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Sea Lion : Marine-Hubschrauber: Umstieg wird teurer als gedacht

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Aus der Onlineredaktion

Die Kosten der Umstellung auf den neuen „Sea Lion“ erhöhen sich um fast 430 Millionen Euro. Insgesamt liefert Airbus weniger Hubschrauber für mehr Geld.

Der Umstieg auf neue Marine-Hubschrauber wird bei der Bundeswehr offenbar teurer als gedacht. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Demnach sollen sich die Kosten für die Umstellung auf den „Sea Lion“ (Airbus) auf knapp 1,4 Milliarden erhöhen – um fast 430 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant. Das gehe aus einer Vorlage des Finanzministeriums für den Haushaltsausschuss vor. Grund für die Steigerung sollen spezielle Änderungswünsche der Bundeswehr sein, heißt es bei Reuters. Hinzu kämen außerdem die indirekten Kosten bei der Umstellung auf die neuen Hubschrauber. Als Beispiel wird der Bau neuer Hangars genannt.

Beim „Sea Lion“ handelt es sich um das Nachfolgemodell des „Sea King“. Die Hubschrauber der Marine fielen in der jüngsten Vergangenheit durch Berichte über technische Probleme auf. Der Großteil der 43 Marine-Helikopter musste aus dem Verkehr gezogen werden. Die meisten der fast 40 Jahre alten „Sea King“ mussten gewartet oder repariert werden. Beim Typ „Sea Lynx“ wurde eine serienmäßige Panne festgestellt – ein 20 Zentimeter langer Riss.

Insgesamt geht es bei dem Geschäft um die Anschaffung von 168 Kampf- und Transporthubschraubern. Es ist der erste große Rüstungsdeal von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Nach dpa-Informationen soll Hersteller Airbus für die Hubschrauber der Typen „Tiger“, NH90 und „Sea Lion“ 8,7 Milliarden Euro erhalten. Das sind etwa 240 Millionen Euro mehr als die ursprünglich vorgesehen 8,46 Milliarden Euro für 202 Hubschrauber.

Die Reduzierung der Stückzahl hatte der ehemalige Verteidigungsminister de Maizière 2011 im Zuge der Bundeswehrreform beschlossen. Auch bei anderen Waffensystemen gab es Kürzungen, über die dann mit den Herstellern Verhandlungen aufgenommen wurden. Mit Airbus sprang jetzt ein Deal heraus, der folgende Änderungen zum Ursprungsvertrag vorsieht:

  • 68 statt 80 Kampfhubschrauber „Tiger“ für 3,55 statt 3,77 Milliarden Euro. Nur 40 „Tiger“ soll die Bundeswehr tatsächlich nutzen, die anderen sollen als Ersatzteillager Verwendung finden.
  • 82 statt 122 Transporthubschrauber NH90 für 3,77 statt 4,69 Milliarden Euro.
  • Zusätzlich erhält die Marine 18 „Sea Lion“ mit Spezialausstattung für knapp 1,4 Milliarden Euro.

Unter dem Strich liefert Airbus also weniger Hubschrauber für mehr Geld. Im Verteidigungsministerium hält man das für „nicht optimal“. „Es ist trotzdem der beste Deal, den wir herausschlagen konnten“, sagte ein Sprecher der dpa. Er verwies darauf, dass die Marine-Hubschrauber hochwertiger seien als die ursprünglich georderten NH90.

Der Grünen-Politiker Tobias Lindner meint, die Ministerin hätte in den Verhandlungen mit Airbus mehr herausholen können. „Ursula von der Leyen hat den unter de Maizière ausgehandelten Global Deal nun zwar in Rahmenvereinbarung umgetauft, ihn aber inhaltlich nicht wesentlich verbessert“, sagte er. „Alles in allem bleibt der Global Deal ein schlechter und fragwürdiger Deal. Wer die Rahmenvereinbarung vor zwei Jahren schlecht fand, sollte ihr auch heute nicht zustimmen.“

Der Haushaltsausschuss stimmt voraussichtlich Ende Februar über das Projekt ab. Die Zustimmung mit den Stimmen der Koalition gilt als sehr wahrscheinlich.

Wegen der zunehmenden technischen Probleme bei den Marine-Hubschraubern will der Bundestag die Notfallrettung über den deutschen Meeren neu regeln. Das geht aus einem Beschluss des Rechnungsprüfungsausschusses hervor, der shz.de vorliegt. Darin fordern die Parlamentarier den zuständigen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt auf, bis Ende Februar einen „neuen Vorschlag“ zu machen, „wie die zivilen SAR-Aufgaben mit je einem Hubschrauber für die Nordsee und die Ostsee am wirtschaftlichsten wahrgenommen werden sollen“. SAR steht für „search and rescue“ und heißt „suchen und retten“.

Verunglückt etwa ein Flugzeug über dem Meer, sollen SAR-Teams es suchen und die Insassen bergen. Auch havarierten Schiffen wie vor gut vier Jahren der brennenden „Lisco Gloria“ auf der Ostsee kommen sie zur Hilfe. In Deutschland erfüllt bisher die Marine diese Aufgabe im Auftrag von CSU-Minister Dobrindt. Und eigentlich hatte dessen Cuxhavener Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) die Rechnungsprüfer im Mai schon davon überzeugt, dass es dabei bleiben kann.

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erstellt am 17.Feb.2015 | 11:01 Uhr

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