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Gesundheit : Kontrolleure stellen Ergebnisse zu Organvergabe vor

vom

Rund 14 Monate nach dem Bekanntwerden des Skandals um die Organvergabe in Deutschland sollen Manipulationen und Unregelmäßigkeiten umfassend dargestellt werden.

Dazu präsentiert die Bundesärztekammer heute seit Monaten mit Spannung erwartete Kontrollergebnisse der zuständigen Prüfungs- und Überwachungskommission.

In mehreren Kliniken sollen Ärzte die Warteliste manipuliert und so eine bevorzugte Organvergabe für Patienten erreicht haben. Der Prozess gegen den frühere Leiter der Göttinger Transplantationsmedizin läuft derzeit vor dem dortigen Landgericht.

Insider erwarten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass mit dem Prüfbericht nun auch weitere ältere Unregelmäßigkeiten bekannt werden - allerdings wohl deutlich kleineren Ausmaßes als die bisher bekannten Fälle. Insgesamt soll es sich um einen detaillierten Bericht handeln.

Konkret bekannt gegeben wird, was sich bei der Kontrolle der 24 Lebertransplantationsprogramme in Deutschland ergeben hat. Insgesamt haben rund 50 Kliniken Transplantationsprogramme - manche nur für einzelne Organe, andere für das ganze Spektrum. Nach den Leberprogrammen sollen auch die anderen überprüft werden.

Im Juli 2012 kam ans Licht, dass zwei Mediziner der Göttinger Uniklinik im großen Stil Akten gefälscht und Patienten bei der Vergabe von Spenderlebern bevorzugt haben sollen. Einer der Verdächtigen soll schon von 2004 bis 2006 an der Regensburger Uniklinik vor Lebertransplantationen Krankendaten manipuliert haben. Im Herbst 2012 stellten Prüfer am Münchner Krankenhaus Rechts der Isar Auffälligkeiten bei der Organvergabe fest. Im Januar wurden Manipulationen an der Uniklinik Leipzig aufgedeckt.

Im Juli hieß es in einem Zeitungsbericht, dass auch in Münster und Essen Unregelmäßigkeiten vorgekommen sein sollen. Die Uniklinik Essen unterhält Deutschlands größtes Lebertransplantationsprogramm.

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sagte am Dienstag, dass sich wohl keine Ärzte bei Manipulationen bereichert hätten. Inzwischen trat eine Gesetzesänderung in Kraft, nach der Manipulationen mit bis zu zwei Jahren Haft geahndet werden können.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, bemängelte, dass das Erstellen des Prüfberichts für die Lebertransplantationen ein Jahr gedauert habe. «Damit wurden für die Jahre 2010 und 2011 insgesamt 2154 Lebertransplantationen geprüft», sagte er der dpa. «In diesen zwei Jahren wurden insgesamt aber 8122 Organe transplantiert und somit auch Vermittlungsentscheidungen getroffen.» Kapazitäts- und Professionalisierungsdefizite in der Kommission hemmten die nötigen Kontrollen. Gesundheitsminister Bahr müsse hauptamtliche Strukturen in staatlicher Verantwortung schaffen.

Die Zahl der Organspender sank seit vergangenem Sommer deutlich. Deutsche Kliniken meldeten zuletzt auch weniger Patienten zur Organtransplantation an. Der Ärztliche Direktor bei Eurotransplant, der Vermittlungsstelle für postmortale Organe im niederländischen Leiden, Axel Rahmel, sagte dem «Deutschen Ärzteblatt», die Zahl der auf den Wartelisten registrierten Patienten habe im ersten Halbjahr um 23 Prozent unter den entsprechenden Zahlen von 2010 und 2011 gelegen. «Es könnte sein, dass die Berichterstattung in den Medien zu negativen Entwicklungen bei der Organtransplantation mögliche Bedenken von Patienten, die ein Organ benötigen, erhöht hat.»

Artikel über jüngste Vorwürfe

Bisherige Berichte Überwachungskommission

Verbände-Pläne für mehr Kontrollen

Umfragen zur Organspende

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erstellt am 04.Sep.2013 | 07:15 Uhr

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