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„Mehr Mut zur Frömmigkeit“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der neue Ratsvorsitzende der EKD, Bayerns Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, will den Menschen wieder das Evangelium näher bringen

shz.de von
erstellt am 12.Nov.2014 | 14:10 Uhr

Bischof Bedford-Strohm, was ist aus Ihrer Sicht ein guter Ratsvorsitzender der EKD?
Ein guter Ratsvorsitzender der EKD sollte selbst aus der Inspiration des Evangeliums leben, und das auch ausstrahlen. Er sollte die Lust und Freude, die diese wunderbare Botschaft bezeugt, vermitteln können. Und zwar in der geistlichen, sozialen und der politischen Dimension.

Welche Schwerpunkte wollen Sie im neuen Amt setzen?
Das Wichtigste ist, dass wir das Reformationsjubiläum gut vorbereiten. Ich habe große Lust daran, auf das Jahr 2017 zuzugehen. Wir wollen, dass das ein großes Fest für Deutschland und die ganze Welt wird. Denn dieses Jubiläum ist ja ein Weltereingnis. Es ist ein Datum, das man nur einmal im Leben erlebt: 500 Jahre Reformation. Und daraus müssen wir was machen.

Ein aktuelles Thema, mit dem Sie sich beschäftigen, ist die Debatte zum assistierten Suizid...

Ich möchte, dass die Menschen am Lebensende in Würde sterben dürfen. Dass sie liebevoll begleitet werden und keine Schmerzen haben müssen. Dass das, was an Palliativmedizin heute möglich ist, ihnen auch zugänglich wird. Dass die Menschen nicht das Gefühl haben, sie müssen sich töten lassen. Das will ich ins Zentrum rücken. Organisierte oder kommerzielle Sterbehilfe lehne ich ab. Hier brauchen wir eine klare gesetzliche Regelung. Ich will aber nicht die Ärzte, die verantwortungsvoll mit ihren Patienten umgehen, unter Strafe stellen.

Es gibt in Deutschland einen Traditionsabbruch des Christentums. Was kann die Kirche dagegen machen?
Der Traditionsabbruch macht mir in der Tat große Sorgen. Da müssen wir gegensteuern. Wir müssen die große Kraft des Evangeliums auch ausstrahlen. Wir sollten mehr Mut haben, auch die Lust am Glauben, das was man mit dem alten Wort Frömmigkeit bezeichnet, zum Ausdruck zu bringen. Wir können an Schulen Religionsunterricht erteilen. Wir können also Glaubenswissen weitergeben, wo es Familien nicht mehr tun. Wir müssen alle Möglichkeiten nutzen, um einen guten Religionsunterricht zu erteilen – und zum Beispiel auch in Kindertagesstätten die alten biblischen Geschichten wieder stärker ins Zentrum rücken.

Sie gelten in der Kirche als Facebook-Bischof: Welche Rolle spielen die modernen Medien für Sie?
Viele Menschen verbringen heute einen großen Teil ihrer Zeit bei Facebook und Twitter. Wenn ich da von meiner Arbeit als Bischof erzähle, kann ich deutlich machen, wie vielen engagierten Menschen ich als Bischof begegne. Und ich hoffe, dass gerade auch junge Leute, die sonntags nicht mehr in die Kirche gehen, neues Interesse an Kirche bekommen, weil ein Bischof auf Facebook präsent ist. Ich möchte, dass sich die digitale Welt und die Kirche vor Ort verknüpfen.

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