Auto rast in Verlagsgebäude "De Telegraaf" : Nach Anschlag auf "De Telegraaf": "Wir lassen uns nicht einschüchtern"

Ein Täter fährt den Wagen gegen das Gebäude und setzt ihn in Brand. Danach flüchtet der Fahrer.

Ein Täter fährt den Wagen gegen das Gebäude und setzt ihn in Brand. Danach flüchtet der Fahrer.

In den Niederlanden ist der Anschlag auf die Tageszeitung am Dienstag schockiert aufgenommen worden.

shz.de von
26. Juni 2018, 12:09 Uhr

Amsterdam | Ein Kleinbus fuhr am Dienstag in Amsterdam zweimal gegen die Glaswand des Gebäudes, in dem das Boulevardblatt "De Telegraaf" seinen Sitz hat. Es folgte eine Explosion. War das ein Racheakt?

In den Niederlanden ist der Anschlag auf die Tageszeitung schockiert aufgenommen worden. Ein Kleinbus fuhr am frühen Dienstagmorgen in das Gebäude der Boulevardzeitung in Amsterdam und geriet dann in Brand. Verletzt wurde niemand. Es handle sich vermutlich um eine bewusste Aktion, teilte die Polizei im Tagesverlauf mit. Nach dem Fahrer des Fahrzeugs wurde gefahndet.

"Regierung in Alarmbereitschaft und wachsam"

Das Gebäude der größten Tageszeitung der Niederlande liegt am Rande der Stadt in einem Gewerbegebiet. Der Vorfall ereignete sich nach Angaben der Polizei gegen 4.00 Uhr morgens. Zunächst gab es noch keine Hinweise auf den Hintergrund. Ein Racheakt von Kriminellen wurde nicht ausgeschlossen. "De Telegraaf" ist bekannt für investigative Recherchen im organisierten Verbrechen.

Ministerpräsident Mark Rutte reagierte bestürzt. "Das ist ein Schlag ins Gesicht der freien Presse und der niederländischen Demokratie", sagte er in Den Haag. Seine Regierung sei "in Alarmbereitschaft und wachsam." Auch andere Medien, Politiker und die Journalistengewerkschaft reagierten entsetzt. Die Zeitung veröffentlichte inzwischen Videobilder der Überwachungskameras. Danach war ein Mann zweimal gegen die gläserne Wand eingefahren. Der Fahrer mit Kapuze steigt dann ruhig aus und wirft etwas in den Laderaum. Danach gibt es eine Stichflamme und eine Explosion. Wenig später steigt er in einen zweiten Wagen, der zeitgleich bei dem Gebäude angekommen ist.

 

Spekuliert wurde am Dienstag über einen Zusammenhang mit einem früheren Anschlag auf die Redaktion einer Wochenzeitung im selben Gebäude, für den ein krimineller Rockerclub verantwortlich gemacht wird. Die Zeitung sprach von einem "gezielten Anschlag": "Wir lassen uns nicht einschüchtern", sagte Chefredakteur Paul Jansen im Radio. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte in Brüssel: "Im Namen der Kommission möchten wir unsere volle Unterstützung und Sympathie mit den niederländischen Medien und Journalisten ausdrücken und ihr Recht auf freie Berichterstattung verteidigen."

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