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E-Mail an Parteimitglieder : Nach Eklat bei „Günther Jauch“: AfD distanziert sich von Björn Höcke

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Mit seinen rechtspopulistischen Thesen ließ der AfD-Mann die Zuschauer fassunglos zurück. Seine Partei reagiert.

shz.de von
erstellt am 22.Okt.2015 | 10:43 Uhr

Selbst die AfD-Spitze hat jetzt offenbar genug von Björn Höcke: Nach dem Eklat bei „Günther Jauch“ am Sonntagabend pfeift die Parteispitze ihren Fraktionschef in Thüringen zurück. Das berichtet der Mediendienst kress.de. Demzufolge schrieben die AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry und Jörg Meuthen am Mittwochabend eine Mail an die Parteimitglieder: „Er ist nicht legitimiert, für die Bundespartei zu sprechen“, heiße es darin. „Wie die große Mehrheit der AfD Mitglieder“ fühlten sie sich vom „derzeitigen Stil des Auftretens des thüringischen Landesvorsitzenden Björn Höcke nicht vertreten“. Und weiter: „Er ist legitimiert für den Landesverband Thüringen zu sprechen, nicht aber für die Bundespartei.“

In der ARD hatten am Sonntagabend Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD), Journalistin Anja Reschke, der saarländische Innenminister Klaus Bouillon (CDU) und Höcke über das Thema „Pöbeln, hetzen, drohen - wird der Hass gesellschaftsfähig?“ diskutiert. Letzterer sorgte mit seinem Habitus und seinen Aussagen für Fassungslosigkeit bei Gästen und Zuschauern.

Aus „tiefer Liebe zu seinem Land“ sei er in die Politik gegangen, erzählte der rechte Politiker am Sonntagabend vor fünf Millionen ARD-Zuschauern. Er beklagte eine „verrücktgewordene Allparteienpolitik“. Und zog dabei mit feierlicher Geste eine kleine Deutschlandflagge aus dem Jackett und legte sie penibel wie ein Zierkissen auf seine Stuhllehne. Im Anschluss behauptete er unter anderem, Deutschland würde sich mit den Flüchtlingen „sozialen Sprengstoff importieren“.

Die Aussagen seines Sitznachbarn seien „widerlich“ und „hier sitzt ein Beispiel für rhetorische Brandstiftung“, sagte beispielsweise Maas in der Sendung.

Tausende Menschen folgen Björn Höcke mittwochs auf den Kundgebungen seiner Partei in der Landeshauptstadt Erfurt. Dort prangert er immer und immer wieder die Asylpolitik der Bundesregierung an.

Fast schon vergessen ist, dass AfD-Parteigründer Bernd Lucke, der mittlerweile eine neue Partei gegründet hat, ihn seiner Ämter entheben wollte. Der Grund: Höcke meinte in einem Interview, nicht jedes NPD-Mitglied könne als extremistisch eingestuft werden.

Der 43-jährige Höcke ist in Lünen in Nordrhein-Westfalen geboren. In Hessen war er fünf Jahre Gymnasiallehrer für Geschichte und Sport. Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

Mit der Landtagswahl vor gut einem Jahr gelang der AfD mit Höcke an der Spitze der Einzug ins Thüringer Landesparlament. Nach jüngsten Umfragen hat die Partei dort auf 12 Prozent zugelegt, obwohl sie über Monate hinweg mit Personalquerelen Schlagzeilen machte. Noch offen ist ein Verfahren der Staatsanwaltschaft Erfurt, die gegen Höcke wegen Scheingehältern für seine Wahlkreismitarbeiter ermittelt. Deswegen war ihm seine Immunität, also der Schutz vor Strafermittlungen, entzogen worden.

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