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Nach Korruptions-Skandal in Südkorea : Moon Jae In offiziell zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt

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Der frühere Menschenrechtsanwalt Moon Jae In will die Korruption im Land bekämpfen, mehr Arbeitsplätze schaffen und wieder stärker auf Nordkorea zugehen.

shz.de von
erstellt am 10.Mai.2017 | 08:26 Uhr

Seoul | Einen Tag nach der vorgezogenen Präsidentenwahl in Südkorea hat die staatliche Wahlkommission den Linksliberalen Moon Jae In offiziell zum Sieger erklärt. Mit der Bestätigung habe die fünfjährige Amtszeit Moons offiziell begonnen, sagte ein Sprecher des Präsidialamts in Seoul am Mittwoch. Bei der Wahl entfielen auf Moon nach Angaben der Kommission 41,1 Prozent der abgegebenen Stimmen. Er tritt die Nachfolge der konservativen Politikerin Park Geun Hye an, die vor zwei Monaten wegen ihrer Rolle in einem Korruptionsskandal ihres Amts enthoben wurde.

Der Skandal um die Präsidentin und ihre Freundin wühlte das Land monatelang auf. Die Ermittler werfen Park vor, ihre Stellung als Präsidentin und ihre Macht im Interesse ihrer langjährigen Freundin Choi Soon Sil missbraucht und geheime Dokumente weitergegeben zu haben. Auch steht Park im Verdacht, an der Erstellung einer schwarzen Liste von mehr als 9000 Kulturschaffenden und Künstlern beteiligt gewesen zu sein, die ihr gegenüber kritisch waren.

Der 64-jährige Moon von der Demokratischen Partei gewann mit deutlichem Abstand vor seinen beiden größten Konkurrenten: Für den Konservativen Hong Jun Pyu stimmten 24 und für den Zentrumspolitiker Ahn Cheol Soo 21,4 Prozent der Wähler. Moon, der früher ein Menschenrechtsanwalt war, sollte noch am selben Tag bei einer Zeremonie vereidigt werden. Moon ließ sich nach den Angaben seines Büros von Armee-Stabschef Lee Sun Jin über die Sicherheitslage auf der koreanischen Halbinsel und die militärischen Bewegungen in Nordkorea informieren. Südkoreas Präsident ist zugleich auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte.

Die Lage in der Region ist nach zwei neuen Atomversuchen und zahlreichen Raketentests durch Nordkorea seit dem vergangenen Jahr sehr angespannt. Das Thema Sicherheit spielte im Wahlkampf neben dem Polit-Skandal um Moons Vorgängerin, der Korruptionsbekämpfung und der Wirtschaft eine wichtige Rolle. Moon will wieder stärker auf Nordkorea zugehen, setzt aber im Konflikt um das Atomprogramm des Nachbarlandes auf eine starke Sicherheitsallianz mit den USA.

Die vorgezogene Wahl war wegen der Absetzung Parks im März durch das Verfassungsgericht notwendig geworden. Die Ex-Präsidentin muss sich in den nächsten Monaten wegen Bestechlichkeit, Nötigung, Amtsmissbrauchs und anderer Vorwürfe vor Gericht verantworten. Moon hatte die Präsidentenwahl im Dezember 2012 gegen die Tochter des ehemaligen Militärdiktators Park Chung Hee verloren. Moon werde voraussichtlich noch am Mittwoch den Gouverneur der Provinz Süd-Jeolla, Lee Nak Yon, als neuen Ministerpräsidenten nominieren, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap. Lee soll Nachfolger des bisherigen Premierministers Hwang Kyo Ahn werden, der seit der Absetzung Parks die Amtsgeschäfte des Präsidenten kommissarisch geleitet hatte. Als Stabschef im Präsidialamt war Moon die rechte Hand des früheren liberalen Staatschefs Roh Moo Hyun, mit dem er bis zu dessen Suizid im Jahr 2009 befreundet war. 

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