zur Navigation springen

Lohn für den guten Aufbau

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wer in sechs Jahren auf zwei Milliarden Euro Umsatz kommt, wer mehr als 100 Millionen Besucher monatlich auf seine Internetseite lockt, wer 14 Millionen Kunden gewonnen hat, der muss viel richtig gemacht haben. Gute Ausbildung, guter Riecher für neue Märkte, Mut zum Risiko, Aggressivität im Wettbewerb – warum sollte man dazu nicht gratulieren? Schön, dass solche unternehmerische Initiative auch in Deutschland groß werden kann. Dass auf dem Weg dahin die Arbeitsbedingungen bei Zalando mal als kritisch thematisiert werden mussten, auch die Umweltverträglichkeit der verkauften Produkte – das passiert bei schnellem Wachstum. Und das Unternehmen hat sich bemüht, nicht nur die Kritik zu bekämpfen, sondern auch die Ursachen, die zur Kritik geführt hatten.

Von nun an hat Zalando es nicht nur mit Kunden zu tun, sondern auch mit dem Kapitalmarkt. Der Börsengang bringt Veröffentlichungspflichten mit sich. Da kann, darf und muss man in die Bücher gucken. Da steht, dass die neuen Aktionäre des Unternehmens nur höchstens 11,3 Prozent am Unternehmen halten werden. Sie sollen aber 113 Prozent des aktuellen Eigenkapitals beibringen. Da steht, dass Führungskräften zu zum Teil niedrigen Preisen Aktienoptionen verkauft wurden, die das Unternehmen einen hohen zweistelligen Millionenbetrag kosten, wenn sie eingelöst werden. Und da steht, dass Mitarbeiter in spürbarem Umfang bevorzugt werden, wenn es an die Verteilung der neuen Aktien geht.

Gut: Die Altaktionäre verkaufen nicht. Sie scheinen zu Zalando zu stehen. Aber das frische Geld kommt nicht nur dem Unternehmen zugute. Die Bewertung des Unternehmens atmet den Geist dessen, der sich nachträglich seine Aufbauarbeit belohnen lassen will. Das ist nicht verboten. Aber sagen sollte man es. Und die Botschaft „Schrei vor Glück, wir nehmen die Aktien zurück“, die hat man von Zalando nicht gehört.

zur Startseite

von
erstellt am 18.Sep.2014 | 18:07 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert