Demo in Dresden : Nach Anschlag auf „Charlie Hebdo“: Mit Karikaturen gegen „Pegida“

„Qu'est-ce qui embête Pegida?“ („Was ärgert Pegida am meisten?“) - die Antwort: „Je souffre d'un racisme anti-raciste“ („Ich leide unter Rassismus gegen Rassisten“). Die Kariaktur ist Teil einer Aktion von französischen und frankophonen Karikaturisten, die sich gegen die islamfeindliche Bewegung Pegida stellen.
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„Qu'est-ce qui embête Pegida?“ („Was ärgert Pegida am meisten?“) - die Antwort: „Je souffre d'un racisme anti-raciste“ („Ich leide unter Rassismus gegen Rassisten“). Die Karikatur ist Teil einer Aktion von französischen und frankophonen Karikaturisten, die sich gegen die islamfeindliche Bewegung Pegida stellen.

Erstmals nach den Anschlägen in Paris geht „Pegida“ wieder auf die Straße - unter besonderer Beobachtung aus Frankreich.

shz.de von
12. Januar 2015, 14:22 Uhr

Dresden | Anhänger der anti-islamischen Pegida-Bewegung wollen am Montag wieder bundesweit auf die Straße gehen - erstmals nach den Terroranschlägen von Paris. In Dresden, wo die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) vor einer Woche 18.000 Menschen mobilisierten, sowie in vielen anderen Städten sind Gegenaktionen geplant. Dabei wollen Bürger für Weltoffenheit eintreten und dagegen protestieren, Terror islamistischer Extremisten gegen Zuwanderer und gegen den Islam zu instrumentalisieren.

Anti-Pegida-Demos sind unter anderem in Hannover, Düsseldorf, Schwerin, Hamburg, München und Berlin geplant. In Dresden wollen die Pegida-Anhänger wegen der Terroropfer von Paris mit Trauerflor aufmarschieren. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) reagierte auf die entsprechende Ankündigung mit Empörung und forderte die Pegida-Organisatoren auf, ihre Demonstration abzusagen. „Die Opfer haben es nicht verdient, von solchen Hetzern missbraucht zu werden“, sagte er der „Bild“-Zeitung (Montag).

CSU-Chef Horst Seehofer forderte, die allwöchentlichen Pegida-Aktionen bis auf weiteres auszusetzen. „Ich möchte die Verantwortlichen (...) auffordern, dass sie jetzt, wo die ganze Welt trauert und schockiert ist über die Vorgänge in Paris, auf absehbare Zeit ihre Demonstrationen absagt“, sagte er in der ARD. Zuvor hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière der Pegida-Bewegung vorgeworfen, die Terroranschläge von Paris politisch zu missbrauchen.

Dass ausgerechnet die Pegida-Bewegung, die regelmäßig Zeitungen als „Lügenpresse“ beschimpfe, jetzt die Karikaturisten von „Charlie Hebdo“ ehren wolle, sei geradezu abenteuerlich, sagte der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir am Montag auf n-tv.

Die Vorsitzende der AfD-Fraktion im sächsischen Landtag, Frauke Petry, sagte dem Fernsehsender Phoenix: „Ihnen per se zu unterstellen, sie seien fremdenfeindlich und rassistisch, halte ich für nicht legitim.“ Es sei wichtig, mit den Teilnehmern der Pegida-Demonstrationen zu sprechen, sagte Petry, die auch dem Bundesvorstand der rechtskonservativen Partei angehört. Die AfD hatte vergangene Woche alle anderen Parteien aufgefordert, gemeinsam mit ihnen und Pegida an diesem Montagabend in Dresden schweigend und mit Trauerflor gegen den islamistischen Terror von Paris zu demonstrieren. Auf diesen Aufruf hatte jedoch keine Partei reagiert. Die AfD erklärte ihrerseits, sie sei von SPD-Chef Sigmar Gabriel nicht zu der von ihm angeregten Kundgebung gegen den Terror eingeladen worden.

Französische und frankophone Karikaturisten veröffentlichten am Sonntag ein Flugblatt mit dem Titel „Pegida, verschwinde!“. Sie seien empört über den in Dresden geplanten „Trauermarsch“, hieß es in dem Aufruf. „Wir lehnen es ab, dass Pegida das Gedenken an unsere Kollegen vereinnahmen will“, sagte ein Mitorganisator und Sprecher der Aktion der Deutschen Presse-Agentur.

Auf Facebook gibt es inzwischen unter dem Namen „Karikaturisten gegen Pegida“ eine öffentliche Gruppe, in der auf Deutsch und Französisch zu Toleranz, Weltoffenheit und gegen Hass und Islamfeindlichkeit aufgerufen wird.

Zu den ursprünglich elf Unterzeichnern gehört auch der niederländische Karikaturist „Willem“, Gründungsmitglied und Zeichner bei „Charlie Hebdo“. Er überlebte, weil er während der Anschläge im Zug nach Paris saß. „Wir, die französischen und frankophonen Zeichner, sind entsetzt über die Ermordung unserer Freunde. Und wir sind angewidert, dass rechte Kräfte versuchen, diese für ihre Zwecke zu instrumentalisieren“, heißt es in dem Flugblatt. Eine der Karikaturen zeigt etwa eine Hyäne und einen Aasgeier, die aus dem Terroranschlag Kapital schlagen wollen. Zugleich rufen die Zeichner die Dresdner zu Weltoffenheit und Toleranz auf. „In diesem Kampf ist Dresden, wie Paris, eine symbolische Stadt.“

In Leipzig, wo Tausende zu mehreren Gegendemos gegen den ersten Legida-Aufmarsch erwartet werden, traf die Stadtverwaltung im Lichte des Terrors von Paris eine umstrittene Entscheidung. Sie erließ eine Auflage, wonach Legida keine Mohammed-Karikaturen zeigen dürfe. „Nach Paris muss man davon ausgehen, dass die Mohammed-Karikaturen eine Provokation sind“, sagte ein Stadtsprecher der Deutschen Presse-Agentur. Ziel sei ein friedlicher Verlauf der Demonstration. Ein FDP-Stadtrat kritisierte das Verbot als Zensur und unzulässige Einschränkung der freien Meinungsäußerung. Mittlerweile wurde das Verbot wieder zurückgezogen.

Pegida macht in Dresden seit Wochen gegen die angebliche „Überfremdung“ Deutschlands durch Zuwanderer mobil. Inzwischen gibt es ähnliche Initiativen in vielen Teilen Deutschland, die jedoch weniger Zuspruch finden. Bei einer von Landesregierung und Stadt initiierten Kundgebung in Dresden bekannten sich am Samstag 35.000 Menschen zu Weltoffenheit.

Pegida-Gruppierungen in Deutschland:

Berlin

In der Hauptstadt sind verschiedene Bürgerbewegungen aktiv, die in ihren Forderungen „Pegida“ ähneln. Laut Verfassungsschutz hauptsächlich von Rechtsextremen und Teilen der NPD organisiert. Seit etwa zwei Monaten wöchentliche Demonstrationen mit bis zu 1000 Teilnehmern, zuletzt nur noch 500.

Düsseldorf

„Düwida“ („Düsseldorfer gegen die Islamisierung des Abendlandes“). Aufgerufen hatte unter anderem die rechtsextreme Partei „Pro NRW“. Bislang eine Demonstration mit rund 400 Teilnehmern.

Bonn

Zu „Bowida“ hat ebenfalls die Partei „Pro NRW“ aufgerufen. Bisher eine Demonstration mit rund 200 Teilnehmern. 

Würzburg

Demonstrationen zum Thema „Stoppt den Missbrauch des Asylrechts“. Organisatoren sind laut Behörden Privatleute, die sich nicht auf „Pegida“ bezögen. Seit kurzem Demonstrationen mit rund 100 Teilnehmern, wie bei „Pegida“ jeweils montags. Auf Facebook präsentiert sich das bayerische Netzwerk „Bagida“.

Kassel

Die „Kagida“-Organisatoren stammen allem Anschein nach ebenfalls aus der rechten Szene. Bislang drei Demonstrationen mit jeweils rund 80 Teilnehmern.

Rostock

In Rostock hat die rechte Szene („Rogida“) bislang eine Kundgebung mit 70 Teilnehmern veranstaltet. Weiterer Termin im Januar, Gegendemo bereits angemeldet.

Braunschweig

Eine erste „Bragida“-Kundgebung wurde nach Polizeiangaben im Vorfeld abgesagt, es gab wenig Unterstützung. Die Organisatoren planen nun einen „Spaziergang“.

Ostfriesland

Polizei und Staatsschutz nehmen „Ogida“ („Ostfriesen gegen die Islamisierung des Abendlandes“) bislang nur im Internet wahr. Keine Zusammenkünfte, keine Plakate, keine Schmierereien.

Schwerin und Stralsund

Mit „Mvgida“ (Mecklenburg-Vorpommern gegen die Islamisierung des Abendlandes)) hat die Pegida-Bewegung nach Rostock („Rogida“) nun in Schwerin und Stralsund einen neuen Ableger. Die Organisatoren haben für den 13. Januar zum ersten „Spaziergang“ aufgerufen. Ein breites Bündnis aus Initiativen, Kirchen, Verbänden und Politikern hat zu Gegenkundgebungen aufgerufen.

 
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