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Sanktionen wegen Ukraine : Kreml-Astrologe glaubt an Putsch gegen Putin

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Wirtschaftsprofessor: „Politbüro" denkt über Machtwechsel nach. Publizist: Verlasst das Land und nehmt eure Kinder mit!

Der angesehene Kreml-Bebachter Paul Roderick Gregory spekuliert über einen möglichen Putsch gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin. „Laut Wahrsagern entscheidet sich die Kreml-Elite, von manchen als Politbüro 2.0 bezeichnet, gerade, ob Putin gehen sollte, bevor er die Situation verschlimmert.“ Gregory ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Houston, Texas, und hat seinen Beitrag auf der Website des US-Magazins „Forbes“ veröffentlicht.

Von außen betrachtet ist Wladimir Putin uneingeschränkter Herrscher Russlands - trotz oder gerade wegen der Ukraine-Krise, der Sanktionen des Westens und dem wirtschaftlichen Niedergang. Aber unter der Oberfläche brodelt es. Beobachter glauben, es gebe Reiche und Mächtige in Russland, die in einer Zukunft mit Putin mehr zu verlieren als zu gewinnen haben.

Obwohl er vorsichtig Wahrsager, im englischen Original „tea leaves“, als Quelle bezeichnet, bezieht er sich auf einen konkreten Kronzeugen: Wladimir Jakowlew. Der Journalist gründete 1989 in Moskau das Wirtschaftsblatt „Kommersant“, das er 1999 verkaufte. Jakowlew veröffentlichte vergangene Woche Dienstag einen Artikel, in dem er Russen rät, das Land mit ihren Kindern zu verlassen: „Wenn möglich verlassen Sie das Land mit ihren Kindern. Nicht für immer, für zwei oder drei Monate, oder für sechs (ohne Visum möglich).“

Jakowlew rechnet damit, dass eines von zwei Szenarien eintritt: Entweder werde es einen Regierungswechsel mit unabsehbaren Folgen geben oder eine schwere soziale Krise. Bei beidem bestehe eine reale Gefahr für Leben und Gesundheit.

Gregory verweist in seinem Beitrag auf Jakowlew. Seiner Ansicht nach habe Putin zwar das Volk hinter sich. Allerdings verstehe die Kreml-Elite das wahre Ausmaß des wirtschaftlichen Niedergangs in Folge der Ukraine-Sanktionen. „Das Politbüro 2.0 muss sich fragen: Was ist der nächste Schritt von Putin, und können wir es uns leisten mitzugehen?“ 

Das Politbüro der Kommunistischen Partei der Sowjetunion war von 1919 bis 1991 das wichtigste Machtgremium des Staates. Laut einem von Gregory verlinkten Dokument gehören dem Politbüro 2.0 unter anderem Gazprom-Chef Alexander Medwedew, der Medien- und Finanzunternehmer Juri Kowaltschuk, Rosneft-Chef Igor Setschin oder der Ölmilliardär Gennadi Timtschenko an. Gregory spekuliert, Putin könnte weitere Sanktionen provozieren, die Russland aus dem internationalen Zahlungsverkehrssystem Swift werfen. „Diejenigen die von Russlands Kleptokratie profitiert haben, würden vor dem Ruin stehen.“

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erstellt am 24.Aug.2015 | 14:18 Uhr

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