Datenskandal bei Facebook : Mark Zuckerberg entschuldigt sich per Zeitung – EU fordert Aufklärung

Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg hatte sich nach tagelangem Schweigen entschuldigt und weitere Änderungen beim Zugang zu den Nutzerdaten angekündigt.

Der Facebook-Chef bittet deutsche Nutzer per Zeitungsanzeige um Entschuldigung. Die EU mahnt den Konzern per Brief.

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27. März 2018, 17:27 Uhr

Berlin | EU-Kommissarin Vera Jourová hat in einem Brief an Facebook vor negativen Auswirkungen durch Datenmissbrauch auf demokratische Wahlen gewarnt. Das soziale Netzwerk sei seit vielen Jahren eine Plattform für Politmarketing, erklärt Jourová in einem Schreiben an Geschäftsführerin Sheryl Sandberg, das der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel vorliegt.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica sich unerlaubt Zugang zu Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern verschaffen konnte. Die Firma soll im US-Wahlkampf entscheidend dabei geholfen haben, mit als Werbung geschalteten gezielten Botschaften bei Facebook Anhänger des heutigen Präsidenten Donald Trump zu mobilisieren und zugleich potenzielle Wähler der Gegenkandidatin Hillary Clinton vom Urnengang abzubringen.

„Die jüngsten Nachrichten deuten jedoch darauf hin, dass ein Mangel an Transparenz und der Missbrauch persönlicher Daten auch negative Auswirkungen auf die Qualität dieser Debatte und sogar auf unseren Wahlprozess haben könnte“, so Jourová. Die offiziellen Äußerungen des Konzerns und des Chefs Mark Zuckerberg hätten ihre Bedenken nicht ausräumen können.

EU-Kommissarin Vera Jourová wirft Facebook vor, das Verhältnis zur EU beschädigt zu haben.
Bernd von Jutrczenka/dpa /Archiv

EU-Kommissarin Vera Jourová wirft Facebook vor, das Verhältnis zur EU beschädigt zu haben.

Zuckerberg bittet über Zeitungsanzeigen um Verzeihung

Derweil entschuldigte sich Zuckerberg bei den deutschen Nutzern und wählte dafür den analogen Weg der Zeitungsanzeige. Unter anderem in der „Bild“ oder der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ war am Dienstag in ganzseitigen Anzeigen zu lesen: „Es ist unsere Verantwortung, Deine Informationen zu schützen. Wenn wir das nicht können, haben wir diese Verantwortung nicht verdient.“ Der Facebook-Chef entschuldigte sich für den „Vertrauensbruch“ und versprach, „dass wir unsere Arbeit in Zukunft besser machen“. Zuckerberg hatte sich am Sonntag bereits in mehreren britischen Zeitungen für den Datenskandal entschuldigt.

Im ihrem Brief an Facebook, der am Montag versandt wurde, wirft Jourová dem sozialen Netzwerk zudem vor, das Verhältnis zur EU beschädigt zu haben. Man habe sich um ein vertrauensvolles Verhältnis bemüht und mehrfach gut zusammengearbeitet, heißt es. „Das Vertrauen ist jetzt geringer.“ Die EU-Kommissarin pocht auf Aufklärung. So wolle sie etwa besser verstehen, wie Daten von Facebook-Nutzern ohne ihr Wissen in die Hände von Dritten geraten konnten. Für eine Antwort innerhalb von zwei Wochen sei sie dankbar, heißt es weiter.

Cambridge Analytica hat möglicherweise US- und Brexit-Wahl beeinflusst

Das britische Unternehmen Cambridge Analytica ist darauf spezialisiert, potenzielle Wähler mit passgenauen Botschaften zu versorgen. Möglicherweise hat sie dadurch die Brexit-Entscheidung beeinflusst und Donald Trump zum Sieg bei der US-Präsidentenwahl 2016 verholfen. Der britische Parlamentsausschuss für Digitales und Medien hatte Zuckerberg vergangene Woche persönlich vorgeladen, um mehr über den Umgang der Plattform mit Nutzerdaten zu erfahren. Facebook erteilte dem jetzt aber eine Absage. Zuckerberg werde selbst nicht kommen. Stattdessen könnten seine erfahrenen Vertreter dem Gremium Rede und Antwort stehen, hieß es.

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