Nach Flugzeugabschuss: Ukraine droht Russland mit Grenzschließung

Am Tag der Trauer  versammelten sich auf den Plätzen Ukrainer und gedachten der Opfer.
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Am Tag der Trauer versammelten sich auf den Plätzen Ukrainer und gedachten der Opfer.

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15. Juni 2014, 16:34 Uhr

Nach dem Abschuss eines Militärflugzeugs mit 49 Soldaten hat der ukrainische Präsident Petro Poroschenko den prorussischen Separatisten mit Vergeltung gedroht. Für den „zynischen Terrorakt“ würden die Aufständischen im Osten des Landes teuer bezahlen, sagte der prowestliche Staatschef in Kiew. Alle 49 Soldaten an Bord waren ums Leben gekommen. Die Ukraine gedachte der Opfer mit einem Tag der Trauer. Der Abschuss hatte weltweit für Bestürzung gesorgt. Für heute berief Poroschenko den nationalen Sicherheitsrat ein, möglicherweise geht es auch um eine Schließung der Grenze zu Russland. Die Ukraine drohte Russland zudem mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Falls Moskau weiterhin zur Verschärfung der Lage im Osten der Ex-Sowjetrepublik beitrage, müsse die Ukraine zu diesem „äußersten Mittel“ greifen, sagte Außenminister Andrej Deschtschiza. Deschtschiza warf Moskau vor, Nachschub für militante Gruppen über die gemeinsame Grenze nicht zu verhindern. Moskau bestreitet, Einfluss auf die Separatisten zu haben.

Der Flugzeug-Abschuss war der schwerste Rückschlag für die ukrainische Armee seit Beginn ihrer „Anti-Terror-Offensive“ gegen Separatisten Mitte April. Die Aufständischen bekannten sich dazu, die Maschine bei der Landung auf den Flughafen von Lugansk mit Raketen beschossen zu haben.

Die ukrainische Armee setzte ihre Offensive fort. Bei tagelangen Luftangriffen bei Kramatorsk seien mehr als 50 Aufständische getötet und etwa 150 verletzt worden. Die Aufständischen wiesen Vorwürfe zurück, dass sie aus Russland drei T-64-Panzer erhalten hätten. Ihres Wissens stamme das Kriegsgerät aus ukrainischen Depots. Die Aufständischen halten auch mehrere OSZE-Beobachter gefangen. Der „Bild“-Zeitung zufolge ist unter ihnen auch eine Deutsche.

Vor der russischen Botschaft in Kiew kam es zu Ausschreitungen. Demonstranten warfen Moskau vor, für die Gewalt verantwortlich zu sein. Das russische Außenamt und die USA verurteilten die Proteste. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) rief Kremlchef Wladimir Putin in einem Telefonat zur schärferen Kontrolle der Grenze auf.

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