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Gauland neuer starker AfD-Mann : Kommentar: Sieg der Fundamentalisten - AfD verpatzt den Weg zur Volkspartei

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Alexander Gauland setzt sich an die Spitze der AfD - und könnte die letzten bürgerlichen Wähler abschrecken.

shz.de von
erstellt am 24.Apr.2017 | 07:23 Uhr

Köln | Politik ist ein schmutziges Geschäft. Wie schmutzig, wurde am Wochenende auf dem AfD-Bundesparteitag in Köln einmal mehr eindrucksvoll demonstriert. Mit gezielten Intrigen und Provokationen hat es der rechte Hardliner Alexander Gauland geschafft, sich zur neuen Führungsfigur der Rechtspopulisten zu krönen. Parteichefin Frauke Petry warf im Kampf um die Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl bereits unter der Woche entnervt die Brocken und erlebte mit ihrem Antragsdebakel am Wochenende die nächste Demütigung. Gaulands ärgste Kontrahentin, Beatrix von Storch, schaltete dieser hingegen durch Hinterzimmer-Deals aus. Für den Polit-Senioren war es ein Sieg auf ganzer Linie. Und doch sagen die Umstände der Wahl viel über ihn und seine Partei aus.

Zuletzt war Frauke Petry das bürgerlich-freundlich wirkende Gesicht der Partei.
Zuletzt war Frauke Petry das bürgerlich-freundlich wirkende Gesicht der Partei.
 

Klar ist seit dem Parteitag in Köln, dass die AfD weiter nach rechts rückt. Der liberale Flügel um Petry hat verloren, die Fundamentalisten haben gesiegt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Gauland nicht als alleiniger Spitzenkandidat in den Bundestagswahlkampf geht. Die ihm zur Seite gestellt Ökonomin Alice Weidel ist zu unbekannt und noch dazu innerparteilich nicht einflussreich genug, um die AfD auf einen gemäßigteren Kurs zurück zu bringen. Verstärkend kommt hinzu, dass durch Petrys Babypause nun für einige Monate ein Machtvakuum entsteht, das Gauland für sich nutzen wird.

Angst haben muss man aufgrund der Entwicklung in der AfD jedoch nicht – im Gegenteil. Die jüngsten Personal- und Programmbeschlüsse werden das bürgerliche Wählerlager eher abschrecken als anziehen. Ebenso die bewusste Entscheidung, sich auch künftig nicht an Regierungen beteiligen zu wollen. Und so hat der erneute Rechtsruck in der AfD auch seine gute Seite. Fest steht: Es wird diese Partei weiter geben. Aber sie wird auch weiterhin keinen Einfluss auf die wichtigen politischen Entscheidungen im Land haben und ist vom anvisierten Status einer Volkspartei weit entfernt.

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