Datendiebstahl im US-Präsidentschaftswahlkampf : Medienbericht: Holländische Spione beobachten russische Hackerangriffe auf Demokraten

US-Sonderermittler Robert Mueller.
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US-Sonderermittler Robert Mueller.

Die Cyberspione beobachteten offenbar, wie sich russische Hacker Zugang zur Rechnerzentrale der Demokraten verschafften.

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26. Januar 2018, 20:15 Uhr

Washington | Spezialisten des niederländischen Geheimdienstes haben nach Informationen der Zeitung „De Volkskrant“ brisante Details über den russischen Hacker-Angriff auf die Rechnerzentrale der Demokraten. Unter Berufung auf sechs Quellen schreibt das Blatt, den Cyberspionen aus den Niederlanden sei es im Sommer 2014 gelungen, ein Rechnernetzwerk der russischen Hackergruppe „Cozy Bear“ zu identifizieren und zu beobachten.

Die Informationen stoßen gewiss auf großes Interesse beim Sonderermittler in der Russland-Affäre, Robert Mueller, der nach Beweisen für eine Koordination zwischen dem Wahlkampf-Team Donald Trumps und Russland sucht.

Dieses sei in einem Universitätsgebäude nahe des Roten Platzes in Moskau untergebracht gewesen. Die holländischen Spione seien durch ihren Zugang zu den russischen Computern Zeugen des Diebstahls tausender E-Mails und Dokumente aus der Rechnerzentrale der US-Demokraten geworden.

Laut „De Volkskrant“ hätte die Regierung in Den Haag die entsprechenden Stellen in Washington auf die Angriffe aufmerksam gemacht. Es hätte Monate gedauert, ehe diese begriffen hätten, wie groß das Ausmaß der russischen Operation gewesen sei, die Präsidentschafts-Wahlen zu beeinflussen. Ob die Informationen der Niederländer Hinweise auf direkte Absprachen zwischen Trump und den Russen enthalten, blieb zunächst unklar.

Der US-Präsident bestritt am Rande des Weltwirtschaftsforums von Davos einen Exklusiv-Bericht der „New York Times“, nach dem Trump den Sonderermittler im vergangenen Juni feuern wollte. „Fake News, Leute, Fake News“, antwortete der Präsident auf Reporterfragen.

Das Blatt bleibt bei seiner Darstellung, die auf vier mit der Angelegenheit vertrauten Quellen innerhalb des Weißen Hauses beruht. Demnach soll sich der Justizar des Präsidenten, Donald F. McGahn, geweigert haben, Mueller den Laufpass zu geben. Der Anwalt, der über viele Jahre für die Partei der Republikaner und während des Wahlkampfs als Rechtsberater Trumps tätig war, habe mit Rücktritt gedroht. McGhan fürchtete, der Rausschmiss Muellers würde „einen katastrophalen Effekt“ auf die Präsidentschaft haben und Trump noch verdächtiger erscheinen lassen.

Der Justiziar des Weißen Hauses stellte sich seinerzeit gegen den persönlichen Rechtsberater des Präsidenten, Marc E. Kasowitz, der zu einer harten Gangart gegen Mueller geraten hatte. Die „Times“ berichtet weiter, Trump sei am Ende nicht mutig genug gewesen, den Sonderberater selber zu feuern, sondern habe klein beigeben.

Der Vorfall kann eine Erklärung dafür sein, warum sich Trump später von Kasowitz trennte und diesen mit dem Washington-Insider Ty Cobb ersetzte. Cobb überzeugte den Präsidenten, er habe nichts von einer Konfrontation mit dem Sonderermittler zu gewinnen.

Kurz vor Abreise Trumps nach Davos musste auch Cobb die Erfahrung machen, einen Klienten zu beraten, der sich oft wenig darum schert, was ihm seine Experten sagen. So platzte der Präsident unangemeldet in ein Briefing „hoher Mitarbeiter des Weißen Hauses“ für Reporter zur Einwanderungspolitik, um über den Stand der Ermittlungen in der Russland-Affäre zu sprechen.

Der Präsident sagte, er freue sich darauf, mit Mueller in naher Zukunft zusammenzutreffen. Cobbs Team, das dabei war, Einzelheiten einer Befragung durch den Sonderermittler für Trump zu verhandeln, ruderte die Versprechen des Präsidenten im Eiltempo zurück. „Er ist bereit, sich mit ihnen zu treffen“, erklärte Cobb, „aber er wird sich von dem Rat seines persönlichen Rechtsberaters leiten lassen.“

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