zur Navigation springen

Ehe für alle : Kommentar: Schwule und lesbische Lebenspartner sind die wahren Wertkonservativen der Republik

vom

Die Lebenspartnerschaft ist ein Auslaufmodell - vielleicht für Männer und Frauen ohne Kinder? Fragt unsere Redakteurin Kathrin Emse.

shz.de von
erstellt am 30.Jun.2017 | 13:04 Uhr

Die Ehe für alle ist beschlossen. Jedenfalls formal. Der Bundespräsident muss es unterschreiben. Danach haben die Standesämter nochmals drei Monate Zeit, sich darauf vorzubereiten. Vor November wird das mit der echten Ehe für Frau und Frau beziehungsweise Mann und Mann also nichts.

Echte Ehe? Die Nein-Sager bei der heutigen Bundestagsabstimmung dürfte es bei diesem Ausdruck heftigst schütteln. Sie wollen gar Verfassungsbeschwerde einlegen. Schließlich sei Ehe und Familie vor dem Grundgesetz ausdrücklich geschützt – und damit sei allein die zwischen Mann und Frau gemeint. Aber in Artikel 6 des Grundgesetzes heißt es lediglich: „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.“ Von einem Bund zwischen Mann und Frau steht da nichts. Wenn nun die Gegner jedoch behaupten, es stehe da nur deshalb nicht ausdrücklich, weil man sich etwas anders 1949 nicht habe vorstellen, so ist das reine Spekulation. Was eine Grundgesetzänderung obsolet macht. Denn eine Neuformulierung ist nicht nötig.

Und wenn Gerda Hasselfeld oder Erika Steinbach gegen die Ehe für alle ins Feld führen, dass die Ehe – also jene zwischen Mann und Frau – doch die Urzelle jeder Familie und damit des Fortbestandes unserer Gesellschaft sei, so wirft auch dies Fragen auf. Was nämlich ist mit all jenen Männern und Frauen, die zwar eine Ehe eingegangen sind, aber keine Kinder wollen oder gar keine bekommen können?

Was ist da anders als bei einer eingetragenen Lebenspartnerschaft? Bei Lesben und Schwulen wird daraus übrigens nicht automatisch eine Ehe. Menschen, die in den vergangenen Jahren eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen sind und diese in eine echte Ehe umwandeln wollen, müssen nun im November zum Standesamt, um diese umschreiben zu lassen. Das werden sicherlich viele tun.

Denn die Lesben und Schwulen, die seit 2001 eingetragene Lebenspartnerschaften eingegangen sind, gehören vielleicht zu den wertkonservativsten Lebenspartnern der Republik. Sie sind den Bund fürs Leben zu einer Zeit eingegangen, als der Staat ihnen dafür weit mehr Pflichten als Rechte aufbürdete. Erst peu á peu kamen auch Rechte wie das Erbrecht oder steuerliche Vergünstigungen hinzu, auch und vor allem Dank des Bundesverfassungsgerichts.

Aber zurück zur Umwandlung: Ab November wird dann die eingetragene Lebenspartnerschaft zudem in den Status eines Auslaufmodells mit Bestandschutz erhoben. Denn alle homosexuellen Paare, die ab November zum Standesamt gehen, können nur noch Ehen eingehen. Es sei denn, Gerda Hasselfeld und andere entdecken die eingetragene Lebenspartnerschaft für sich und machen sie zu einem Auffangbecken für kinderlose Ehepaare, die dann ihrerseits zum Umwandeln aufgefordert werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen