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Liebevolles Treffen vor Gericht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bettina Wulff sagt im Prozess gegen ihren Noch-Ehemann als Zeugin aus – und gibt dem Ex-Bundespräsidenten Rückendeckung

shz.de von
erstellt am 13.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Elegante weiße Bluse, enger schwarzer Minirock, hohe Schuhe, schlichter Pferdeschwanz: Als Bettina Wulff gestern um 10.33 Uhr den Saal 127 im Landgericht Hannover betritt, bleibt Christian Wulffs Blick starr nach vorne gerichtet. Auch als die 40-Jährige auf ihrem schlichten Stuhl Platz nimmt, würdigt der ehemalige Bundespräsident sie zunächst keines Blickes. Anders als so ziemlich alle anderen im bis auf den letzten Besucherplatz voll besetzten Gerichtssaal des Landgerichts Hannover.

Doch die vermeintliche Kälte, die sofort einige Beobachter in dem Verhalten zu erkennen glauben, gibt es nicht. Fünf Minuten vorher hat sich das Paar, das seit Januar getrennt lebt, unbemerkt von den meisten Besuchern im Saal – aber im Fokus von rund einem Dutzend Fotografen – auf dem Flur des Gerichts umarmt, Küsschen auf die Wange inklusive. Einzig die Eheringe sucht man vergeblich – bei Wulff bereits seit Beginn des Korruptionsprozesses vor vier Wochen.

„Wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis“, beschreibt sie die Beziehung dem fragenden Richter Frank Rosenow. „Wir sehen uns regelmäßig und telefonieren.“ Von Hass könne überhaupt keine Rede sein. Im Saal ist es zu diesem Zeitpunkt mucksmäuschenstill.

„Ich möchte aussagen und werde natürlich die Wahrheit sagen“, sagt die ehemalige „First Lady“. Inzwischen ist es 10.35 Uhr. Bis zuletzt war dies nicht sicher, denn als Ehefrau hätte sie ihre Aussage ohne Angabe von Gründen auch verweigern können. Doch Bettina will reden.

Ihre Stimme wirkt sicher und die Wortwahl der PR-Fachfrau gerade zu Beginn ihrer Ausführungen wohl überlegt, etwa wenn sie von einer „engen Zugeneigtheit“ zwischen ihrem Mann und dem mitangeklagten Filmfinancier David Groenewold spricht.

Zur Erinnerung: Wulff wird Vorteilsannahme im Amt als niedersächsischer Regierungschef während eines Oktoberfestwochenendes 2008 vorgeworfen. Die angekündigten Ermittlungen kosteten Wulff 2012 das Amt als Staatsoberhaupt, bei einer Verurteilung drohen bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe.

Die konzentrierte Stille im Gerichtssaal ist nur von kurzer Dauer. Denn während der 64-minütigen Befragung durch Richter Rosenow liefert Bettina Wulff zwar wenige Neuigkeiten – wohl aber eine lange Liste von teils amüsanten Banalitäten. Auch Christian Wulff kann sich bisweilen ein Schmunzeln nicht verkneifen. Etwa wenn Bettina erwähnt, die Babysitterin sei „sehr attraktiv gewesen“, oder ob es sich bei dem im Zelt „von wem auch immer“ konsumierten Chateaubriand nun um – „wie irgendwer sagte“ – einen Rotwein oder doch um das gleichnamige Stück Rinderfilet gehandelt habe. Schließlich esse sie selbst kein Fleisch oder gar Garnelen, nur Hühnchen.

Wulff dürfte die Aussage von Bettina trotz ihrer bisweilen abschweifenden Flapsigkeit freuen: Im Kern stützt sie dessen Aussage, mit Groenewold eine enge Freundschaft zu pflegen. Diese gehe soweit, dass es ein „Geben und Nehmen“ bei der Übernahme von Kosten für Abendessen oder andere Aktivitäten gegeben habe. „Ich denke, dass hat sich die Waage gehalten“, betont sie. Auch umgekehrt sei gerne eingeladen worden und dann habe ihr Mann wegen seiner „natürlichen Aversion gegen Kreditkarten und Kartenverkehr“ lieber Bar bezahlt – egal ob im Urlaub auf Capri, Sylt oder beim Oktoberfest.

Dagegen dürfte Oberstaatsanwalt Clemens Eimterbäumer einmal mehr besorgt den Saal verlassen haben. Für die von ihm in der Anklage formulierten Vorwürfe, Groenewold habe einen Teil der Kosten für Hotel und Logis von Wulff rund um das Wiesn-Wochenende wissentlich und in Erwartung einer Gegenleistung übernommen, finden sich bislang keine stützenden Zeugenaussagen.

Für den 19. Dezember hat Rosenow eine Zwischenbilanz angekündigt. Was sich konkret dahinter verbirgt, ist offen – auch ob der Prozess danach noch wie bisher geplant bis April weitergehen oder eingestellt wird.

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