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Gastkommentar : Leben! Paris nach dem Terror

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Frankreich darf sich dem Terror nicht unterwerfen, meint unser Gast-Kommentar Guillaume Goubert aus Paris.

„Keep on rocking“ – diese Worte eines Überlebenden aus dem Konzertsaal Bataclan, die ich im Radio gehört habe, mögen im ersten Moment vielleicht etwas großmäulig klingen. Aber diese Worte beinhalten auch eine wichtige Botschaft: Wir dürfen nach den barbarischen Attacken in Paris und in Saint-Denis nicht aufhören zu leben. Sicher, jeder von uns muss vorsichtig sein, jeder von uns muss die Ratschläge der Sicherheitsexperten beachten. Aber wenn wir uns dem Terror nicht unterwerfen wollen, müssen wir auf unsere Weise weiterleben. Das schulden wir den Opfern dieser unfassbaren Taten. Das schulden wir uns selbst. Denn was von den Tätern angegriffen wurde, ist eine offene Gesellschaft, in der wir uns frei bewegen können, in der wir ein gutes Essen in einem Restaurant oder ein Rockkonzert genießen können. Wenn wir uns jetzt einschließen und verkriechen, schenken wir den Terroristen den Sieg.

Blumen, Licht und die Tricolore: Frankreich verleiht seiner Trauer ausdruck.

Blumen, Licht und die Tricolore: Frankreich verleiht seiner Trauer ausdruck.

Foto: dpa
 

Natürlich haben wir alle Angst. Es wäre absurd, das abzustreiten. Aber wir müssen lernen, mit dieser Angst zu leben. Für den Kampf, den Frankreich gegen den islamistischen Terror führen muss, wird unser Land einen langen Atem brauchen. Frankreich bietet dem sogenannten Islamischen Staat mit militärischen Mitteln die Stirn – was im Gegenzug terroristische Aktionen wie die vom Freitagabend zur Folge hat. Natürlich ist die Versuchung nun groß, sich aus der Schlacht zurückzuziehen, um das Risiko für weitere Anschläge auf französischem Boden zu senken. Aber Frankreich muss dieser Versuchung widerstehen. Frankreich darf sich einer solchen Barbarei nicht beugen.

Dennoch dürfen die jüngsten Ereignisse nicht dazu führen, dass der Hass uns beherrscht und überwältigt. Es war berührend, dass US-Präsident Barack Obama am Freitagabend in französischer Sprache jene drei Worte aussprach, die das Motto unserer Republik sind: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Speziell das Wort Brüderlichkeit sollten wir uns immer wieder in Erinnerung rufen. Klar ist: Wir werden keinen nachhaltigen Sieg gegen den Terrorismus davontragen, wenn es weiterhin Gräben in unseren eigenen Reihen gibt. Wir verlangen von den französischen Moslems, dass sie sich noch klarer von den jüngsten Greueltaten distanzieren – allerdings ist es genauso unsere Pflicht, auf sie zuzugehen und ihnen unser Vertrauen zu schenken. Die Herausforderung unseres Landes ist, endlich eine Einheit zu werden.

Unser Gastautor

Guillaume Goubert

Guillaume Goubert

Der Gast-Kommentar stammt von Guillaume Goubert. Der 58-Jährige ist Chefredakteur der landesweit erscheinenden und katholisch geprägten Tageszeitung „La Croix“.Der Hauptsitz der Zeitung ist in Paris.


 

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