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Ex-Präsident von Polen : Lech Walesa soll für Geheimdienst gearbeitet haben

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Lech Walesa ist in Polen ein Symbol des Kampfes gegen den Kommunismus. Plötzlich tauchen Papiere auf, nach denen er Geheimdienstmitarbeiter der Kommunisten gewesen sein soll. Die Vorwürfe gibt es seit Jahren.

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2016 | 13:39 Uhr

Warschau | Der polnische Ex-Präsident Lech Walesa hat nach Erkenntnissen des Instituts für Nationales Gedenken (IPN) in Warschau für den früheren kommunistischen Geheimdienst gearbeitet. Im Haus des im November verstorbenen Ex-Generals Czeslaw Jan Kiszczak seien Walesas Personalakte und seine Verpflichtungserklärung zur Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst gefunden worden, sagte der IPN-Direktor Lukasz Kaminski der Agentur PAP zufolge am Donnerstag.

„In der Personalakte findet sich ein Umschlag und darin eine handschriftliche Verpflichtungserklärung zur Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit: Lech Walesa +Bolek+“, sagte Kaminski. Nach Angaben des Instituts war „Bolek“ der Deckname Walesas. Die Unterlagen stammten aus den Jahren 1970 bis 1976, also noch vor Walesas Zeit als Vorsitzender der freien Gewerkschaft Solidarnosc.

Die Unterschrift Walesas sei authentisch, sagte Kaminski. Walesa selbst widersprach den seit Jahren kursierenden Spekulationen, er sei unter dem Tarnnamen „Bolek“ ein Agent des Sicherheitsapparates gewesen. In seinem Mikroblog schrieb Walesa, der sich derzeit in Caracas aufhält: „Es kann kein Material geben, das von mir stammt. Wenn es so war, wäre es gefälscht. Das werde ich vor Gericht beweisen.“ Walesa war 1990 bis 1995 erster demokratisch gewählter Präsident Polens nach der Wende. Ein Gericht hatte im Jahr 2000 befunden, dass Spitzel-Vorwürfe gegen Walesa unwahr seien.

Die Witwe des vor mehreren Monaten gestorbenen Kiszczak hatte dem IPN am Dienstag das Privatarchiv ihres Mannes angeboten. Mittlerweile hat die Behörde sechs Aktenpakete mit handschriftlichen Notizen, Fotografien und getippten Texten sichergestellt. Am Donnerstag durchsuchten IPN-Ermittler das Ferienhaus des Generals in Masuren, um festzustellen, ob es noch mehr bisher unbekannte Materialien gibt.

Das Institut für Nationales Gedenken ist das polnische Pendant der deutschen Stasi-Unterlagen-Behörde. Walesa gilt als Kritiker der seit Oktober regierenden neuen nationalkonservativen Regierung und des Chefs der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jaroslaw Kaczynski. Im Dezember warnte der Freiheitsheld angesichts der gesellschaftlichen Spannungen vor einem „Bürgerkrieg“ in Polen.

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