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Sunniten gegen Schiiten : Konflikt eskaliert: Saudi-Arabien greift Huthi-Rebellen im Jemen an

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Die Huthis hatten schon fast das ganze Land übernommen. Es gibt mehrere Akteure in dem Konflikt. Wer will was?

shz.de von
erstellt am 26.Mär.2015 | 10:38 Uhr

Aden | Kurz nach dem Beginn von saudischen Luftangriffen im Jemen melden die Einheiten vom jemenitischen Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi erste Erfolge. Hadi-treue Kräfte hätten am Donnerstag die Kontrolle über den Flughafen Aden im Süden des Landes zurückgewonnen, meldeten der arabische Nachrichtenkanal Al-Arabija und jemenitische Medien. Einheiten, die mit den schiitischen Huthi-Rebellen verbündet sind, hatten den Flughafen zuvor nach Kämpfen eingenommen.

Die Huthi-Rebellen nahmen in den vergangenen Monaten große Teile Jemens ein, darunter die Hauptstadt Sanaa. Verbündet sind sie mit dem früheren Staatschef Ali Abdullah Saleh, der 2012 nach Massenprotesten zurückgetreten war. Ihm wird vorgeworfen, den Rebellen-Aufstand zu schüren. Auch der ebenfalls schiitische Iran soll die Huthis unterstützen. Der hat ein angespanntes Verhältnis zu Saudi-Arabien. Mit dem Militäreinsatz unterstützen Saudi-Arabien und seine Verbündeten den vertriebenen Präsidenten Hadi. Das saudische Königreich will einen größeren Einfluss Teherans auf die Region verhindern. Saudi-Arabien ist sehr stark sunnitisch geprägt.

Saudi-Arabien und seine Verbündeten hatten in der Nacht zum Donnerstag mit Luftangriffen auf Stellungen der Huthis im Jemen begonnen. Nach einer Reihe von Luftschlägen habe die saudi-arabische Luftwaffe die Lufthoheit über den Jemen, berichtete Al-Arabija. Nach unbestätigten Berichten sollen bei Luftschlägen auch ein Stützpunkt nördlich der Hauptstadt Sanaa sowie die politische Zentrale der Rebellen in der Hauptstadt getroffen worden sein.

Im Jemen drohte zuvor die komplette Machtübernahme durch die schiitischen Huthis. Am Mittwoch waren die Aufständischen bis an die im Süden des Landes gelegene Hafenstadt Aden herangerückt - dort hielt sich der im Februar vor den Huthis aus Sanaa geflohene Präsident Hadi auf. Er soll am Abend sein Anwesen verlassen haben.

Laut Al-Arabija beteiligen sich an den Luftangriffen die Vereinigten Arabischen Emirate mit 30 Flugzeugen, Kuwait und Bahrain mit jeweils 15 und Katar mit zehn Maschinen. Jordanien, Marokko und der Sudan hätten jeweils sechs Kampfjets entsandt, hieß es weiter. Die ägyptische Nachrichtenseite Al-Ahram meldete, auch Kairo stelle militärische Hilfe zur Verfügung. Die USA gewähren logistische und geheimdienstliche Unterstützung.

Bei den Luftangriffen auf Sanaa sind nach Angaben der Huthi-Rebellen 25 Zivilisten getötet worden. Ein Sprecher des von den Huthis kontrollierten Gesundheitsministeriums erklärte am Donnerstag, Kampfflugzeuge hätten Wohngebiete in der Nähe des internationalen Flughafens bombardiert. 40 Menschen seien verletzt worden. Der Huthi-TV-Kanal Al-Masira sprach von Dutzenden Toten und Verletzten.

Der Iran hat das militärische Eingreifen Saudi-Arabiens verurteilt. „Diese Angriffe sind nicht nur eine Verletzung der territorialen Integrität des Jemens, sondern auch eine sehr gefährliche Entwicklung“, erklärte die iranische Außenamtssprecherin Marsieh Afcham am Donnerstag in einer Mitteilung. Die Angriffe würden die Optionen für eine friedliche Lösung des Konflikts blockieren und sollten daher umgehend gestoppt werden, forderte die Sprecherin.

Die wichtigsten Akteure im Machtkampf im Überblick:

Huthis

Die Huthis sind ein schiitischer Volksstamm aus dem Nordjemen. Im vergangenen September eroberten rund 30.000 Anhänger die Hauptstadt Sanaa, Anfang des Jahres setzten sie dort Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und die Regierung in deren Häusern fest. Binnen weniger Wochen brachten sie die Westküste und den Süden des Landes unter Kontrolle.

Jemens Präsident Hadi

Abed Rabbo Mansur Hadi gelang im Februar die Flucht aus Sanaa in die südjemenitische Stadt Aden, von wo aus er weiterzuregieren versuchte. Als die Huthis vorrückten, musste der von den USA und Saudi-Arabien unterstützte Staatschef auch seine dortige Residenz verlassen. Sein neuer Aufenthaltsort war zunächst unklar.

Saudi-Arabien

Das Land hat als reichster Golfstaat ein großes Interesse daran, den bettelarmen Jemen unter sunnitischer Kontrolle zu halten. Seit Ende März fliegt die Monarchie Luftangriffe gegen Huthi-Stellungen.

Iran

Der Iran versucht hingegen als Rivale Saudi-Arabiens, via Sanaa einen Fuß auf die Arabische Halbinsel zu bekommen. Das schiitische Land gilt als Verbündeter der Huthi-Rebellen und forderte einen Stopp der militärischen Angriffe Saudi-Arabiens.

Jemens Ex-Präsident Saleh

Ali Abdullah Saleh schlug einst Aufstände der Huthis nieder, heute gilt er als heimlicher Verbündeter der Rebellen. Die UN werfen ihm vor, das Chaos im Jemen geschürt zu haben und einen Weg zurück an die Macht zu suchen. Der Langzeitherrscher war nach Protesten gegen ihn Anfang 2012 zum Rücktritt gezwungen worden.

Jemens Ex-Staatschef Ali Abdullah Saleh
Jemens Ex-Staatschef Ali Abdullah Saleh. Foto:Imago/xinhua
Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel (AQAP)

AQAP ist der mächtigste Ableger des weltweit agierenden Terrornetzwerkes. Die sunnitischen Extremisten gelten als heimliche Gewinner im Machtpoker um den Jemen. Mit ihren Anschlägen gegen die schiitischen Huthis punkten sie vor allem bei ärmeren sunnitischen Stämmen.

 
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