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Ex-„Breitbart“-Blogger : Milo Yiannopoulos: Sein kometenhafter Aufstieg und jäher Absturz

vom

Der Posterboy der amerikanischen Konservativen verharmloste Pädophilie. Das war auch seinen Anhängern zu viel. Ein Kommentar.

shz.de von
erstellt am 25.Feb.2017 | 12:47 Uhr

Der Hype um den kometenhaften Aufstieg und jähen Absturz des Milo Yiannopoulos (32) illustriert das Niveau auf den der öffentliche Diskurs abgesunken ist. Eben noch sollte der schrille Rechtsaußen der Agitprop-Seite Breitbart bei den leicht angestaubten Herren und Damen der konservativen CPAC-Konferenz sprechen. Dann tauchte ein Videomitschnitt auf, in dem Yiannopoulos den Sexualverkehr mit Kindern verharmloste.

Das trug ihm eine Ausladung der „Werte-Wähler“ ein, die bis vor Kurzem noch lustvoll über alles herzogen waren, das nicht „hetero“ war. Dass ausgerechnet CPAC einen bekennenden Schwulen zum Posterjungen der Redefreiheit stilisieren wollte, entbehrt nicht der Ironie.

Dabei wäre es in der Tat eine willkommene Abwechslung bei dem Jahrestreffen der Bewegungs-Konservativen gewesen, hätte die Einladung Yiannopoulos für neu gefundene Toleranz gestanden. Weit gefehlt. Stattdessen sollte der selbstverliebte Hetzer gegen Muslime und Frauen, der mit seinen rechtsradikalen Sprüchen Reporter wie ein Misthaufen die Fliegen abzieht, zum Opfer politischer Korrektheit stilisiert werden.

Der Grund? Studenten der „University of California in Berkley“ hatten mit gewalttätigen Protesten einen Auftritt des grellen Selbstdarstellungskünstlers verhindert. Gewiss entspricht das nicht demokratischen Gepflogenheiten. Doch die grundlegendere Frage lautet: Warum erhält eine so unwichtige Person überhaupt eine so große Bühne?

Zugegeben - Donald Trump hat als Präsident im Weißen Haus die Latte denkbar niedrig gehängt. Warum sollte die Öffentlichkeit da keinen Gefallen an einem finden, der den blondierten Narzissten „Daddy“ nennt und dessen Chauvinismus in die „Snap-Chat“-Generation überträgt?

Dass er sich mit seinen pädophilen Sympathie-Kundgebungen vorläufig selber aus dem Rennen genommen hat, ist kein Verlust. Die offene Frage bleibt, wann er wieder in die Schlagzeilen zurückkehrt. Die Lust am Widerlichen scheint dieser Tage ungebändigt.

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