Möglicher Regierungschef in Italien : Lebenslauf frisiert? Vorwürfe gegen Giuseppe Conte

<p>Er habe in New York lediglich sein Studium der Rechtswissenschaften 'perfektioniert und aufgefrischt', erklärte Conte.</p>

Er habe in New York lediglich sein Studium der Rechtswissenschaften "perfektioniert und aufgefrischt", erklärte Conte.

Der Universitätsprofessor soll weder Student noch Angehöriger der New York University gewesen sein.

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22. Mai 2018, 15:24 Uhr

Rom/New York | Er ist noch nicht im Amt, schon kommen Zweifel auf: Der Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten in einer populistischen Regierung in Italien sieht sich Vorwürfen über Ungereimtheiten in seinem Lebenslauf ausgesetzt. Der Jurist Giuseppe Conte hatte darin renommierte Universitäten auf der ganzen Welt aufgelistet, darunter auch die New York University (NYU).

Eine Sprecherin sagte der „New York Times“ allerdings, ein Giuseppe Conte sei weder Student noch Angehöriger einer Fakultät gewesen. Der Universitätsprofessor ist von der Fünf-Sterne-Bewegung und der rechtspopulistischen Lega vorgeschlagen worden.

„Perfektioniert und aufgefrischt“

Die Fünf Sterne stellten daraufhin am Dienstag klar: Conte habe an keiner Stelle geschrieben, Kurse oder Master an der Universität absolviert zu haben. Er habe lediglich sein Studium der Rechtswissenschaften "perfektioniert und aufgefrischt". Die Anti-Establishment-Bewegung und die Lega hatten am Montagabend Conte als Wunschkandidat bekannt gegeben.

Es wird erwartet, dass Staatspräsident Sergio Mattarella dem 53-jährigen Polit-Quereinsteiger nun den Regierungsauftrag erteilt. Dazu will er allerdings noch Bedenken aus dem Weg räumen, wie aus dem Präsidentenpalast verlautete. Vor Mittwoch wurde keine Entscheidung erwartet. Mattarella traf am Dienstag die Präsidenten der beiden Parlamentskammern zu Beratungen.

Die Pläne der zwei Parteien, vom Sparkurs gemäß der EU-Vorgaben abzurücken und milliardenschwere Vorhaben wie Steuersenkungen durchzusetzen, sorgen angesichts der hohen Staatsverschuldung Italiens europaweit für Unruhe. Streitpunkt ist auch die Besetzung des Wirtschafts- und Finanzministeriums - ein Schlüsselposten.

Ende der EU- und Euro-feindlichen Rhetorik gefordert

Denn als möglicher Kandidat wird der Euro- und Deutschland-Kritiker Paolo Savona gehandelt. Der Wirtschaftswissenschaftler soll der Wunschkandidat der Lega sein. Der 1936 geborene Savona hält den Euro für ein "deutsches Gefängnis". Die Zeitung "La Stampa" zitierte weiter aus seiner Autobiografie: "Deutschland hat seine Vision für seine Rolle in Europa nach dem Nationalsozialismus nicht geändert, obwohl es sich von der Vorstellung verabschiedet hat, dies mit Waffengewalt durchzusetzen". Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass der Staatspräsident einen Kandidaten wie Savona für das zentrale Ministerium durchgehen lässt.

Die Zeit drängt. Italien braucht dringend politische Stabilität. Die Wahl am 4. März war ohne klaren Sieger ausgegangen. Nach wochenlangen Verhandlungen rauften sich die Lega - einstige Separatisten-Partei aus dem Norden Italiens - und die als Anti-Establishment-Bewegung groß gewordenen Sterne schließlich zusammen.

Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Jürgen Hardt (CDU), forderte ein Ende der EU- und Euro-feindlichen Rhetorik. "Ich erwarte vom designierten Regierungschef Conte eine konstruktive Politik. Er sollte sein Amt dazu nutzen, die europäische Gemeinschaftswährung zu stärken", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Italien habe sich auf verbindliche Stabilitätskriterien verpflichtet, deren Einhaltung auch für die wirtschaftliche Zukunft des Landes wichtig sei.

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