„Modellstädte zur Luftreinhaltung“ : Kostenloser Nahverkehr: Teststädte sprechen sich dagegen aus

Nahverkehr

Der öffentliche Nahverkehr soll attraktiver gestaltet werden.

Um die Stickoxid-Werte in Metropolen zu senken, wollen die fünf Modellstädte bis März ein Maßnahmenpaket erarbeiten.

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26. Februar 2018, 15:37 Uhr

Bonn | Ein Test für einen komplett kostenlosen öffentlichen Nahverkehr scheint vom Tisch. Ein so weitgehender Versuch sei in keiner der fünf Modellstädte zur Luftreinhaltung geplant, sagte am Montag der Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan (CDU) nach einem Gespräch mit dem Bundesumweltministerium in Bonn. Ein komplett kostenloser ÖPNV sei eher unrealistisch.

Die fünf beteiligten Städte seien aber entschlossen, dem Bundesumweltministerium bis Mitte März Vorschläge für eine bessere Luftqualität zu machen. Dazu gehöre auch, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu gestalten, um Halter von Diesel-Fahrzeugen zum Umsteigen zu motivieren, versicherten Vertreter aller fünf Städte. Sridharan betonte, das Gespräch sei sehr konstruktiv gewesen. Er sagte aber auch: „Viele Fragen sind offen geblieben.“

Bei den fünf Städten handelt es sich um Bonn und Essen aus Nordrhein-Westfalen und Mannheim, Reutlingen und Herrenberg aus Baden-Württemberg. Die Idee mit dem Gratis-Nahverkehr-Idee hatte die Bundesregierung jüngst in einem Brief an die EU genannt.

Hintergrund ist die hohe Belastung der Luft in vielen Städten mit gesundheitsschädlichem Stickoxid, das vor allem aus Dieselabgasen stammt.

Die EU macht deshalb Druck auf Deutschland. Einer Analyse des Umweltbundesamts zufolge sterben allein an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die durch Stickstoffdioxid ausgelöst werden, 6000 Menschen im Jahr. Zwar ist die Luft zuletzt in vielen Städten sauberer geworden, die EU-Grenzwerte halten aber noch längst nicht alle ein. Auch Kiel in Schleswig-Holstein hat mit erhöhten Werten zu kämpfen. Am schlimmsten trifft es einen Abschnitt am Theodor-Heuss-Ring. Hier liegt die Belastung mit gefährlichen Stickoxiden seit Jahren über dem gesetzlich zugelassenen Grenzwert.

Um die Werte zu senken, wird in einigen Städten über ein Diesel-Fahrverbot diskutiert. Hierzu wird am Dienstag vor dem Bundesverwaltungsgericht ein Urteil erwartet. Die Verhandlung können Sie ab 11 Uhr bei uns im Liveblog verfolgen.

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