Plan der USA : Laptop-Verbot fürs Handgepäck – EU sieht mehr Schaden als Nutzen

Der Laptop als Waffe? Flugpassagiere soll die Geräte nach dem Willen der US-Regierung nicht mehr im Handgepäck haben.
Der Laptop als Waffe? Flugpassagiere sollen die Geräte nach dem Willen der US-Regierung nicht mehr im Handgepäck haben.

Die US-Regierung hatte die Europäer zunächst gar nicht informiert. Die können die Pläne nicht nachvollziehen. Ein Überblick.

shz.de von
17. Mai 2017, 11:15 Uhr

Brüssel  | Die Pläne scheuchen Politik und Flugbranche auf: Die USA erwägen ein Handgepäck-Verbot für Laptops und andere elektronische Geräte. Anlass des drohenden Verbots sind Informationen der USA über eine mögliche Terrorgefahr. Amerikanische Medien hatten Anfang April berichtet, Terrororganisationen hätten Wege gefunden, Sprengsätze in Laptops und anderen elektronischen Geräten zu verbergen.

Sollte ein US-Verbot nur für bestimmte Flughäfen in Europa gelten, müssten diese einen erheblichen Wettbewerbsnachteil fürchten. Auf Reisende kämen wohl zusätzliche Kontrollen zu, außerdem müssten sie teures Gerät mit persönlichen oder auch sensiblen geschäftlichen Daten aus den Händen geben. Verlorenes Gepäck würde zu einem noch größeren Ärgernis als bisher. Geschäftsreisenden ginge auf langen Transatlantikflügen wertvolle Arbeitszeit verloren. Der Geschäftsreiseverband VDR rechnet deshalb mit Buchungsrückgängen.

Allerdings hat die Washingtoner Regierung ihre europäischen Partner über Details zunächst einmal nicht informiert - was für Irritationen sorgte. Die EU haben die Überlegungen kalt erwischt. Von einem Treffen an diesem Mittwoch in Brüssel erhoffen sich die Europäer Aufklärung. Ein Überblick:

Betroffene Geräte: Details der geplanten Auflagen für Flüge aus Europa sind noch unklar. Im März hatte die US-Regierung allerdings schon eine ähnliche Regelung für Direktflüge von zehn Flughäfen im Nahen Osten und Nordafrika in Kraft gesetzt. Sie gilt für sämtliche elektronischen Geräte, die größer als Mobiltelefone sind, also Laptops, Tablet-Computer, E-Book-Reader oder Kameras. Medizinische Geräte bleiben an Bord erlaubt. Großbritannien verhängte im März ein ähnliches Verbot.

Anlass: Die USA scheinen sich auf Geheimdienst-Informationen zu stützen. Amerikanische Medien hatten Anfang April berichtet, Terrororganisationen hätten Methoden entwickelt, um Sprengsätze in Laptops und anderen elektronischen Geräten zu verbergen. Der Sprengstoff werde möglicherweise von den Scannern bei der Sicherheitskontrolle an Flughäfen nicht entdeckt. Die Medien beriefen sich auf Informanten aus der US-Bundespolizei FBI und andere Quellen aus Geheimdiensten.

Nutzen: Was sich die USA von dem Kabinen-Verbot versprechen, ist aus europäischer Sicht schwer nachvollziehbar. Denn die Geräte würden ja weiterhin mitfliegen, nur eben im Frachtraum. Der europäische Pilotenverband European Cockpit Association fürchtet, dass solche Auflagen die Branche vom Regen in die Traufe führen. Denn wenn Passagiere ihre Tablets und Laptops nicht mit in die Kabine nehmen dürfen, fliegen im Frachtraum große Mengen von Geräten mit Lithium-Batterien mit, was als mögliches Brandrisiko gilt. Dadurch könnte der Frachtraum erst recht zum attraktiven Ziel für Terroristen werden, warnt der Verband.

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