Moralkeule

Pegida-Gegner organisieren den „Aufstand der Anständigen“

shz.de von
06. Januar 2015, 15:47 Uhr

Die Protestkulisse gegen Pegida wird immer gewaltiger. Ein Tsunami aus Gutmenschentum bricht über Anti-Islam-Demonstranten herein. Außer in Dresden wird die Zahl der Pegida-Teilnehmer von Gegendemonstranten um ein Vielfaches übertroffen. Prominente organisieren sich zum „Aufstand der Anständigen“. Doch wird der massive Gesinnungsdruck seine Wirkung verfehlen. Je einmütiger Pegida-Mitläufer in die rechte Ecke provinziellen Miefs gerückt werden, desto klarer bestätigt sich deren Vorurteil, es handele sich um eine Verschwörung von Politik und „Lügenpresse“.

So war zu befürchten, dass die Dresdener Montags-Demo noch mehr Zulauf erhielte, nachdem sie in Angela Merkels Neujahrsansprache buchstäblich abgekanzelt wurde. Zwar darf sich die Bundesrepublik als zweitgrößte Exportnation der Erde keine Ausländerfeindlichkeit leisten. Aber die beängstigende Gewalt, die im Namen des Islam weltweit ausgeübt wird, findet in der internationalen Politik bisher keine überzeugende Reaktion. Islamische Gesellschaften versäumen die scharfe Abgrenzung vom Missbrauch ihrer Religion durch ordinäre Gewaltverbrecher. Ungewollt tragen sie dazu bei, dass ein Zerrbild des Islam Angst macht.

Mit einer Kombination aus EU-Verweigerung und Fremdenabwehr schlagen populistische Parteien von Skandinavien bis Südfrankreich daraus mehr Kapital als in der Bundesrepublik, die Zuwanderern überwiegend mit erstaunlicher Hilfsbereitschaft begegnet. Je stärker sich verunsicherte Menschen aber stigmatisiert sehen, statt Antworten auf ihre Fragen zu finden, desto weiter werden sie sich von der Demokratie entfremden. Dass Pegida-Teilnehmer sogar gewaltsam am Protestmarsch gehindert werden – wie in Köln geschehen – zeugt vom mangelhaften Demokratieverständnis mancher Gegendemonstranten. Und statt mit kühlem Kopf Problemlösungen anzubieten, schwingen Deutschlands Eliten die Moralkeule.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen