Demo in Leipzig : Legida zieht weit weniger Sympathisanten an als geplant

Die Legida-Demonstration am 21. Januar in Leipzig.
Die Legida-Demonstration am 21. Januar in Leipzig.

Zum dritten Mal hat Legida zur Kundgebung in Leipzig aufgerufen. Und wieder verfehlen die Islamkritiker ihr selbst gesetztes Ziel an Teilnehmern deutlich.

shz.de von
30. Januar 2015, 14:51 Uhr

Leipzig | Das islamkritische Bündnis Legida hat am Freitag in Leipzig weit weniger Sympathisanten mobilisiert als angekündigt. Kurz vor Beginn der Kundgebung um 19.00 Uhr schätzte ein Sprecher der Stadt die Teilnehmerzahl vorsichtig auf 900.

Angemeldet waren 15.000 bis 20.000 Teilnehmer. Auch der Gegenprotest fiel diesmal kleiner aus als bei den beiden vorherigen Legida-Aufmärschen. Die Stadt sprach von 2.000 Teilnehmern bei der größten angemeldeten Gegenveranstaltung „Leipzig Courage zeigen.“ Die Lage sei angespannt, aber man habe sie Situation im Griff, sagte eine Polizeisprecherin. Rund 2.000 Polizisten waren im Einsatz, um die Veranstaltungen abzusichern und Auseinandersetzungen zu unterbinden.

Es gab Blockaden am Zugang zur Legida-Kundgebung vor der Oper. Die Polizei räumte diese und stellte die Personalien der Beteiligten fest. Ob es auch Festnahmen gab, war zunächst unklar. Zudem kam es in der Stadt zu einzelnen Rangeleien mit der Polizei. Es seien Farbbeutel auf Einsatzkräfte geworfen worden - aus welchem Lager, konnte die Sprecherin zunächst nicht sagen.

Wie schon in der Vorwoche verübten Unbekannte wieder Brandanschläge auf die Deutsche Bahn. In Naunhof gab es am Nachmittag an der Strecke Leipzig-Meißen ein Feuer, gegen 17.30 Uhr brannte es zudem in der Nähe des S-Bahn-Haltepunktes Markkleeberg Nord. Der Zugverkehr war massiv gestört. Die Bahn versuchte, Reisende mit einem Schienenersatzverkehr zum Ziel zu bringen.

Legida, der als radikal geltende Ableger des Dresdner Pegida-Vereins,  marschierte in Leipzig zum dritten Mal auf. In der Vorwoche waren laut Polizei 15. 000 Menschen gekommen. Diese Zahl wurde von Wissenschaftlern allerdings als viel zu hoch bewertet. Soziologen der Universität Leipzig kamen auf maximal 5.000 Teilnehmer. Die Polizei hatte angekündigt, dieses Mal keine eigenen Zählergebnisse zu veröffentlichen.

Bei Pegida in Dresden hatte sich in dieser Woche die halbe Führungsriege zurückgezogen. Ehemalige Mitglieder des Organisationsteams um die bisherige Sprecherin Kathrin Oertel möchten ein neues Bündnis unter anderem Namen gründen.

Bei der letzten Legida-Demonstration vor einer Woche war es trotz Einsatzes von 4000 Polizisten zu Auseinandersetzungen gekommen. Mehrere Polizisten wurden unter anderem mit Flaschen angegriffen. Auch Angriffe auf Journalisten habe es aus dem Legida-Lager gegeben.

Legida will zum dritten Mal in Leipzig demonstrieren. Der Termin wurde kurzfristig von Mittwoch auf Freitag verlegt. Beobachter sehen darin keinen Zufall. Am 30. Januar 1933 hatten die Nazis die Macht in Deutschland übernommen. Bei Legida in Leipzig laufen viele Neonazis mit.

Das merkten auch einige Twitter-User an:

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Legida sucht sich AUSGERECHNET den 30. Januar für Kundgebung aus. ...hat alles GANZ bestimmt absolut nichts Rechtes an sich.</p>&mdash; Tom on an Applecrate (@Krocaldil) <a href="https://twitter.com/Krocaldil/status/561162184705994752">30. Januar 2015</a></blockquote>

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>aha...die legida orga&#39;s wussten bis gestern nicht die bedeutung des 30.Januar...der Witz des Tages! <a href="https://twitter.com/hashtag/nolegida?src=hash">#nolegida</a> <a href="http://t.co/NzGmv9Vv34">http://t.co/NzGmv9Vv34</a></p>&mdash; Archeo Pix (@ArcheoPix) <a href="https://twitter.com/ArcheoPix/status/560167138271715328">27. Januar 2015</a></blockquote>

Die radikale Ausrichtung von Legida war ein Grund dafür, weshalb sich mehrere der Dresdner Pegida-Organisatoren von der Bewegung abwandten und nun einen neuen Verein mit veränderter Zielrichtung gründen wollen. Ihnen geht es nach eigenen Angaben nicht mehr um die angeblich drohende Islamisierung des Abendlandes, sondern um direkte Demokratie.

Nach AfD-Vize Alexander Gauland distanzierte sich am Freitag auch die Co-Vorsitzende der Alternative für Deutschland (AfD), Frauke Petry, von Pegida. Es drohe weder eine Islamisierung noch eine Überfremdung Deutschlands, sagte Petry dem Sender WDR 5. Petry hatte sich Anfang Januar mit sieben Aktivisten von Pegida getroffen und bisher Verständnis für die Bewegung gezeigt.

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