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Kommentar : Nach dem Brexit: Europa und die Gartenzwerge

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwei gedankliche Szenarien von Stefan Hans Kläsener.

Schließen Sie einen Moment die Augen, wenn Sie diese Zeilen gelesen haben, und stellen Sie sich folgende politische Konstellation auf dem Globus vor: In den USA regiert Donald Trump als Präsident, der sich mit Wladimir Putin verbrüdert hat. Europa ist zerfallen, weil außer Großbritannien auch Dänemark, die Niederlande und vor allem Frankreich der Union den Rücken gekehrt haben. Die Deutschen schauen sich um und fühlen sich glänzend isoliert.

Die Südländer Italien, Spanien, Portugal, Griechenland, Zypern usf. tanzen auf den Tischen, sind sie doch das Joch der Preußen los und haben all den Zinsballast abgeschüttelt, der ihnen die Sonne verschattete. Klappt es mit dem Außenhandel nicht so recht, dann wird die eigene Währung halt ein bisschen abgewertet, denn einen gemeinsam verantworteten Euro gibt es selbstredend nicht mehr.

Es ist also die schöne alte Welt, wie wir sie aus dem vergangenen Jahrhundert kannten, als die Deutschen an der Adria Urlaub machten, sich mit dem Salvataggio verbrüderten und über den britischen Touristen lachten, der nicht wusste, dass im Land der Zitronen die Sonne für einen nördlich des Kanals lebenden Menschen empfindliche Auswirkungen haben kann.

Auch bei geschlossenen Augen erkennt jeder, dass diese schöne Welt eine Gartenzwergidylle ist, die niemals wiederkehren wird, weil sie nicht wiederkehren kann. Aus ökonomischen, geopolitischen und gesellschaftlichen Gründen. Daher ist das Törichte am britischen Brexit die Verweigerung der Erkenntnis, dass man Europa benötigt, auch wenn man das Europa in seiner derzeitigen Gestalt nicht mag.

Das zweite Szenario ist schnell erzählt und ungleich lieblicher: Die Reststaaten besinnen sich auf die eigentliche Idee, reformieren Prozesse und Apparate und schaffen eine schlagkräftige Interessenvertretung. Augen auf. Europa lebt.

Brexit: Eine Katastrophe für Wohlstand und Frieden in Europa - ein Kommentar von Joachim Dreykluft.

 

 

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erstellt am 24.Jun.2016 | 20:24 Uhr

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