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Kayseri : Militär: Mindestens 13 Soldaten bei Anschlag in der Türkei getötet

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Dieses Mal trifft es einen mit Soldaten besetzten Bus.

shz.de von
erstellt am 17.Dez.2016 | 12:09 Uhr

Istanbul | Eine Woche nach dem verheerenden Doppelanschlag von Istanbul sind bei einem Autobombenanschlag in der zentraltürkischen Stadt Kayseri mindestens 13 Soldaten getötet worden. 48 weitere Angehörige der Streitkräfte seien verwundet worden, teilte das Militär mit. Möglicherweise seien auch noch Zivilisten verletzt worden.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete unter Berufung auf den Provinzgouverneur, ein Selbstmordattentäter habe die Autobombe neben einem Bus mit Soldaten gezündet. Der Sender NTV berichtete, die Soldaten seien in ihrer Freizeit auf dem Weg zum Einkaufen gewesen.

Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Ähnliche Anschläge hat in den vergangenen Monaten vor allem die TAK verübt, eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

Die türkischen Behörden verhängten - wie inzwischen nach solchen Anschlägen üblich - eine Nachrichtensperre. Die pro-kurdische Oppositionspartei HDP verurteilte das Anschlag auf das Schärfste. Nach dem Anschlag von Istanbul hatten die Behörden zahlreiche HDP-Funktionäre festgenommen.

Die Verantwortung für den Doppelanschlag in Istanbul mit mindestens 44 Toten - darunter 36 Polizisten - am Samstagabend vergangener Woche hatte die TAK übernommen. Die TAK (Freiheitsfalken Kurdistans) verübt Anschläge in Metropolen wie Istanbul und Ankara. Die PKK beschränkt sich bei ihren Angriffen auf die mehrheitlich kurdische Südosttürkei, in der der Kurden-Konflikt vergangenes Jahr nach dem Zusammenbruch einer Waffenruhe wieder voll entflammt ist.

Der Anschlag am Samstag in Kayseri ereignete sich gegen 8.45 Uhr (Ortszeit/06.45 MEZ) in der Nähe der Erciyes-Universität. Kayseri liegt etwa 300 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Ankara.

Anschläge in der Türkei - eine Chronologie:

10. Dezember 2016

Zwei Explosionen erschüttern den Istanbuler Stadtteil Besiktas nach dem Ende eines Fußballspiels. Die Behörden sprechen von mindestens 29 Toten und 166 Verletzten. Die Täter sollen mindestens eine Autobombe gezündet haben.

November 2016

Bei einem Anschlag vor dem Gouverneursamt in der südtürkischen Provinzhauptstadt Adana sind nach offiziellen Angaben mindestens zwei Menschen getötet und 33 verletzt worden. Eine Autobombe soll auf dem Parkplatz detoniert sein.

17./18. August 2016

Bei drei gegen die türkische Polizei und Armee gerichteten Anschlägen in den Provinzen Elazig, Van und Bitlis werden 12 Menschen getötet. Es gibt mehr als 200 Verletzte. Ministerpräsident Binali Yildirim macht die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK für die Autobomben vor Polizeieinrichtungen verantwortlich, zu denen sich die PKK später auch teilweise bekennt.

Juni 2016

Am internationalen Terminal des Atatürk-Flughafens in Istanbul sprengen sich drei Selbstmordattentäter in die Luft. Sie reißen 45 Menschen mit in den Tod, rund 240 Menschen werden verletzt. Die türkische Regierung macht die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich.

Juni 2016

Ein Autobomben-Anschlag tötet in Istanbul zwölf Menschen, viele weitere werden verletzt. Bei den Toten handelt es sich um je sechs Polizisten und Zivilisten. Die aus der PKK hervorgegangene militante Splittergruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) bekennt sich zu der Tat.

März 2016

Ein Selbstmordattentäter sprengt sich auf der zentralen Einkaufsstraße Istiklal in Istanbul in die Luft und reißt vier Menschen mit in den Tod, 39 weitere werden verletzt. Drei der Todesopfer sind Israelis, ein weiteres Opfer ist aus dem Iran. Nach Angaben der türkischen Regierung hatte der Attentäter Verbindungen zum IS. Die Terrormiliz selbst bekannte sich nicht zu der Tat.

März 2016

Bei einem Autobomben-Anschlag in der Hauptstadt Ankara werden mindestens 37 Menschen getötet. Unter den Toten ist mindestens ein Selbstmordattentäter. Zu dem Anschlag bekennt sich später die TAK.

Februar 2016

Bei einem Bombenanschlag auf einen Militärkonvoi im Regierungsviertel von Ankara sterben 30 Menschen, darunter der Selbstmordattentäter. Zu dem Anschlag bekannt sich die TAK. Die türkische Regierung macht die PKK und ihren syrischen Ableger YPG für den Anschlag mitverantwortlich.

Januar 2016

Bei einem Anschlag im historischen Zentrum Istanbuls werden zwölf Deutsche getötet. Der Angreifer sprengt sich mitten in einer deutschen Reisegruppe in der Umgebung der Hagia Sophia und der Blauen Moschee in die Luft. Der Attentäter gehörte nach Angaben der türkische Regierung dem IS an.

Oktober 2015

Am Rande einer regierungskritischen Demonstration in der Hauptstadt Ankara reißen zwei Sprengsätze mehr als 100 Menschen in den Tod. Die Staatsanwaltschaft macht den IS verantwortlich.

September 2015

Bei einem Bombenanschlag in Igdir in der Osttürkei werden zwölf Polizeibeamte getötet. Zuvor starben bei einem Angriff der PKK und Gefechten im südosttürkischen Daglica in der Provinz Hakkari 16 Soldaten.

August 2015

Bei einem Bombenanschlag und einem anschließenden Angriff auf eine Polizeiwache in der Millionenmetropole Istanbul werden mindestens vier Menschen getötet. Zwei Frauen greifen zudem das US-Konsulat an, eine wird festgenommen. Sie soll Mitglied der linksextremen Terrororganisation DHKP-C sein.

Juli 2015

Im südtürkischen Grenzort Suruc reißt ein Selbstmordattentäter 33 pro-kurdische Aktivisten mit in den Tod. Die Behörden machen den IS verantwortlich, der sich allerdings nie zu der Tat bekennt.

Juni 2015

Zwei Tage vor der türkischen Parlamentswahl verüben Unbekannte in der südosttürkischen Kurden-Metropole Diyarbakir einen Sprengstoffanschlag auf eine Veranstaltung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP. Mindestens vier Menschen sterben.

Mai 2013

Bei der Explosion zweier Autobomben in der Grenzstadt Reyhanli werden mehr als 50 Menschen getötet. Die Regierung beschuldigt türkische Linksextremisten mit Kontakten zum Regime im benachbarten Syrien.

September 2011

Drei Menschen sterben in der türkischen Hauptstadt Ankara, als im Regierungsviertel eine Bombe explodiert. Eine Splittergruppe der PKK bekennt sich zur Tat.

17. Dezember 2016

Bei einer Explosion in der zentraltürkischen Stadt Kayseri werden mindestens 13 Soldaten getötet und weitere 48 Menschen verletzt.

 
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