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Debatte über Sicherheit in Eurobahn : Nach Attacke im Zug: „Thalys-Helden“ bekommen Ehrenlegion

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Frankreich feiert die Fahrgäste, die im Thalys einen Mann mit einer Kalaschnikow stoppten. Die Hintergründe sind noch unklar.

shz.de von
erstellt am 24.Aug.2015 | 09:47 Uhr

Paris | Frankreichs Präsident François Hollande hat drei Amerikaner und einen Briten für ihr Eingreifen bei der Thalys-Attacke mit der Ehrenlegion ausgezeichnet. Mit ihrem Mut hätten sie es ermöglicht, Leben zu retten, sagte Hollande am Montag. Er überreichte die hohe Auszeichnung den US-Soldaten Alek Skarlatos und Spencer Stone, dem amerikanischen Studenten Anthony Sadler sowie dem Briten Chris Norman im Élysée-Palast in Paris.

Die Männer hatten am Freitagabend einen mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr und einer Pistole bewaffneten Marokkaner in dem Hochgeschwindigkeitszug Amsterdam-Paris niedergerungen. Seitdem werden sie in Frankreich und den USA als Helden gefeiert. Die Hintergründe des Vorfalls sind noch nicht geklärt: Handelt es sich um einen Terrorangriff? Der Angreifer weist das zurück - doch er gibt sich auch als 25-jähriger Marokkaner aus, der den Behörden als Anhänger des radikalen Islamismus bekannt ist.

Frankreichs Präsident François Hollande geht von terroristischen Absichten des Angreifers aus dem Thalys-Hochgeschwindigkeitszug aus. „Eine Person hatte entschieden, einen Anschlag im Thalys zu begehen“, sagte er am Montag in Paris mit Blick auf den am Freitag festgenommenen 25-jährigen Marokkaner. „Er hatte genug Waffen und Munition, um ein Blutbad anzurichten.“ Dies hätte er auch gemacht, wenn nicht einige Fahrgäste eingeschritten wären, betonte der Staatschef bei einer Zeremonie, bei der er drei Amerikaner und einen Briten für ihr Eingreifen mit der Ehrenlegion auszeichnete. Sie hatten den mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr und einer Pistole bewaffneten Angreifer am Freitag niedergerungen.

Der festgenommene Marokkaner wird von französischen Anti-Terror-Ermittlern verhört und soll ein radikaler Islamist sein. Allerdings wies er selbst zunächst jegliche Terrorabsichten von sich und sagte, er habe Fahrgäste ausrauben wollen. Der Mann sei erstaunt über den Terrorismus-Vorwurf gewesen, erzählte die Anwältin Sophie David, die ihn nach eigenen Angaben nach seiner Festnahme betreute, dem Sender BFMTV.

Der 25-Jährige behaupte auch, dass er weder geschossen noch einen Schuss gehört habe: „Er sagt, dass die Kalaschnikow nicht funktioniert hat.“ Die Waffen will der nach eigenen Angaben obdachlose Mann in einem Park in Brüssel gefunden haben. Die Anwältin beschrieb ihn als dünn und verstört.

Nach Angaben spanischer Ermittler soll der Mann sich in Spanien radikalisiert haben, er wurde von den dortigen Behörden 2012 als „potenziell gefährlich“ eingestuft, wie örtliche Medien berichteten. Die Pariser Staatsanwaltschaft, die den Fall leitet, äußerte sich bislang nicht zu den Ergebnissen ihrer Ermittlungen.

In Brüssel patroullieren Polizisten am Bahnhof.
In Brüssel patroullieren Polizisten am Bahnhof.

Der Fall löste auch eine Diskussion um die Sicherheitsvorkehrungen in Zügen aus. Belgiens Premierminister Michel brachte Pass- und Gepäckkontrollen für die internationalen Thalys-Züge ins Spiel. Er forderte zudem bereits am Samstag ein Krisentreffen der Innen- und Verkehrsminster aus Frankreich, Deutschland, Belgien und den Niederlanden - in diesen Ländern verkehren die Thalys-Züge.

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