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Radisson Blu in Bamako : Mali verhängt Ausnahmezustand nach Geiselnahme in Hotel

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Viele Menschen sterben am Freitag bei dem Anschlag. Verantwortlich soll ein totgeglaubter Extremist sein.

shz.de von
erstellt am 21.Nov.2015 | 09:37 Uhr

Bamako | Nach dem Anschlag islamistischer Terroristen auf ein Luxushotel im westafrikanischen Mali hat die Regierung des Landes den Ausnahmezustand verhängt. Er gilt von Freitag an zehn Tage lang für das gesamte Staatsgebiet, wie die malische Präsidentschaft in der Nacht zum Samstag mitteilte. Am Montag soll zudem eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen werden. Wie viele unschuldige Menschen und Attentäter bei der Geiselnahme in dem Hotel in der Hauptstadt Bamako getötet wurden, war auch am Morgen nach dem Attentat noch immer nicht ganz klar.

Ein Sprecher der UN-Mission in Mali hatte am Freitagabend von 21 Toten und drei Schwerverletzten gesprochen, wobei zunächst offen blieb, ob in dieser Zählung auch zwei zuvor bereits für tot erklärte Angreifer enthalten waren. Bei der systematischen Durchsuchung aller 190 Zimmer des bei Geschäftsleuten und Diplomaten beliebten Hotels Radisson Blu könne es womöglich noch „böse Überraschungen geben“, sagte der Sprecher.

Laut dem Hotelbetreiber Rezidor befanden sich zum Zeitpunkt des Angriffs 170 Menschen in dem Gebäude, das später von malischen Sicherheitskräften und ausländischen Spezialeinheiten gestürmt wurde.

Im Zuge der mehrstündigen Geiselnahme seien alleine drei Chinesen ums Leben gekommen, meldete die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf die Botschaft der Volksrepublik in Mali. Ein hochrangiger Vertreter des US-Außenministeriums bestätigte zudem den Tod eines US-Bürgers. Eine belgische Regionalverwaltung erklärte, einer ihrer Beamten sei ebenfalls bei dem Angriff umgekommen.

Nach Angaben von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) befanden sich zu Beginn der Geiselnahme auch vier Deutsche in dem Hotel, die das Gebäude aber unversehrt verlassen konnten. Auch türkische, indische und französische Staatsbürger hielten sich dort auf.

Zu dem Anschlag bekannten sich Berichten zufolge zwei mit dem Terrornetz Al-Kaida verbundene Islamistengruppen. Frankreichs Regierung vermutet den Al-Kaida-Veteranen Mokhtar Belmokhtar hinter dem Terrorangriff, der bereits vor Monaten von der libyschen Regierung für tot erklärt worden war und als Anführer des Terrornetzwerks im nördlichen Afrika gilt.

Der Anschlag dürfte die Debatte über das Engagement der Bundeswehr in Mali zusätzlich anheizen. Aktuell sind rund 200 deutsche Soldaten als Teil einer EU-Mission an der Ausbildung der malischen Streitkräfte beteiligt. Die Bundesregierung erwägt, den Einsatz auf den unruhigen Norden auszuweiten.

Der Obmann der Linksfraktion im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages, Stefan Liebich, lehnt die Entsendung von Kampftruppen ab. „Wir sind dagegen, dass die Bundesregierung Hunderte Soldaten zu einem Kampfeinsatz in den Norden Malis schickt“, sagte er der „Berliner Zeitung“ (Samstag). Die verteidigungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Agnieszka Brugger, sagte dem Blatt, der Auftrag der ausländischen Truppen in Mali sei „aus gutem Grund die unparteiliche Überwachung des Waffenstillstandsabkommens und nicht die Bekämpfung von Terroristen“.

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