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Wahl-Ärger : Mutti, Schulz, AfD: Das nervt vor der Europawahl

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Europa ist wichtig, Europa ist gut. Wählen gehen! Okay, abgehakt. Und jetzt, was uns auch noch zur Europawahl einfällt. Acht Gründe, warum die Tage vor der Europawahl anstrengend sind.

1. Europa ist so wichtig

Angela Merkel sagt: „Es ist nicht egal, wer in den nächsten Jahren die Aufgaben in Europa löst.“ Foto: dpa
Angela Merkel sagt: „Es ist nicht egal, wer in den nächsten Jahren die Aufgaben in Europa löst.“ Foto: dpa Foto: dpa

Schon klar: Die Europäische Union war eine gute Idee. Frieden, Sicherheit, Wirtschaftsunion - alles super. Und superwichtig. Und es ist so schön, dass man schnell für ein Hot Dog nach Dänemark fahren kann, ohne im Zoll kontrolliert zu werden. „Iss dein Gemüse, das ist so gesund“, sagte Mama oder Oma oder die Kindergärtnerin früher. Die Möhrchen und Böhnchen plumpsten fast aus Versehen von unseren Tellern auf den Boden. Heute sagt Mutti, pardon: Bundeskanzlerin Angela Merkel, bei allen Wahlveranstaltungen: „Bitte gehen Sie zur Europawahl, das ist wichtig.“ Und alle Kommentatoren bei allen Medien stimmen staatstragend mit ein. Und was machen wir? Richtig.

2. Es ist so einsam in den Wahllokalen

Damit sind wir bei einem weiteren grundsätzlichen Problem: der Wahlbeteiligung. Bei der letzten Europawahl im Jahr 2009 lag sie in Deutschland bei 43,3 Prozent, knapp über dem EU-Durchschnitt. Und in diesem Jahr rechnen alle mit dem Schlimmsten. Wer trotzdem wählen geht, ist ziemlich allein. Im Wahllokal den Nachbarn treffen und den neuesten Tratsch austauschen? Das klappt wahrscheinlich beim Altglascontainer besser.

3. Der Spitzenkandidat der SPD ist überall

Martin Schulz hat gelernt: „Brüssel muss nicht alles regeln“. Das sagt er über einem Klavier-Klangteppich im Wahlwerbespot. Auch sonst gibt es vor dem SPD-Spitzenkandidaten, der Kommissionspräsident werden will, kein Entkommen. Und wenn er selbst nicht spricht, lässt er andere reden. Zum Beispiel Helmut Schmidt, der ist ja im Alter so beliebt wie nie. In einem Doppelinterview mit Schulz sagte er der Bild-Zeitung, dass der der Richtige für das Amt des Kommissionspräsidenten sei. Na dann.

4. Der Spitzenkandidat der CDU ist nirgendwo

David McAllister. Foto: Michael Staudt
David McAllister. Foto: Michael Staudt

Haben Sie in den letzten Wochen David McAllister gesehen? Jedenfalls nicht auf Wahlplakaten. Die CDU zeigt unter anderem Hunde, die CDU wählen würden - und die Kanzlerin. Kommissionspräsident möchte für die Konservativen übrigens Jean-Claude Juncker werden, der kommt allerdings aus Luxemburg. Also lächelt Angela Merkel, die Frau mit dem Euro-Rettungsschirm, so milde und überlebensgroß wie im Bundestagswahlkampf. Dabei steht sie gar nicht auf dem Wahlzettel. Dort steht dieser ehemalige Ministerpräsident aus Niedersachsen. Nein, nicht Christian Wulff, der andere. Als wäre Europa-Politik nicht schon kompliziert genug.

5. Die AfD

Bernd Lucke und Hans-Olaf Henkel (l.) sind die Spitzenkandidaten für die AfD. Foto: dpa
Bernd Lucke und Hans-Olaf Henkel (l.) sind die Spitzenkandidaten für die AfD. Foto: dpa

Ausgerechnet die Leute, die in Deutschland den Euro abschaffen wollen und auch sonst die EU für eine schlechte Idee halten, möchten in Brüssel mitspielen. Ein bisschen absurd ist das. Kennen wir aber schon. Populisten haben es gerade bei der Europawahl leicht, weil es keine Prozenthürden für kleine Parteien gibt: Ein bisschen gegen Minderheiten wettern - und ganz viel gegen dieses Bürokratie-Monster in Brüssel. Dabei wissen doch inzwischen alle, dass es längst nicht mehr um Gurken und Glühbirnen geht.

6.  Nach der Wahl ist vor der Wahl

Der Populist Geert Wilders schnitt vor der Wahl einen Stern aus der Europa-Flagge. Foto: dpa
Der Populist Geert Wilders schnitt vor der Wahl einen Stern aus der Europa-Flagge. Foto: dpa

Apropos Populisten: Laut Prognosen ist der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders der Verlierer der Europawahl. Das wissen wir seit Donnerstagnacht. Blöd nur, dass die Wahlen zum Europäischen vier Tage dauern. Die Niederländer und Briten sind schon fertig, wir sind erst am Sonntag dran. Dass schon jetzt Teilergebnisse veröffentlicht werden, lange bevor das letzte Wahllokal geschlossen hat, widerspricht den Wahlgrundsätzen: Die Wahl muss allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim sein. Eine geheime Wahl heißt auch: unbeeinflusst. Aber bei so einer Europawahl nimmt man das offenbar nicht so genau.

7.  Selfies aus der Wahlkabine

Und weiter geht's mit den den Niederländern. Da denkt man, das Selfie sei schon fast wieder out - und dann das. Ob beim Sport, in der Umkleidekabine und am Strand  - der Trend des Selbstportraits mit dem Smartphone hat sich irgendwie verselbstständigt und jetzt auch den Weg an die Wahlurne geschafft. Unter dem Hashtag #stemfie überschwemmen die Niederländer Twitter mit Fotos. #stemfie setzt sich zusammen aus „stemmen“, dem niederländischen Wort für abstimmen, und „selfie“. Aber Achtung: In England ist das Ganze verboten, es drohen Geld- oder sogar Haftstrafen, und auch in Deutschland sollte man aufpassen: Das Wahlgeheimnis muss schließlich gewahrt sein.

8. Die Spots der „Partei“ werden nicht im Fernsehen gezeigt

„Die Partei“ von Martin Sonneborn ist immer für ein Wahlkampfskandälchen gut. Das ZDF weigerte sich, den Spot auszustrahlen. Die Begründung: Schleichwerbung für das Satire-Magazin Titanic, das offiziell als Partei-Organ gilt - und diverse Persönlichkeitsrechtsverletzungen. Die Partei verzichtete auf den Spot - zumindest im Fernsehen. Dabei wäre das ein gutes Gegengewicht zu Martin Schulz.

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erstellt am 23.Mai.2014 | 13:20 Uhr

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