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Referendum in Italien : Matteo Renzi will zurücktreten: Wer sind mögliche Nachfolger?

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Sechs Männer gelten als potenzielle Nachfolger. shz.de zeigt, wer sie sind - und welche Chancen sie haben.

shz.de von
erstellt am 05.Dez.2016 | 07:37 Uhr

Nach der Schlappe beim Verfassungsreferendum ist Ministerpräsident Matteo Renzi angezählt. Am Montag will er von seinem Amt zurücktreten.

Innerhalb der EU hat vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Renzi gesetzt. Nun verliert sie einen wichtigen Partner.

Ein Blick auf mögliche Nachfolger, wenn es eine Übergangsregierung geben sollte:

Pier Carlo Padoan

 

Pier Carlo Padoan ist derzeit Wirtschafts- und Finanzminister und ein Politiker der alten Schule, der vor allem in Brüssel Anerkennung genießt - was auch an seinem besonnenen Auftreten liegen dürfte, das er anders als Renzi an den Tag legt. Entscheidet sich Mattarella für den 66-jährigen Ökonom, dürfte das ein beruhigendes Signal an die Märkte senden. Padoan gilt als einer der wichtigsten Männer im Kabinett Renzi, der in der (internationalen) Wirtschaftspolitik viel Erfahrung hat: erst als Wirtschaftsberater unter Ex-Premierminister Massimo D'Alema, dann als Exekutivdirektor beim Internationalen Währungsfonds, schließlich als Vize-Generaldirektor bei der internationalen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Padoan gehört keiner Partei an.

Dario Franceschini

 

Dario Franceschini ist ein enger Verbündeter Renzis und macht derzeit als Kulturminister eine gute Figur. Er genießt nicht nur in der Regierungspartei Partito Democratico (PD) Rückhalt, deren Chef er 2009 war. Als Kulturminister hatte der 58-Jährige für Furore gesorgt, als er hohe Ämter in Italiens Museen erstmals international ausgeschrieben hat. Der Jurist ist seit 2001 Abgeordneter und auch als Autor aktiv: Er hat mehrere Romane geschrieben.

Carlo Calenda

<p>Carlo Calenda will keine Übergangsregierungen mehr.</p>

Carlo Calenda will keine Übergangsregierungen mehr.

Foto: Imago/ independant photo agency
 

Carlo Calenda ist im Kabinett Renzi Minister für Wirtschaftliche Entwicklung und setzt auf Wachstum. Zu der Hypothese, er werde der nächste Premierminister, sagte der 43-Jährige: „Das bringt mich zum Lachen.“ Geht es nach ihm, müssten die Zeiten der Übergangsregierungen beendet sein. Der PD-Politiker gilt als ein bisschen Manager und ein bisschen Politiker: Ende der 90er Jahre pflegte er bei Ferrari die Kunden- und Finanzbeziehungen, danach arbeitete er im Marketing von Sky Italia.

Pietro Grasso

<p>Pietro Grasso war bereits Interimspräsident in Italien.</p>

Pietro Grasso war bereits Interimspräsident in Italien.

Foto: Imago/Indepandant Photo Agency

Pietro Grasso ist Präsident des italienischen Senats. Einst war der Jurist und Staatsanwalt als Anti-Mafia-Jäger bekannt. Der 71-Jährige hat zwar noch keine Erfahrung als Ministerpräsident, war aber immerhin schon kurzzeitiger Interimspräsident nach dem Rücktritt von Staatspräsident Giorgio Napolitano 2015. Fast drei Wochen lang nahm der PD-Politiker die Aufgaben des Staatsoberhauptes wahr, bis Mattarella sein Amt antrat.

Granziano Delrio

<p>Graziano Delrio./Archiv</p>

Graziano Delrio./Archiv

Foto: dpa
 

Granziano Delrio ist studierter Mediziner und in Renzis Kabinett seit dem Frühjahr 2015 Minister für Infrastruktur und Verkehr. Als Chef einer Übergangsregierung würde er vermutlich einen ähnlichen Stil wie Renzi pflegen, er gilt als „super-renziano“ - nur menschlicher. Er könnte besänftigend auf die zerstrittenen politischen Lager nach der Referendumskampagne wirken. Der 56-Jährige startete seine politische Karriere als Bürgermeister in seiner Heimatstadt Reggio Emilia und hat neun Kinder.

Enrico Letta

Italiens Ministerpräsident Enrico Letta macht sich für Olympische Spiele in Italien stark.
Italiens Ministerpräsident Enrico Letta macht sich für Olympische Spiele in Italien stark. Foto: Ettore Ferrari
 

Enrico Letta ist Renzis Vorgänger und wurde 2014 nicht abgewählt, sondern praktisch durch eben jenen Renzi verdrängt. Der 50-jährige Letta hat in den Hauptstädten Europas einen guten Ruf und gilt als erfahren. Er könnte sich bei Renzi revanchieren wollen. Es ist aber sehr fraglich, ob eine so polarisierende Figur zum Kopf einer Übergangsregierung gemacht wird. Außerdem ist Letta zurzeit weit weg vom Politikbetrieb in der Hauptstadt: Er bringt Studenten in Paris Politik bei. Seit 2015 ist Letta Dekan an der Pariser Hochschule für internationale Beziehungen PSIA.

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