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Politik

20. Oktober 2017 | 13:19 Uhr

Kompletter Neubeginn

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Christian Lindner hat gute Chancen, die FDP wieder aufzubauen – dafür hat er aber wenig Zeit

shz.de von
erstellt am 09.Dez.2013 | 15:52 Uhr

Die FDP hat einen entscheidenden Schritt getan, um sich von der Niederlage bei der Bundestagswahl im September zu erholen. Der Parteitag am Wochenende wählte einen funktionsfähigen Vorstand, er distanzierte sich von extremen Positionen wie denen der Euro-Kritiker, und er verbreitete so etwas wie Aufbruchstimmung. Gelöst sind die Probleme der Liberalen damit nicht. Es hat die Partei nicht völlig aus der Kurve getragen, was durchaus denkbar erschien.

Alle Hoffnungen ruhen jetzt auf Christian Lindner. In der Partei ist niemand in Sicht, der ihn in Frage stellen könnte. Das verschafft ihm einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem gescheiterten Philipp Rösler. Ein weiterer Pluspunkt für Lindner ist die derzeit aussichtslose Lage der Partei. Für Karrieremacher und Quereinsteiger sind die Freien Demokraten momentan vollkommen uninteressant. Wer sich jetzt bei der FDP engagiert, der meint es wirklich ernst.

Die inhaltliche Neupositionierung, die Lindner skizzierte, leidet unter einem Dauerproblem der Liberalen. Ihre Weltsicht ist erklärungsbedürftig. Sie taugt nur bedingt für eine Zuspitzung und gibt oft keine klare Orientierung. Ein neuer Zungenschlag, wie Lindner ihn für sich in Anspruch nimmt, macht die Sache nicht einfacher. Volkstümlich war der Liberalismus zuletzt vor 150 Jahren. Ein Vorteil könnte da die große Koalition und die schwache Opposition im Bundestag sein. Eine Politik des bevormundenden Sozialstaates, wie sie sich abzeichnet, nützt am Ende der FDP. Es muss ihr nur gelingen, Kapital aus dieser Situation zu schlagen.

Die Perspektive der Liberalen ist gespickt mit vielen Wenns und Abers. Lindners Aufgabe wäre auch so gigantisch, denn es geht um nicht weniger als die komplette Neuausrichtung der Partei: Beginnend bei der Organisation und den Finanzen, dann weiter zur Programmatik, den Kommunikationsstil bis hin zu den Koalitionsoptionen. Im kommenden Jahr stehen eine Reihe von Landtagswahlen an. Die Abstimmungen werden zeigen, ob der Neuanfang überhaupt möglich ist. Lindner gibt sich selbst vier Jahre Zeit. Das ist optimistisch. Mag sein, er ist nach 2014 schon am Ende seiner Möglichkeiten.

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