Ägypten : Mohammed Mursi: Ex-Präsident zum Tode veurteilt

Ein Gericht in Kairo sieht es als erwiesen an, dass sich Mursi mit der Hamas und der Hisbollah verschworen haben soll.

shz.de von
16. Mai 2015, 11:42 Uhr

Ein Gericht in Kairo hat am Samstag den ehemaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi wegen Organisation eines Gefängnisausbruchs zum Tode verurteilt. Der Islamist soll sich laut Anklage Anfang 2011 mit der palästinensischen Hamas und der libanesischen Hisbollah dazu verschworen haben, den Ausbruch zu organisieren.

Mursi hatte 2012 als Kandidat der Muslimbruderschaft die Präsidentenwahl gewonnen. Im Juli 2013 stürzte ihn das Militär nach Massenprotesten gegen seine autoritäre Herrschaft. Er ist seitdem inhaftiert.

Das Urteil muss vom ägyptischen Mufti bestätigt werden. Im Anschluss daran kann dagegen noch Berufung eingelegt werden. In demselben Verfahren wurden am Samstag mehr als 100 weitere Funktionäre und Anhänger der verbotenen Muslimbruderschaft zum Tode verurteilt.

Der erste frei gewählte Präsident in der Geschichte Ägyptens war im Vormonat bereits in einem anderen Verfahren wegen Anstiftung zur Gewalt gegen Demonstranten zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Als Politiker und Präsident versprühte der heute 63-jährige Mohammed Mursi wenig Charisma. Seit seinem Sturz durch das Militär im Juli 2013 umweht ihn zumindest in den Augen seiner verbliebenen Anhänger die Aura des gnadenlos verfolgten Märtyrers. Am Samstag verurteilte ihn ein Gericht in Kairo zum Tode.

Mursi gilt als eher bodenständig und gehörte dem konservativen Flügel der inzwischen verbotenen Muslimbruderschaft an. Zum ersten freigewählten Präsidenten in der Geschichte Ägyptens wurde er fast zufällig. Seine Organisation schickte ihn 2012 erst in letzter Minute als Ersatzmann ins Rennen. Die Wahlkommission hatte zuvor das Bruderschafts-Schwergewicht Chairat al-Schater von der Wahl ausgeschlossen. Die Ägypter verpassten Mursi daraufhin den Spitznamen „Ersatzreifen“.

Die Präsidentenwahl im Juni 2012 gewann er nur knapp. Als erster Mann im Staat blieb er weiter der rigiden islamistischen Agenda der Bruderschaft verhaftet. Dabei hatten ihn viele Ägypter nur gewählt, weil sein Gegenkandidat in der Stichwahl ein Mann des alten Regimes war. Diesen Wählern entfremdete er sich zunehmend. Für das Militär war es deshalb ein Leichtes, ihn zu entmachten.

Mursi wurde 1951 in einem Dorf der Provinz Scharkija als Sohn eines Bauern geboren. Einen Teil seiner akademischen Laufbahn absolvierte er in den USA.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen