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Malu Dreyer, Julia Klöckner, Eveline Lemke : Landtagswahlen 2016 in Rheinland-Pfalz: Es wird eine Frau

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Landtagswahl von Rheinland-Pfalz birgt besondere Spannung: Gewinnt die CDU endlich wieder ein Land zurück?

Über Helmut Kohl, ehemaliger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, wurden „Birne“-Witze gemacht, als er seine Kanzlerschaft mit allerlei Tapsigkeiten begann. Bernhard Vogel, ein eher intellektueller Mensch, wurde von der eigenen Partei aus dem Amt gemobbt und machte dann eine beachtenswerte zweite Karriere nach der Wende als Ministerpräsident von Thüringen. Kurt Beck wiederum erfuhr das Schicksal des Provinzpolitikers: Als SPD-Parteichef fehlten ihm Fortune und Respekt, vielleicht auch in umgekehrter Reihenfolge.

In drei Bundesländern wird gewählt. Und in allen mischt die AfD munter mit. Vor allem Protestwähler, die mit der Arbeit der schwarz-roten Regierungskoalition nicht einverstanden sind, schließen sich den Rechtspopulisten an.

Rheinland-Pfalz, sehr ländlich geprägt, hat bundespolitisch also schon mehrfach eine Rolle gespielt. Das Land liegt auch irgendwie merkwürdig: Keine zwei deutschen Landeshauptstädte haben eine gemeinsame Stadtgrenze, aber bei Mainz und Wiesbaden ist es so. Und kein Bundesland ist so sehr von Weinbau und Landwirtschaft geprägt wie das Land an Rhein, Kusel, Mosel und Nahe.

Vom ehemaligen Landesvater Beck, in dessen Stapfen seine Ministerin Malu Dreyer stieg, stammt der wunderbare Satz: „Die Menschen sind wie die Leut’.“ Das ist die pfälzische Übersetzung für Konrad Adenauers legendären Satz: „Die Menschen sind, wie sie sind – es gibt keine anderen.“ Beide Sätze, so unlogisch unsinnig sie auch sein mögen, fügen sich perfekt in die Pfälzer Mentalität. Die Ministerpräsidentin Dreyer jedoch, eine zierliche und eher leise argumentierende Frau, passt bei allem Humor nicht zum Weinfest-Plausch. Sie lobt die Kanzlerin mehr, als es ihre Herausforderin Julia Klöckner tut. Dreyer lebt in einer ökologischen Wohngemeinschaft über mehrere Generationen im Herzen von Trier, sie macht aus ihrer Erkrankung keinen Hehl, aber auch kein Aufhebens. Sie nimmt einfach den Arm des nächstbesten Begleiters als Stütze.

 

Ganz anders dagegen Julia Klöckner. Eine eher laute, vor allem sehr witzige und schlagfertige Frau, die gestandenen Chefredakteuren ihre Argumente um die Ohren haut. (Sechs Fakten über Klöckner gibt es hier zum Nachlesen.) Merkeltreu sei sie, sagt sie, und im nächsten Atemzug spricht sie vom Plan A2, einer inhaltlich eher schwammigen Alternative zu Merkels Flüchtlingspolitik. Plan B nennt sie es nicht, denn das wäre ja illoyal. Alles klar?

Klöckner ärgert sich darüber, dass sie vorzeitig in den Medien zur „Reservekanzlerin“ ausgerufen wurde, denn sie weiß: Erst einmal muss ich eine Wahl gewinnen. Das könnte ihr gelingen, wenn sie die AfD auf Distanz hält und vor allem die CDU-Erosion stoppen kann, die in den letzten Umfragen zunahm. Ihr Pfund: Für Rot-Grün wird es aller Voraussicht nach nicht reichen. Die Ministerpräsidentin hat sie in die Defensive gedrängt, weil sie im Gegensatz zu ihr bereit war für eine direkte Auseinandersetzung mit der AfD im Fernsehen.

Malu Dreyer sagt dazu kühl: „Ich kann nur Ministerpräsidentin sein, indem ich meine Haltung lebe. Da kann man sich dran reiben.“ Ebenso wie Klöckner ist sie eine bekennende und praktizierende Katholikin, was in diesem Bundesland für die Akzeptanz nicht unwichtig ist. Klöckner wiederum verkörpert eine junge, frische CDU und räumt robust mit der Altherrenpartei auf: „Wir können Alice Schwarzer dankbar sein, dass wir nicht mehr sein müssen, wie sie mal war. Das meine ich ehrlich.“ Das kann man durchaus Postfeminismus nennen.

Die dritte Frau könnte die Weiche für die nächste Ministerpräsidentin stellen. Derzeit ist sie Stellvertreterin von Malu Dreyer: die Grüne Eveline Lemke. Sie erzählt von ihrem Onkel, dem ehemaligen Bremer Senator und langjährigen Manager des SV Werder Bremen, Willi Lemke. Als Ministerin für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung ist sie ein politisches Schwergewicht. Und sie kann mit beiden Frauen.

Eine Analyse der Wahl in Baden-Württemberg folgt am Freitag auf shz.de, die zur Wahl in Sachsen-Anhalt können Sie hier nachlesen

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erstellt am 10.Mär.2016 | 09:50 Uhr

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