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Weltklimagipfel in Paris : Latif: „Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ab heute beraten 10 000 Delegierte in Paris, wie das Klima zu retten ist. Schon im Vorfeld der Konferenz haben mehr als 170 Staaten nationale Klimaschutzpläne vorgelegt

. Heute beginnt in Paris die 21. UN-Klimakonferenz. Über 190 Länder werden über einen neuen Klimavertrag verhandeln. Obwohl sich die Staatengemeinschaft schon 1992 in Rio darauf verständigt hatte, einen gefährlichen Klimawandel zu vermeiden, herrscht immer noch Stillstand in Sachen Klimaschutz. Es gibt nur vollmundige Ankündigungen, passiert ist so gut wie nichts. Die Zeit drängt. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren.

Seit Beginn der Industrialisierung ist die globale Durchschnittstemperatur der Erde um etwa ein Grad Celsius angestiegen. Für Deutschland liegt der Temperaturanstieg bei etwa 1,3 Grad. Zwölf der dreizehn global wärmsten Jahre seit Beginn der flächendeckenden instrumentellen Messungen liegen in diesem Jahrhundert. 2014 war das bislang wärmste Jahr, 2015 könnte noch wärmer werden. Selbstverständlich gibt es natürliche Schwankungen, der langfristige Trend weist jedoch klar nach oben. Wir Menschen sind die Hauptverantwortlichen für die Erwärmung des Planeten – und der damit angestoßene Klimawandel birgt große, schwer abschätzbare Risiken. Der Hauptgrund für die Erderwärmung liegt im Ausstoß von Treibhausgasen, allen voran CO2, das in erster Linie durch die Verfeuerung fossiler Brennstoffe (Kohle, Öl, Gas) zur Energiegewinnung entsteht.

Weltweit erhöht sich die Zahl extremer Hitzetage, auch in Deutschland. Betrachtet man alle Landregionen zusammen, ergeben sich weitere Trends. Es häufen sich Starkniederschläge, Hochwasser und Dürren. Die Eispanzer Grönlands und der Westantarktis und fast alle Gebirgsgletscher schmelzen und lassen die Meeresspiegel immer schneller steigen. Die Ozeane erwärmen sich. Und die Meere werden saurer, weil sich derzeit ein Viertel des vom Menschen ausgestoßenen CO2 im Meerwasser löst. Beides bedroht das Leben in den Weltmeeren und damit auch eine unserer zentralen Ernährungs-grundlagen.

Dem gegenüber ist die Bilanz der internationalen Klimaschutzpolitik ernüchternd: Die globalen CO2-Emissionen sind seit 1990 um rund 60 Prozent gestiegen. Inzwischen haben sich jedoch die Bedingungen geändert, unter denen die Verhandlungen stattfinden: Die Schäden durch den Klimawandel manifestieren sich immer deutlicher in vielen Regionen der Welt. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung lag im Jahr 2014 weltweit schon bei etwa 23 Prozent, in Deutschland bei fast 28 Prozent.

Papst Franziskus hat in seiner Umweltenzyklika die Ergebnisse der Klimawissenschaft aufgegriffen und politische Konsequenzen angemahnt. Weiterhin haben sich die Regierungschefs auf dem G7-Gipfel in Elmau zur Dekarbonisierung bekannt, das heißt auf eine Weltwirtschaft ohne fossile Brennstoffe. Dieses Ziel müsste aber deutlich vor Ende des Jahrhunderts erreicht sein, um doch noch einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern.

Weil CO2 sehr lange in der Atmosphäre verbleibt, ist es unerheblich, wo genau es dorthin gelangt. Alle Staaten sitzen im selben Boot. Noch haben wir es in der Hand, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Selbst dann würden eine Reihe von kleinen Inselstaaten untergehen und die meisten tropischen Korallen sterben. Couragiertes und schnelles Handeln auf der weltpolitischen Ebene ist geboten. Alle Staaten müssen über ihren eigenen Schatten springen.

Die Hauptverursacher des Klimaproblems sind die Industrienationen, insbesondere die USA und Europa. Sie und auch Länder wie Kanada oder Australien müssen vorangehen. Die Schwellenländer wie China, Brasilien und Indien werden folgen. Möge die Klimakonferenz von Paris die Zeichen der Zeit erkennen und entsprechend mutige Schritte zum Klimaschutz beschließen. Die Zeit für Tricksereien und Wortakrobatik ist abgelaufen.

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erstellt am 30.Nov.2015 | 13:18 Uhr

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