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Heribert Schwans Aufzeichnungen : Merkels Tischmanieren: Kohl rechnet ab

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Christian Wulff ist eine Null “: Der Altkanzler lästert während der Gespräche mit seinem Biografen Heribert Schwan über Parteifreunde.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2014 | 08:51 Uhr

Altkanzler Helmut Kohl hat in Gesprächen mit seinem Ghostwriter Heribert Schwan teilweise drastisch mit seinen Parteifreunden abgerechnet.

Wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet, rechnete er in deutlichen Worten mit CDU-Politikern wie Kanzlerin Angela Merkel, seinem früheren Arbeitsminister Norbert Blüm oder dem späteren Bundespräsidenten Christian Wulff ab. Über Merkel etwa sagte er: „Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen. Sie lungerte sich bei den Staatsessen herum, sodass ich sie mehrfach zur Ordnung rufen musste.“

Auch der damalige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff wurde in deutlichen Worten beurteilt: „Das ist ein ganz großer Verräter. Gleichzeitig ist er auch eine Null.“

In den Interviews soll sich Kohl außerdem zur friedlichen Revolution in der DDR geäußert haben. „Es ist ganz falsch, so zu tun, als wäre da plötzlich der heilige Geist über die Plätze in Leipzig gekommen und hat die Welt verändert“, sagte Kohl laut „Spiegel“. Nach Auffassung des Altkanzlers trug demnach nicht die ostdeutsche Bürgerrechtsbewegung zum Zusammenbruch des Regimes bei – vielmehr sei der Grund dafür die wirtschaftliche Schwäche der Sowjetunion gewesen: „Gorbatschow ging über die Bücher und musste erkennen, dass er am Arsch des Propheten war und das Regime nicht halten konnte.“

Der Journalist Schwan hatte zahlreiche Gespräche mit dem Altkanzler aufgezeichnet − beide streiten seit Jahren über deren Veröffentlichung.

Das ist auch der Grund, warum Kohl laut einem „Focus“-Bericht erneut juristisch gegen seinen früheren Biografen Schwan vorgehen will. Wie das Magazin berichtet, beauftragte Kohl seine Anwälte, die Veröffentlichung eines neuen Schwan-Buches beim Heyne Verlag zu stoppen. Grund des Streits sei der Verdacht, Schwan habe für die Publikation jene 200 Tonbänder aus Gesprächen mit Kohl verwertet, deren Nutzung ihm nach seinem Bruch mit dem Altkanzler vom Oberlandesgericht Köln im August untersagt wurde. Der langjährige CDU-Vorsitzende stellt laut „Focus“ am Mittwoch persönlich die Neuausgabe seiner Erinnerungen auf der Frankfurter Buchmesse vor. Am 3. November soll dann die Präsentation seines neuen Buches „Aus Sorge um Europa – ein Appell“ folgen.

Über den Streit zwischen Kohl und Schwan muss wohl der Bundesgerichtshof entscheiden. Der Journalist hat in Karlsruhe Revision gegen das Kölner Urteil eingelegt. Danach darf Kohl die 200 Tonbänder behalten. Schwan erhebt als Ghostwriter ebenfalls Anspruch darauf. Kohl war 2001/2002 von Schwan befragt worden.

Dabei soll er auch die Geschichte einer abenteuerlichen Wanderung mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß zum Besten gegeben haben. Weil Strauß’ Kondition nicht die allerbeste gewesen sei, habe Kohl ihn während einer Bergwanderung in den bayerischen Alpen huckepack genommen. „Erst später ist mir der Gedanke gekommen, was eigentlich passiert wäre, wenn er mir runtergefallen wäre. Das hätte mir kein Mensch geglaubt.“

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