Russland und die Ukraine : Krim-Krise: Was Sie jetzt wissen müssen

Die beiden Länder Russland und Ukraine leben seit Jahrhunderten in einem Spannungsverhältnis. Der Konflikt spitzt sich auf der Krim zu. Fragen und Antworten.

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03. März 2014, 10:19 Uhr

Moskau/Kiew | Der ukrainische Machtkonflikt hat sich auf der russisch geprägten Halbinsel Krim bis an den Rand eines Krieges zugespitzt. Bei dem Streit zwischen den beiden Ex-Sowjetrepubliken geht es um alles – auch ums Gas und die Geschichte. Fragen und Antworten zu den Hintergründen der aktuellen Situation.

Welche Bevölkerungsgruppen leben heute auf der Krim?

Von den mehr als zwei Millionen Einwohnern sind etwa 25 Prozent Ukrainer und knapp 60 Prozent Russen. Zudem siedelten sich nach dem Zusammenbruch der UdSSR Zehntausende Krimtataren wieder dort an, die zuvor im Rahmen der stalinistischen Verfolgungen nach Zentralasien deportiert worden waren.

Woher rührt der Interessenkonflikt um die Krim?

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte das 26.000 Quadratkilometer große Gebiet zunächst zu Russland. Kremlchef Nikita Chruschtschow machte es 1954 zu einem Teil seiner Heimatrepublik Ukraine innerhalb der Sowjetunion – ein historischer Fehler, wie Moskaus Staatsmedien aktuell wieder betonen. Heute, 23 Jahre nach Auflösung der Sowjetunion, ist die Krim ein autonom verwalteter Teil der unabhängigen Ukraine. Anfang der 1990er Jahre konnte die Ukraine ihre Herrschaft über die Krim nur mühsam durchsetzen. Als Zugeständnis wurde 1992 eine Autonome Republik Krim eingerichtet. Die Hafenstadt Sewastopol mit mehr als 300.000 Einwohnern gehört nicht zum Autonomiegebiet, sondern wird direkt aus Kiew verwaltet. Mit Druck verhinderte Kiew bisher ein Referendum über die Unabhängigkeit, das prorussische Kräfte nun für den 30. März anstreben.

Warum gibt es russische Militärbasen auf der Krim?

Bereits Ende des 18. Jahrhunderts baute Russland in Sevastopol eine Marinebasis, die bis heute Heimathafen der Schwarzmeerflotte ist. Der Verbleib russischer Marineeinheiten dort war 1997 in einem Abkommen mit der Ukraine geregelt worden – für zunächst 20 Jahre. Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch vereinbarte 2010 mit Moskau, dass der 2017 ablaufende Pachtvertrag für die Stationierung der russischen Flotte um 25 Jahre verlängert wird. Sewastopol ist zugleich aber auch Hauptquartier der ukrainischen Marine.

Worum geht es bei dem ukrainischen Sprachengesetz, das von Russland so scharf kritisiert wird?

Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor mehr als 20 Jahren legt Russland großen Wert auf den Schutz seiner Minderheiten im Ausland.  Streit gibt es häufig über Sprachengesetze. Moskau feierte es 2012 als Erfolg, dass der „Bruderstaat“ Ukraine ungeachtet der Proteste von Nationalisten per Gesetz Russisch als regionale Amtssprache zuließ. Entsprechend groß war jetzt die Empörung in Moskau, dass die neue Parlamentsmehrheit in Kiew als eines der ersten Projekte das Sprachengesetz kippte. Zwar hat der ukrainische Interimspräsident Alexander Turtschinow erklärt, er werde die Aufhebung des Gesetzes nicht unterschreiben. Doch die Führung in Moskau sieht weiter die Gefahr einer russlandfeindlichen Politik in Kiew. Russisch ist auch ohne das Gesetz in den Medien und im Alltagsleben die dominante Sprache in weiten Teilen der Ukraine. Die beiden slawischen Sprachen unterscheiden sich im Klang und im Wortschatz, benutzen aber das kyrillische Alphabet. In der Ukraine haben heute zehn  der insgesamt 27 Gebiete Russisch zu ihrer Regionalsprache erklärt.

Wie setzt Russland sein Druckmittel Gas in dem Konflikt ein?

Die Ukraine ist abhängig von russischen Gaslieferungen. Nach zähen Verhandlungen hatte Russland dem vom Staatsbankrott bedrohten „Bruderstaat“ einen Preisrabatt gewährt. Statt 400 US-Dollar zahlte die Ex-Sowjetrepublik zuletzt nur 168 US-Dollar je 1000 Kubikmeter Gas. Allerdings gilt dieser Preis nur bis März, dann wird neu verhandelt. Das russische Energieministerium teilte nun mit, dass es für einen weiteren Rabatt keinen Grund sehe.

 
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