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PKK-Splittergruppe : Nach Anschlägen in Istanbul: Recep Tayyip Erdogan kündigt Rache an

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Wieder erschüttern Anschläge die Türkei. Dutzende Menschen sterben, vor allem Polizisten.

shz.de von
erstellt am 12.Dez.2016 | 11:10 Uhr

Istanbul | Nach dem Doppelanschlag einer Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK mit mindestens 44 Toten hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Vergeltung angekündigt. Die Täter müssten einen „noch höheren Preis bezahlen“, sagte Erdogan am Sonntag in Istanbul. Die PKK-Splittergruppe TAK (Freiheitsfalken Kurdistans) bekannte sich am Sonntag zu den beiden Anschlägen in der türkischen Metropole Istanbul vom Vortag.

Damit wollten sie unter anderem auf die Gefangenschaft des PKK-Anführers Abdullah Öcalan und die türkischen Militäroperationen vor allem im Südosten des Landes aufmerksam machen, hieß es auf deren Website. Die türkische Regierung vermutete schon vor Veröffentlichung des Bekennerschreibens eine Täterschaft der PKK.

Unter den Toten sind 36 Polizisten. Mehr als 150 weitere Menschen seien verletzt worden, sagte Innenminister Süleyman Soylu. Die erste Bombe explodierte nach Angaben von Soylu rund anderthalb Stunden nach dem Ende eines Fußballspiels zwischen den Erstligisten Besiktas und Bursaspor in der Nähe des Stadions von Besiktas. Es habe sich um eine Autobombe gehandelt, die gegen die Sondereinsatzpolizei gerichtet und um 22.29 Uhr Ortszeit gezündet worden sei.

Nur 45 Sekunden nach dem ersten Anschlag sprengte sich nach Angaben Soylus ein Selbstmordattentäter im Macka Park neben dem Stadion in die Luft. Auch dieses Attentat sei gegen Polizisten gerichtet gewesen, die die Gegend wegen des Fußballspiels abgesichert hatten.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, die Polizei habe einen Verdächtigen kontrolliert, der sich daraufhin in die Luft gesprengt habe. Die TAK teilte in ihrem Bekennerschreiben mit, zwei ihrer Anhänger seien bei den Attentaten getötet worden, ließ aber offen, ob es sich um zwei Selbstmordattentate handelte.

Die Zuschauer hatten sich zu dem Zeitpunkt der Anschläge schon zerstreut, es waren jedoch noch viele Polizisten vor Ort. Das Match zwischen den verfeindeten Mannschaften galt als Risikospiel, bei dem die Polizei Auseinandersetzungen zwischen Fans verhindern sollte.

Foto: dpa Infografik
 

Erdogan sagte am Sonntag in Istanbul, das wichtigste sei jetzt der Kampf gegen die „Pest des Terrors“. Schon am Samstagabend hatte er die Anschläge in einer Erklärung als „niederträchtig“ bezeichnet. In einer gemeinsamen Erklärung riefen die islamisch-konservative Regierungspartei AKP und die Oppositionsparteien CHP und MHP zur Einheit auf. Die pro-kurdische HDP verurteilte den Anschlag in einer Mitteilung bereits am Sonntagmorgen. 13 Verdächtige wurden bisher nach Angaben des Innenministeriums festgenommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel übermittelte Präsident Erdogan bei einem Telefonat ihr persönliches Beileid und das der Bundesregierung. Beide Politiker vereinbarten, die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Terrorismus zu intensivieren, teilte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer mit. Auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Außenminister Frank-Walter Steinmeier reagierten erschüttert. Der Nationale Sicherheitsrat der USA verurteilte die Anschläge ebenfalls auf das Schärfste.

Tausende Demonstranten versammelten sich aus Protest gegen Terroranschläge am Sonntag in der Nähe des Besiktas-Stadions. Sie schwenkten türkische Flaggen und hielten Schilder mit der Aufschrift „Wir gewöhnen uns nicht daran“ hoch, wie Fernsehbilder zeigten.

Am Samstag, nur wenige Stunden vor dem Attentat, hatte die islamisch-konservative AKP-Regierung einen umstrittenen Gesetzesentwurf zur Verfassungsänderung ins Parlament eingebracht. Damit sollen die Befugnisse von Erdogan deutlich ausgeweitet werden. Während die Opposition vor einer „Diktatur“ warnt, argumentiert die Regierung, ein Präsidialsystem sei unter anderem für die Stabilität des Landes wichtig.

Die Türkei wird immer wieder von schweren Anschlägen erschüttert. Die PKK verübt Anschläge vor allem auf Sicherheitskräfte. Nach dem Scheitern eines zwei Jahre alten Waffenstillstands im Juli vergangenen Jahres geht die türkische Armee vor allem im Südosten des Landes gegen die PKK vor.

Die türkische Regierung macht aber auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für Attentate verantwortlich. Erst am Montag hatte der IS seine Anhänger zu Anschlägen in der Türkei aufgefordert.

Die Türkei wird immer wieder von Anschlägen erschüttert. Eine Chronologie:

10. Dezember 2016

Zwei Explosionen erschüttern den Istanbuler Stadtteil Besiktas nach dem Ende eines Fußballspiels. Die Behörden sprechen von mindestens 29 Toten und 166 Verletzten. Die Täter sollen mindestens eine Autobombe gezündet haben.

November 2016

Bei einem Anschlag vor dem Gouverneursamt in der südtürkischen Provinzhauptstadt Adana sind nach offiziellen Angaben mindestens zwei Menschen getötet und 33 verletzt worden. Eine Autobombe soll auf dem Parkplatz detoniert sein.

17./18. August 2016

Bei drei gegen die türkische Polizei und Armee gerichteten Anschlägen in den Provinzen Elazig, Van und Bitlis werden 12 Menschen getötet. Es gibt mehr als 200 Verletzte. Ministerpräsident Binali Yildirim macht die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK für die Autobomben vor Polizeieinrichtungen verantwortlich, zu denen sich die PKK später auch teilweise bekennt.

Juni 2016

Am internationalen Terminal des Atatürk-Flughafens in Istanbul sprengen sich drei Selbstmordattentäter in die Luft. Sie reißen 45 Menschen mit in den Tod, rund 240 Menschen werden verletzt. Die türkische Regierung macht die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich.

Juni 2016

Ein Autobomben-Anschlag tötet in Istanbul zwölf Menschen, viele weitere werden verletzt. Bei den Toten handelt es sich um je sechs Polizisten und Zivilisten. Die aus der PKK hervorgegangene militante Splittergruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) bekennt sich zu der Tat.

März 2016

Ein Selbstmordattentäter sprengt sich auf der zentralen Einkaufsstraße Istiklal in Istanbul in die Luft und reißt vier Menschen mit in den Tod, 39 weitere werden verletzt. Drei der Todesopfer sind Israelis, ein weiteres Opfer ist aus dem Iran. Nach Angaben der türkischen Regierung hatte der Attentäter Verbindungen zum IS. Die Terrormiliz selbst bekannte sich nicht zu der Tat.

März 2016

Bei einem Autobomben-Anschlag in der Hauptstadt Ankara werden mindestens 37 Menschen getötet. Unter den Toten ist mindestens ein Selbstmordattentäter. Zu dem Anschlag bekennt sich später die TAK.

Februar 2016

Bei einem Bombenanschlag auf einen Militärkonvoi im Regierungsviertel von Ankara sterben 30 Menschen, darunter der Selbstmordattentäter. Zu dem Anschlag bekannt sich die TAK. Die türkische Regierung macht die PKK und ihren syrischen Ableger YPG für den Anschlag mitverantwortlich.

Januar 2016

Bei einem Anschlag im historischen Zentrum Istanbuls werden zwölf Deutsche getötet. Der Angreifer sprengt sich mitten in einer deutschen Reisegruppe in der Umgebung der Hagia Sophia und der Blauen Moschee in die Luft. Der Attentäter gehörte nach Angaben der türkische Regierung dem IS an.

Oktober 2015

Am Rande einer regierungskritischen Demonstration in der Hauptstadt Ankara reißen zwei Sprengsätze mehr als 100 Menschen in den Tod. Die Staatsanwaltschaft macht den IS verantwortlich.

September 2015

Bei einem Bombenanschlag in Igdir in der Osttürkei werden zwölf Polizeibeamte getötet. Zuvor starben bei einem Angriff der PKK und Gefechten im südosttürkischen Daglica in der Provinz Hakkari 16 Soldaten.

August 2015

Bei einem Bombenanschlag und einem anschließenden Angriff auf eine Polizeiwache in der Millionenmetropole Istanbul werden mindestens vier Menschen getötet. Zwei Frauen greifen zudem das US-Konsulat an, eine wird festgenommen. Sie soll Mitglied der linksextremen Terrororganisation DHKP-C sein.

Juli 2015

Im südtürkischen Grenzort Suruc reißt ein Selbstmordattentäter 33 pro-kurdische Aktivisten mit in den Tod. Die Behörden machen den IS verantwortlich, der sich allerdings nie zu der Tat bekennt.

Juni 2015

Zwei Tage vor der türkischen Parlamentswahl verüben Unbekannte in der südosttürkischen Kurden-Metropole Diyarbakir einen Sprengstoffanschlag auf eine Veranstaltung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP. Mindestens vier Menschen sterben.

Mai 2013

Bei der Explosion zweier Autobomben in der Grenzstadt Reyhanli werden mehr als 50 Menschen getötet. Die Regierung beschuldigt türkische Linksextremisten mit Kontakten zum Regime im benachbarten Syrien.

September 2011

Drei Menschen sterben in der türkischen Hauptstadt Ankara, als im Regierungsviertel eine Bombe explodiert. Eine Splittergruppe der PKK bekennt sich zur Tat.

17. Dezember 2016

Bei einer Explosion in der zentraltürkischen Stadt Kayseri werden mindestens 13 Soldaten getötet und weitere 48 Menschen verletzt.

 
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