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Fragwürdige Terroranschlagsliste : Medien verschweigen Terror-Anschläge, sagt Donald Trump

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Aus der Onlineredaktion

Die Presse unterschlägt bewusst Nachrichten, sagt Trump. Beweise braucht der neue US-Präsident dafür nicht.

Tampa/Washington | US-Präsident Donald Trump nimmt sich die „Lückenpresse“ erneut vor – diesmal ist das Thema aber nicht er selbst. Laut seiner öffentlich vorgetragenen Spekulation betreiben die Medien eine aktive Nachrichtenunterdrückung bei islamistischen Terror-Anschlägen in Europa. Demnach würde die Presse Informationen darüber bewusst unterschlagen und manche Terroranschläge gar nicht mehr thematisieren. Vor versammelten Luftwaffenführern beim Besuch einer Basis in Florida sagte der Präsident: „Es ist ein Punkt erreicht, an dem noch nicht einmal mehr berichtet wird. Und in vielen Fällen will die sehr, sehr unehrliche Presse auch gar nicht berichten. Sie haben ihre Gründe, und Sie wissen auch, warum“.

Der Kleinkrieg mit den Medien ist für den Präsidenten Alltag geworden. Er lässt auch die ungewöhnlichsten und fernsten Anlässe nicht aus, um die „Versager der New York Times“ und andere zu beschimpfen.

So wurden unweigerlich Referenz-Gedanken an das von der Trump-Beraterin Kellyanne Conway in der letzten Woche erfundene „Bowling Green Massaker“ wach. In einem Interview des Nachrichtensenders MSNBC hatte Conway mit Hinweis auf Trumps Amtsvorgänger Barack Obama gesagt: „Ich wette, dass es den Leuten völlig neu ist, dass Präsident Obama ein sechsmonatiges Verbot des irakischen Flüchtlingsprogramms ausgesprochen hatte, nachdem zwei Iraker in dieses Land gekommen und radikalisiert worden waren und die Drahtzieher des Massakers von Bowling Green waren.“ Die Menschen wüssten nichts über Obamas Maßnahmen, sagte Conway. „Die meisten Leute wissen das nicht, weil nicht darüber berichtet wurde“. Allerdings gab es niemals ein Massaker oder einen Anschlag in der Stadt Bowling Green im Bundesstaat Kentucky.

Konkrete Beispiele, um seinen neuen Vorwurf („Überall in Europa passiert es“) zu untermauern, nannte Donald Trump bei seiner Rede nicht. Er erwähnte lediglich die Anschläge in Paris und Nizza. Später veröffentlichte das Weiße Haus eine Liste, auf der 78 Anschläge zwischen September 2014 und Dezember 2016 aufgeführt werden, über die zu wenig oder gar nicht berichtet worden sei. Darunter sind Attentate mit vielen Toten wie die von Paris, Nizza oder Berlin und auch solche Fälle, in denen eine Beteiligung des „Islamischen Staats“ spekulativ ist sowie eine ganze Reihe kleinerer Terrorattacken mit wenigen oder keinen Toten in Nahost. Die „Washington Post“ veröffentlichte die Liste.

Genannt hat das Weiße Haus auch den „Alster-Mord“, bei dem ein 16-jährigen Hamburger an der Kennedybrücke erstochen wurde. Zwar hatte sich der IS 14 Tage später zu dem Mord bekannt, doch die Polizei hält einen terroristischen Hintergrund für unwahrscheinlich.

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erstellt am 07.Feb.2017 | 14:44 Uhr

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