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Kirchen : Limburger Bischof in Rom

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Nach immer neuen Vorwürfen wegen seiner Amtsführung sucht der heftig umstrittene Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst jetzt eine Entscheidung in Rom.

Der 53-Jährige reiste am Sonntag nach längerem Verwirrspiel in den Vatikan, wo er mit Papst Franziskus über seine Zukunft sprechen will. Mehrere Medien berichteten, er sei mit der Billig-Airline Ryanair geflogen. Zeugen hätten den Geistlichen am Sonntagmorgen am Hunsrückflughafen Hahn gesehen.

Noch vor Reise waren neue Vorwürfe laut geworden. Nach einem Bericht der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» (FAS) sollen jahrelang Baukosten unter der Verantwortung des Bischofs verschleiert worden sein. Zudem drohen dem Bistum weitere Rechnungen wegen Schäden an Straßen und Hausfassaden. Bistumssprecher Martin Wind bestätigte am Sonntag: «Für Bauschäden muss aufgekommen werden.» Die Höhe der Zusatzkosten sei bislang nicht bekannt, das müssten Sachverständige prüfen.

Nach Medienberichten soll der Bischof zudem seit Jahren von den hohen Kosten für seine Residenz gewusst, aber eine niedrigere Summe verbreitet haben. Nach «FAS»-Informationen sollte auch die Aufsicht des Vatikans und des Vermögensverwaltungsrats umgangen werden. Im Sommer 2011 sei dem Rat ein Kostenvolumen von 17 Millionen Euro vorgelegt worden, zerlegt in zehn einzelne Projekte. Die Posten hätten damit unter der Summe von 5 Millionen Euro gelegen, ab der Bauvorhaben dem Vatikan angezeigt werden müssten.

Bistumssprecher Wind sagte am Sonntag, er könne nicht sagen, seit wann der Bischof von der Kostensteigerung gewusst habe. Er gehe davon aus, dass dies aus einem Prüfbericht hervorgehe. Die Ausgaben für die Residenz und die genaue Verantwortung sollen von einer Kommission der Deutschen Bischofskonferenz überprüft werden. Wann Ergebnisse vorliegen, ist noch nicht bekannt.

Tebartz-van Elst hatte zunächst am Samstag eine Reise nach Rom «im Laufe der Woche» ankündigen lassen. Der Bischof lege seine Zukunft im Bistum Limburg in die Hände von Papst Franziskus, hieß es. Bistumssprecher Wind betonte, dies sei kein Angebot zum Rücktritt des Limburger Oberhirten. Am Sonntagmittag hieß es dann, Tebartz-van Elst sei bereits im Vatikan. Nach Zeitungsberichten wollte er beim Papst dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, zuvorkommen - dieser hatte sich vorige Woche von Tebartz-van Elst klar distanziert.

«Ich bin ganz froh, dass er dort hingefahren ist. Und dort vielleicht auch Schutz findet», sagte Pastoralreferent Joachim Schaefer von der katholischen Domkirchengemeinde Wetzlar. Womöglich habe das Gespräch zwischen Tebartz-van Elst und dem Papst den Charakter einer Seelsorge». Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner befürchtet wegen der Affäre einen Schaden für die katholischen Kirche. «Mich schmerzt das, weil der Eindruck vermittelt wird, als wäre Geldverschwendung das Kernmerkmal der Kirche», sagte Klöckner dem Berliner «Tagesspiegel» (Montag).

Laut «Welt am Sonntag» könnten für die Bischofsresidenz wegen der Folgekosten für Bauschäden rund 40 Millionen Euro zusammenkommen. Die Limburger Stadtverwaltung rechne zusätzlich zu den veranschlagten 31 Millionen Euro für den Bischofssitz mit Folgekosten in Millionenhöhe - wegen Schäden in direkter Umgebung der Residenz, die durch die Baustelle entstanden. Das Limburger Bauamt prüfe derzeit, wie sehr die unter den Zufahrten liegende Kanalisation, Gasleitungen und Kabel in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Stadtverwaltung war für eine Stellungnahme am Sonntag zunächst nicht zu erreichen.

Marius Hahn, Mitglied der Limburger Diözesanversammlung und des Bezirkssynodalrats, rechnet mit drastischen Kostensteigerungen. «Ich gehe von umfangreichen Schäden aus, die totgeschwiegen werden. Es herrscht keine Offenheit. Ich gehe davon aus, dass das Gesamtprojekt am Ende 40 Millionen Euro verschlungen hat», sagte Hahn der «Welt am Sonntag».

Bei einer Messe im Limburger Dom am Sonntagmorgen war Tebartz-van Elst nicht dabei. Vor dem Gotteshaus meldeten sich enttäuschte Gläubige zu Wort. Aus Protest ließen Kritiker die Kirchenglocken um 12.00 Uhr 13 Mal schlagen. Die Aktion «Jetzt schlägt's 13» war Auftakt einer Demonstration. «Ich bete für die Heilung von der Großmannssucht unseres Bischofs», sagte einer der Gläubigen.

Ursprünglich sollte der Neubau der Bischofsresidenz 2,5 Millionen Euro kosten, später wurde mit insgesamt 5,5 Millionen Euro Baukosten gerechnet. Der wesentliche Teil werde aus dem zweckgebundenen Vermögen des Bischöflichen Stuhls finanziert, einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, die einer Stiftung vergleichbar ist, hieß es stets. Das Projekt hatte das Domkapitel 2007 beschlossen - noch bevor Tebartz-van Elst in sein Amt in Limburg eingeführt wurde. Bereits damals hatte es heftige Debatten und mehrere Entwürfe gegeben, weil der Bau als zu teuer und zu prunkvoll kritisiert worden war.

Neben der Kostenexplosion steht auch die sonstige Amtsführung des Bischofs seit Wochen in der Kritik. So ermittelte seit Ende Mai die Hamburger Staatsanwaltschaft gegen Tebartz-van Elst wegen einer möglichen Falschaussage zu seinem Flug nach Indien - und beantragte deswegen am Donnerstag einen Strafbefehl.

Pressemitteilung Bistum zu den Kosten

Bistum Limburg

FAS-Bericht

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erstellt am 13.Okt.2013 | 09:13 Uhr

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