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Terrorwarnung an Silvester 2015/2016 : Münchner Polizeipräsident: Geplant war Selbstmordanschlag

vom

Der Münchner Hauptbahnhof wird in der Silvesternacht abgeriegelt. Rund 550 Einsatzkräfte sind im Einsatz.

shz.de von
erstellt am 01.Jan.2016 | 02:31 Uhr

Der Terroranschlag in München sollte laut dem Münchner Polizeipräsidenten Hubertus Andrä als Selbstmordanschlag verübt werden. Das sagte Andrä am Freitag.

Es handle sich um fünf bis sieben Täter, sagte er bei einer Pressekonferenz mit Herrmann. „Der konkrete Hinweis heute Abend kam aus einer Quelle.“ Polizeistreifen und Fahndungen hätten bisher aber zu keinen Verdächtigen oder weiteren Hinweisen geführt. Rund 550 Einsatzkräfte seien im Einsatz. Die Informationen hätten also bisher nicht verdichtet werden können.

Herrmann sagte, die Hinweise des befreundeten Nachrichtendienstes seien zwar nicht hundertprozentig belastbar gewesen, aber so ernstzunehmen, dass sie nicht ignoriert werden konnten. Es sei richtig gewesen, die notwendigen Maßnahmen unverzüglich zu treffen.

Die Einschätzung der Gefährdung sei vergleichbar mit der kürzlich in Hannover, wo vor wenigen Wochen ein Fußball-Länderspiel abgesagt worden war. „Ich hoffe immer noch, dass diese Nacht ruhig zu Ende geht.“

Hinter dem drohenden Terroranschlag sollen nach Angaben der Polizei islamistische Attentäter stecken. Es handelte sich nach den Informationen der Beamten um eine nicht näher benannte Gruppe, sagte eine Sprecherin der Polizei in der Nacht zum Freitag. Die Behörden seien aus mehreren Quellen über die möglicherweise bevorstehende Anschläge informiert worden. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in München kamen die entscheidenden Tipps von französischen Behörden.

In Brüssel war das Silvesterfeuerwerk wegen Terrordrohungen abgesagt worden. Bei der Silvesterfeier am Brandenburger Tor in Berlin herrschten erhöhte Sicherheitsvorkehrungen.

Angesichts der Terrorwarnung hat die Polizei Hilfe angefordert. Kräfte aus dem südbayerischen Raum seien zur Unterstützung nach München geholt worden, teilte sie in der Silvesternacht über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. „Zusammen mit Spezialeinheiten sorgen wir für Eure Sicherheit.“

Wegen des drohenden Terroranschlags am Silvesterabend hat die Polizei in München zwei Bahnhöfe evakuiert und die Menschen vor größeren Ansammlungen gewarnt. Sie sollten vor allem den Hauptbahnhof und den Bahnhof im Stadtteil Pasing meiden. Die beiden Bahnhöfe seien geräumt worden, teilte die Polizei mit. Zudem empfahl sie, einen großen Bogen um größere Menschenmassen gerade im Innenstadtbereich zu machen.

Auf Facebook erklärte die Polizei: „Aufgrund ernst zu nehmender aktueller Hinweise geht die Münchner Polizei von der Gefahr eines Terroranschlages im Bereich München aus. Nach vorliegenden und von uns als ernst bewerteten Informationen soll es diese Nacht zu einem Anschlag kommen.“

Warning announcement of the Munich PoliceDue to hints taken seriously by the Munich Police there is the danger of a...

Posted by Polizei München on  Donnerstag, 31. Dezember 2015

Eine Sprecherin sagte: „Wir haben konkrete Hinweise, die wir nicht unter den Teppich kehren können.“ Züge würden den Polizeiangaben zufolge die beiden Bahnhöfe fürs Erste nicht mehr anfahren.

Ein Augenzeuge berichtete, dass die Zufahrt zum Hauptbahnhof zunächst nicht abgesperrt war. Polizisten baten die Menschen dann aber, die Gegend zu verlassen. Der Hauptbahnhof selbst war abgeriegelt, Einsatzkräfte mit schweren Waffen sicherten die Eingänge.

Nach Angaben eines weiteren Polizeisprechers gab es zwei konkrete Hinweise auf einen Terroranschlag in der Stadt. Details dazu nannte er nicht. Daraufhin seien in kürzester Zeit Maßnahmen ergriffen worden, zu denen die Räumung der beiden Bahnhöfe zählt.

Über das Internet - in erster Linie den Kurznachrichtendienst Twitter - wollte die Polizei die Öffentlichkeit auf dem Laufenden halten. Den Twitter-Account der Münchner Polizei finden Sie hier: 

           

           

Auf Fragen von Touristen, wann am Hauptbahnhof wieder Züge fahren werden, gaben die Beamten vor Ort keine konkreten Auskünfte. Trotz der Terrorwarnung  sind die S- und U-Bahnen in der Silvesternacht aber vorerst weitgehend nach Plan gefahren.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat die Sicherheitsmaßnahmen angesichts der Terrorwarnung in München gerechtfertigt. „Wir haben die generelle Linie, dass wir uns nicht von Terroristen unser Leben diktieren lassen wollen“, sagte er am Freitag. Aber wenn Warnungen so konkret sind in Ort und Zeit, dann müsse man entscheiden.

Die Hinweise auf Selbstmordanschläge galten demnach für den Hauptbahnhof und den Bahnhof Pasing. „Die Bedrohung hat sich ganz konkret auf Mitternacht bezogen und auf diese beiden Orte.“ Alle notwendigen Sicherheitsmaßnehmen seien ergriffen worden, sagte Herrmann, aber das Leben gehe weiter. Der allgemeinen Gefahr durch Terrorismus in Europa seien sich ohnehin alle bewusst.

Noch am Donnerstag hatte die Münchner Polizei erklärt, in der Silvesternacht werde es im Vergleich zu den Vorjahren keine erhöhten Sicherheitsvorkehrungen geben. Allerdings seien auch in diesem Jahr deutlich mehr Beamte als an anderen Tagen in Bereitschaft.

Die Sicherheitsbehörden in Berlin haben weiterhin keine konkreten Hinweise auf Anschlagspläne in der Bundeshauptstadt. „Die Sicherheitseinschätzung ist unverändert“, sagte ein Sprecher der Senatsinnenverwaltung am Silvesterabend.

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