden neue Protesten der äthiopischstämmigen Juden erwartet. Israels Polizei hat daher ihre Präsenz in Jerusalem deutlich verstärkt.

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Religionsgruppen in Israel:

Juden 75,4 % davon 46 % säkulär, 32 % traditionell, 15 % orthodox und 7 % ultraorthodox
Muslime 16,9 % davon die meisten sunnitische Muslime, knapp mehr als eine Million
Christen 2,1 % davon 113.100 arabische Christen, 25.400 nicht-arabische Christen
Drusen 1,7 % in Israel leben etwa  125.300 Gläubige, im Libanon 280.000 und in Syrien 700.000
Andere 4,0 % unter anderem Bahai, Samaritaner und Karäer
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