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Oberbürgermeisterin von Köln : Nach Attentat auf Henriette Reker: Prozess beginnt

vom

Ein 44-jähriger Mann ist angeklagt. Ihm droht als Höchststrafe lebenslange Haft.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2016 | 10:50 Uhr

Düsseldorf | Das Attentat auf Henriette Reker einen Tag vor ihrer Wahl zur Kölner Oberbürgermeisterin wird von diesem Freitag an in Düsseldorf vor Gericht aufgerollt. Angeklagt wegen versuchten Mordes ist ein 44 Jahre alter Mann. Frank S. hatte Reker am 17. Oktober 2015 ein Jagdmesser in den Hals gerammt. Die Politikerin wurde lebensgefährlich verletzt und lag während ihrer Wahl an die Spitze der größten Stadt Nordrhein-Westfalens im künstlichen Koma

Straftaten mit rechtsextremem Hintergrund haben stark zugenommen. Nach Angriffen auf Asylbewerberheime in Sachsen und Sachsen-Anhalt sprach die Polizei gar von „Pogromstimmung“.

Der Angreifer hatte sich in den 90er Jahren in der rechtsextremen Szene bewegt. Als Motiv soll der arbeitslose Anstreicher die Flüchtlingspolitik genannt haben. Reker war in Köln bis zur Wahl als Sozialdezernentin für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständig. Die Oberbürgermeisterin leidet noch heute unter dem Attentat und ist nach wie vor in ärztlicher Behandlung.

Der Prozess findet im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichtes Düsseldorf statt. Reker soll dort in zwei Wochen als Zeugin aussagen. Sie hatte berichtet, dass der Attentäter sie nach einer Blume gefragt und freundlich angeschaut hatte, bevor er ein großes Messer zückte und zustach. Anschließend verletzte er vier weitere Menschen schwer.

Dem Angeklagten droht als Höchststrafe lebenslange Haft. Nach Ansicht des Verteidigers könnte die Attacke aber auch als gefährliche Körperverletzung gewertet werden. Reker tritt im Prozess als Nebenklägerin auf - vertreten durch einen Anwalt.

Zur Person: Henriette Reker

  • Henriette Reker (59) ist die erste Frau an der Spitze Kölns. Vor ihrer Wahl zur Oberbürgermeisterin war sie fünf Jahre lang Sozialdezernentin in Nordrhein-Westfalens größter Stadt. Als parteilose Kandidatin wurde sie unterstützt von CDU, FDP und den Grünen. Im Wahlkampf versprach sie einen „tiefgreifenden Wandel“ und kündigte an, durch diverse Skandale in der Domstadt verloren gegangenes Vertrauen in Politik und Verwaltung zurückzugewinnen.
  • Nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln geriet Reker erneut in den Fokus: Ihre Empfehlung an Frauen, eine Armlänge Abstand zu Fremden zu halten, sorgte für Empörung und Spott. Später distanzierte sie sich von dieser Empfehlung: „Ich hätte mir im Nachhinein diese unglückliche Aussage mit der Armlänge ersparen können“, sagte sie in einer Bilanz ihrer ersten 100 Tage im Amt.
  • Reker ist in Köln geboren und aufgewachsen. Nach dem Jurastudium arbeitete sie in Bielefeld, Münster und Gelsenkirchen, bevor sie 2010 nach Köln zurückkehrte. Zehn Jahre lang sammelte sie Verwaltungserfahrung als Dezernentin in Gelsenkirchen. Verheiratet ist Reker mit dem australischen Golflehrer Perry Somers.
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