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AfD-Programm : Kommentar: Revolution rückwärts

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Die Feindbilder sind "links-rot-grün verseucht", die Medien und allem voran der Islam. Die AfD stellt sich nicht nur gegen die 68er - sondern auch gegen die Freiheit.

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erstellt am 01.Mai.2016 | 14:11 Uhr

Der Islam gehört nicht zu Deutschland, heißt eines der zentralen Themen der AfD. Doch wie sieht sie aus, die Alternative? Was ist sie, die deutsche Kultur, die im Programm als so bedroht und schützenswert erachtet wird, dass in einer Rede über eine Rote Liste philosophiert wird?

Ein Deutschland der AfD zieht die Grenzen hoch. Nicht nur die tatsächlichen, auch die geistigen. Fremde Kultureinflüsse sollen nicht als gleichberechtigt neben der Leitkultur stehen. Die alternative Utopie verschärft das Strafrecht - Kinder im Alter von zwölf Jahren sollen bereits als strafmündig gelten - sie hat keine Minarette, keine verschleierten Frauen und weniger öffentliche Fernsehsender. Was "links-rot-grün verseucht" ist, wird ebenso bekämpft wie die verhasste "Gender-Ideologie", die von Universitäten verbannt werden soll. Im Fernsehen und in Schulen soll die klassische Familie als Ideal gezeigt werden - Abtreibungen werden abgelehnt.

Es ist von ideologischen Zwängen die Rede. Das Programm und einige Redebeiträge erinnern an eine fußstampfende Trotzreaktion auf die 68er. Familien und deutsche Kultur sind ein wichtiger Teil der Gesellschaft - doch wer bitteschön stellt diese überhaupt zur Debatte? Offenbar gehören für die AfD Freiheit und Gleichheit, das Recht zu glauben, was man glaubt, zu lieben, wen man liebt, nicht zu den Errungenschaften der deutschen Kultur.

Es mag sein, dass die AfD zu Deutschland gehört. Doch man sollte sich fragen, welche Schlagkraft sie verdient. Nicht nur sollten Wähler schauen, auf welche kleingeistigen Rattenfänger sie hereinfallen - auch darf sich der Rest der Politik nicht von den populistischen Erfolgen antreiben lassen.

Fremdenfeindliche Abschottungsgedanken oder eine Reduzierung der Frauenrechte sind Forderungen einer Minderheit. Wer das unterstützt, der möge die AfD wählen. Wer lediglich seinen Protest über die Bundesregierung ausdrücken möchte, sollte bedenken: Wählerstimmen sind keine Gegenstimmen. Sie sind eine Stimme für etwas - und wofür man stimmt, sollte man wissen. Es soll am Ende niemand sagen, er habe doch von nichts gewusst.

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