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Northern Coasts 2015 : Marine-Großübung in der Ostsee: Die „Schweinereien“ kommen aus Glücksburg

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Sicherung eines Hafens und die Abwehr von Terroristen haben Soldaten am Mittwoch im Rahmen des Großmanövers geübt. Rund 3600 Soldaten aus 16 Nationen nehmen an dem Manöver teil, das am Donnerstag zu Ende geht.

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2015 | 09:45 Uhr

Um den Konflikt zwischen Congeria und seinen Nachbarstaaten zu kontrollieren, muss man in einem unterirdischen Schutzbau in Glücksburg (Kreis Schleswig-Flensburg) mehrere dicke Eisentüren und Drehkreuze passieren. Drei Etagen unter der Erde sitzen dort im Marine-Operations-Center (MOC) mehrere Soldaten aus Deutschland, aber auch einige aus Dänemark, Schweden, Finnland oder Polen an Computern.

Drei große Bildschirme an den Wänden zeigen die Lagedarstellung in der Ostsee, aber auch Tabellen, in denen verschiedene Aufgaben stehen. Mehrere große Karten hängen dort ebenfalls. Sie zeigen Nord-Europa. Allerdings heißen die Staaten anders: beispielsweise Congeria. Es ist ein wirtschaftlich schwacher Staat, der seit 1987 vom gleichen Präsidenten geführt wird und der die Kontrolle über einige Wasserstraßen in der Ostsee übernommen hat. Die Fischer sind verarmt und zu Piraten geworden. Die neutralen Staaten Arbolia, Daria and Barracudia sind bedroht.

Es ist eine fiktive Welt, in der sich der Konflikt abspielt. Aber es ist die reale Welt der Marine, die sich mit dem Konflikt beschäftigt. Denn derzeit findet mit „Northern Coast“ eine multinationale Großübung statt. Das Trainingsgebiet erstreckt sich über die mittlere und westliche Ostsee, die drei Meeresengen zur Nordsee bei Dänemark sowie über Kattegat und Skagerrak. Doch die Männer und Frauen, die die Übung leiten, sitzen in Glücksburg. „Mit dieser Übung zeigen wir, dass wir teilstreitkräfteübergreifend und international arbeiten können. Wir senden ein entsprechendes Signal, da so eine Übung auch immer eine gewisse Außenwirkung hat“, sagt Flotillenadmiral Georg W. von Maltzan, der das Großmanöver leitet. „Die Übung ist etwas ganz besonderes. “

16 Nationen sind beteiligt, 37 Kriegsschiffe, etwa 3600 Soldaten, sieben eingeschiffte Helikopter und zehn Flugzeuge. Deutschland ist mit 940 Soldaten der größte Truppensteller. Auch zwei Einsatzverbände der Nato sind in die Übung integriert. Der Schwerpunkt liegt auf internationaler Konfliktverhütung und Krisenbewältigung. Das Schleusen von Flüchtlingen über See ist kein relevanter Punkt.

Das virtuelle Szenario der Übung „Nothern Coast“.
Das virtuelle Szenario der Übung „Nothern Coast“. Foto: Bundeswehr
 

Letzte Woche übten die Soldaten in der Ostsee noch nach Stundenplan, mit kleineren, in der Komplexität sich steigernden Übungen. Entsprechend entspannt war die Stimmung im Hauptquartier in Glücksburg. Das änderte sich ab Montag um 00.01 Uhr, als der Hauptteil der Übung begann – das, was die Soldaten „freies Spiel der Kräfte“ nennen.

Im dritten Deck des Schutzbunkers in Glücksburg ist das Herzstück das sogenannte „Situation Center“. „Es sieht überfüllt aus, aber es steckt System dahinter“, sagt Oberstleutnant André Welter, den man als eine Art Projektmanager für die Übung bezeichnen kann. Etwa 15 Soldaten – insgesamt besteht der Stab aus etwa 90 Personen – blicken hier auf ihre Bildschirme. Manche Schiffe sind mit einem roten Kreis umrundet, das sind die „bösen“ aus Congeria. Die grün umkreisten Schiffe die „guten“. Mit einem Klick erfahren die Soldaten die aktuelle Position, technische Daten und die Geschwindigkeit.

Im Raum nebenan sitzen drei Soldaten, die die zivile Schifffahrt „lenken“. Wiederum ein Raum weiter ist das Licht gedämmt. „Hier wird das Repertoire an Schweinereien auf den Weg gebracht“, sagt einer der Soldaten. Die Aufgaben, die die Soldaten in der Übung zu lösen haben, werden mit mancher Schwierigkeit aus Glücksburg garniert. Beispielsweise durch eine unerwartete Speedboot-Attacke.

Ein anderes Beispiel des Szenarios: Congeria besitzt Waffen aus den 70er Jahren aus Russland. Ein U-Boot wurde 2000 modernisiert. Es ist extrem leise und schwer zu finden. Bis vor ein paar Tagen war es noch zu sehen – doch dann war es fort. Dieses U-Boot war am 20. September vor Skagen und beschattete die Gegner. Aufgabe für die Soldaten war es, das U-Boot zu suchen. Auch Zeitungen und Radiosender wurden in dem Szenario erfunden. Durch Meldungen kann eine Lage verschärft werden, zum Beispiel durch eine Rede des Präsidenten Congerias – verbreitet aus Glücksburg.

Noch bis zum 24. September läuft die Übung. „Um es mit Sepp Herberger zu sagen: ,Vor der Übung ist nach der Übung’“, sagt André Welter. „Dann gehen direkt die Vorbereitungen für Nothern Coast 2016 los.“ Die Leitung wird dann Dänemark haben.

Diese Einheiten aus Deutschland nehmen teil:

Einheit Typenkategorie
FGS „Bonn“ mit eingeschifftem Bordhubschrauber „Sea King“ Versorger
FGS „Lübeck“ mit eingeschifftem Bordhubschrauber „Sea Lynx“ Fregatte
FGS „Mecklenburg-Vorpommern“ Fregatte
FGS „Braunschweig“ Korvette
FGS „Siegburg“ Hohlstablenkboot
FGS „Pegnitz“ Hohlstablenkboot
FGS S 75 „Zobel“ Schnellboot
FGS „Fehmarn“ Bergungsschlepper
SSK „U 34“ Uboot
P-3C „Orion“ Seefernaufklärer
Learjet Flugzeug
PC-9 Flugzeug
EOD Team Kampfmittelbeseitigung
Seebatallion Infanterie
NCAGS Organisation Unterstützungspersonal
TEILNEHMENDE EINHEITEN UNTER NATO-KOMMANDO  
FGS „Bad Rappenau“ Minentauchereinsatzboot
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