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Planungs- und Umweltausschuss : Krümmel: Geesthacht will AKW-Schrott in Stausee kippen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Grund des Sees ist verseucht. Eine dicke Betonplatte sichert die Umwelt. Ein passender Ort für den Bauschutt?

Geesthacht | Sollte der an der Bundesstraße 5 bei Geesthacht gelegene Stausee des Pumpspeicherwerks zur Deponie und zusätzlich zum endgültigen Lagerplatz für beim Rückbau des Kernkraftwerkes Krümmel anfallenden Bauschutt werden? Darüber wird der Planungs- und Umweltausschuss der Stadt in seiner nächsten Sitzung im neuen Jahr beraten. Voraussichtlich am 12. Januar.

Deutschland hat den Atomausstieg beschlossen. Die Atomkraftwerke in Brunsbüttel und Krümmel werden zurückgebaut. Und irgendwo muss der Müll gelagert werden. Doch den möchte natürlich keine Gemeinde vor der eigenen Haustür haben.

Bettina Boll (Grüne) hatte die Beratung angeregt. Hintergrund: Auf dem Grund des Stausees liegen etwa 200.000 Tonnen mit Giften wie Arsen, Quecksilber, Blei und Cadmium belasteter Schlamm aus der Elbe, wie kürzlich eine Studie aufgezeigt hatte. Seit der Inbetriebnahme des Pumpspeicherwerks 1958 waren mit jeder Füllung des Stausees mit dem Elbwasser die Sedimente auf den Geesthang gespült worden. Dort lagerten sie sich ab, Grenzwerte sind zigfach überschritten. Experten gehen von möglichen Entsorgungskosten für den Giftschlamm in Höhe von bis zu 100 Millionen Euro aus.

Das Pumpspeicherwerk und das Kernkraftwerk gehören beide dem Energiekonzern Vattenfall, wenn auch mit unterschiedlichen Gesellschaften. „Wenn das für 2030 genannte Ende des Betriebs des Pumpspeicherwerks mit dem geplanten Rückbau des Kernkraftwerkes Krümmel übereinpasst, sollten wir uns überlegen, ob wir nicht den beim Rückbau anfallenden Schutt auch in den Stausee bringen und das Becken sozusagen auffüllen“, regte Bettina Boll eine Diskussion im Fachausschuss an. Von der SPD kam sofort Gegenwind. „Es kann ja wohl nicht unser Ziel sein, Geesthacht zur großen Müllkippe zu machen“, sagte Petra Burmeister. Denn: Auch für den atomaren Abfall, der beim Rückbau des Kernkraftwerkes anfällt, gibt es noch keine Endlagerstätte. Er bleibt auf unbestimmte Zeit in Geesthacht.

Tatsächlich würde die Idee von Bettina Boll aber für kurze Wege sprechen. 10.000 Lastwagen-Ladungen wären mindestens nötig, den Schlamm auf eine Deponie zu bringen. Außerdem müsste wohl das künstlich angelegte Becken nach Betriebsende ebenfalls zurückgebaut werden. Und der Stausee liegt quasi in Sichtweite des Atommeilers, die Laster müssten nicht durch Geesthacht zu einer noch nicht gefundenen anderen Deponie rollen. Viele Kommunen, an denen es Bauschuttdeponien gibt, weigern sich bisher ebenso wie deren Betreiber, freigemessenen, also nicht strahlenden Müll, aus Kernkraftwerken anzunehmen. „Außerdem ist das Becken wirklich gut gesichert“, sagte Bettina Boll. Der Grund des Stausees ist eine dicke Betonschicht.

Bei Vattenfall sieht man derweil keinen Grund zur Eile. Ergebnisse einer von dem Stromkonzern in Auftrag gegebenen Studie wären nicht überraschend, wenn man die Geschichte der vor allem in den 1960er- bis 1980er-Jahren extremen Schadstoffbelastungen ausgesetzten Elbe bedenke, heißt es. Auch der Kreis sieht keinen akuten Handlungsbedarf – und könnte sich selbst mit der Idee einer Deponie, wenn auch bislang nur für den Giftschlamm, anfreunden. Denn solange die abgelagerten Sedimente nicht bewegt werden, gelten sie als sicher. Die Frage wäre, ob die Sicherheit bei einer Füllung des Beckens mit Bauschutt aus dem Kraftwerks-Rückbau auch gegeben wäre.

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erstellt am 21.Dez.2016 | 06:30 Uhr

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